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Neuer Corona-ImpfstoffModerna will die Schweiz im ersten Halbjahr 2021 beliefern

Moderna meldet eine Wirksamkeit von 94,5 Prozent ihrer Impfung und damit ähnlich gute Werte wie der Biontech-Wirkstoff – hat aber einen zusätzlichen Vorzug. Die Schweiz hat bereits 4,5 Millionen Dosen reserviert.

Geht alles glatt, könnte es schon vor Juli die ersten Impfungen mit dem Moderna-Wirkstoff in der Schweiz geben: Impfung in New York während der klinischen Versuchsphase.
Geht alles glatt, könnte es schon vor Juli die ersten Impfungen mit dem Moderna-Wirkstoff in der Schweiz geben: Impfung in New York während der klinischen Versuchsphase.

Eine Woche nach Pfizer/Biontech ist das Zwischenergebnis eines zweiten Covid-Impfstoffs bekannt. Der Wirkstoff-Kandidat von Moderna hat eine Wirksamkeit von 94,5 Prozent erzielt, teilte das Unternehmen mit. «Laut der Zwischenanalyse wurden bislang keine signifikanten Nebenwirkungen festgestellt», sagt Dan Staner, der Schweiz-Chef von Moderna im Gespräch.

Die Schweiz hat mit dem US-Biotech-Unternehmen bereits im August einen Liefervertrag für den Impfstoff abgeschlossen. Der Schweizer Pharmazulieferer Lonza stellt den Wirkstoff dafür her, rund 400 Millionen Dosen sollen pro Jahr produziert werden. Lonzas Fertigung in den USA läuft seit September, in Visp im Wallis soll es laut Lonza noch in diesem Jahr losgehen. Die Produktion in den USA ist für den US-Markt bestimmt. Jene in Visp für den Rest der Welt.

Laut Moderna-Manager Staner dürfte die Schweiz «im ersten Halbjahr 2021» mit einer Lieferung rechnen, so es beim Zulassungsprozess nicht noch Probleme gibt. Geht alles glatt, hofft das Bundesamt für Gesundheit (BAG), bis Juli mit den Impfungen auch beginnen zu können.

Denn es gibt jetzt bereits zwei vielversprechende Impfstoffkandidaten gegen Covid-19. Vor einer Woche hatte das deutsche Biotech-Unternehmen Biontech mit dem US-Partner Pfizer Daten zu seinem Impfstoff vorgelegt. Demnach bietet er einen mehr als 90-prozentigen Schutz vor Covid-19.

Wichtige Fragen noch offen

Moderna wie Biontech wollen noch im November bei der US-Arzneimittelbehörde FDA eine Notfallzulassung beantragen. Vergangenen Freitag hatte Moderna den Antrag für ein sogenanntes rollierendes Zulassungsverfahren bei der Schweizer Zulassungebehörde Swissmedic eingereicht. Bei diesem Verfahren werden die Daten während der laufenden klinischen Tests eingereicht und nicht erst an deren Ende, um den Prozess zu beschleunigen. Laut Swissmedic seien die ersten Daten bereits eingetroffen. «Die eingereichten Datenpakete umfassen Präklinik, Qualität und erste klinischen Daten», teilte die Zulassungsbehörde mit.

Trotz der guten Zwischenergebnisse – wichtige Fragen sind noch offen. Unklar ist zum Beispiel, wie lange der Impfschutz jeweils hält. Und: ob die Impfung nur für den Selbstschutz dient, oder aber ob sie auch die Übertragung des Coronavirus auf andere verhindert. Wäre dies so, könnte die Pandemie rascher gestoppt werden.

Genbasierter Impfstoff

Genau wie der Impfstoff von Pfizer/Biontech ist der von Moderna genbasiert: Er enthält einen Genschnipsel, eine sogenannte mRNA oder Boten-RNA. Sie liefert den Bauplan für ein Virusprotein an der Aussenhülle des Virus. Dadurch produziert der geimpfte Mensch selbst dieses Virusprotein, welches das Immunsystem anregt, Abwehrzellen gegen das Coronavirus zu bilden. Die Boten-RNA baut sich nicht ins menschliche Erbgut ein, zudem zerfällt sie rasch.

An dem klinischen Versuch von Moderna nehmen insgesamt 30’000 Menschen teil, die Hälfte von ihnen bekommen statt der Impfung ein Placebo gespritzt, ohne dass sie das wissen. Seit die Studie im Juli startete, haben sich 95 der Teilnehmer infiziert, während sie ihrem Alltag nachgingen. 90 von ihnen hatten die Scheinsubstanz bekommen, 5 hatten sich trotz Impfstoff angesteckt. Daraus ergibt sich eine Wirksamkeit von 94,5 Prozent. Von den 95 Erkrankten litten 11 unter heftigen Symptomen. Keiner von den 11 hatte den Impfstoff erhalten. Ersten Daten zufolge bilden ältere Menschen nach der Impfung gleich viele Antikörper wie jüngere.

Experten halten die Ergebnisse für ermutigend: «Es ist die erste Studie, die auch über schwere Fälle berichtet», sagt der Pharmakoepidemiologe Stephen Evans von der London School of Hygiene and Tropical Medicine der «Süddeutschen Zeitung»: «Und obschon noch Unsicherheit in den Ergebnissen steckt, ist die Abwesenheit schwerer Fälle in der Impfgruppe und zugleich das Auftreten von elf solch schweren Erkrankungen in der Placebogruppe ein sehr starker Beleg dafür, dass das Vakzin sowohl leichte als auch schwere Verläufe verhindert.»

Der Vorteil des Monderna-Impfstoffs

Moderna stellt noch einen weiteren Vorzug seines Impfstoffs heraus: Er braucht weniger Kühlung. «Der Impfstoffkandidat wird voraussichtlich 30 Tage lang bei Standard-Kühlschranktemperaturen von 2 bis 8 Grad Celsius stabil bleiben», erklärt Staner. Frühere Schätzungen gingen davon aus, dass der Wirkstoff nur 7 Tage bei Kühlschranktemperatur gelagert werden kann, ohne dass er Schaden nimmt.

«Es ist unmöglich für uns, die Impfung ohne Gewinn abzugeben.»

Dan Staner, Schweiz-Chef von Moderna

Obwohl beide Impfstoffkandidaten auf der gleichen mRNA-Technologie beruhen, soll die Impfung Modernas mit 32 bis 37 Dollar je Dosis mehr kosten als jene von Pfizer/Biontech, die 20 Dollar verlangen wollen. «Es ist unmöglich für uns, die Impfung ohne Gewinn abzugeben», erklärt Moderna-Manager Staner. Anders als der US-Konzern Pfizer habe Moderna kein einziges Medikament auf dem Markt und sei deswegen auf Gewinne angewiesen, um die Forschung zu finanzieren. Das US-Startup hat für die Impfstoff-Entwicklung allerdings wie Biontech staatliche Fördergelder erhalten.

223 Kommentare
    Pe

    Beachtet man die Insider-Aktienverkäufe von Pfizer und Moderna und den Artikel zur Pfizer-Vaccine bzw. den Kommentar dazu im BMJ vom 9.11. und 13.11.2020, so ist es möglicherweise ratsam, mit der Euphorie etwas zurückhaltend zu sein.