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Saisonende für die MountainbikerZweite Medaille für Flückiger – aber Titel für Schurter

Eine Woche nach WM-Silber gewann Mathias Flückiger an der Heim-Europameisterschaft im Tessin Bronze. Gegen Nino Schurter war der Berner indes chancenlos.

Nino Schurter (Mitte) strahlt, während sich Mathias Flückiger (r.) über EM-Bronze nicht richtig freuen mag. Daneben der Zweitplatzierte Franzose Titouan Carod.
Nino Schurter (Mitte) strahlt, während sich Mathias Flückiger (r.) über EM-Bronze nicht richtig freuen mag. Daneben der Zweitplatzierte Franzose Titouan Carod.
Foto: Keystone

Mathias Flückiger gehörte nie zu denen, die Nino Schurter schon abgeschrieben haben. Nachdem der Bündner Seriensieger diese Saison keinen Weltcupsieg feiern konnte und an der WM nach fünf Titeln in Serie nur Rang 9 resultiert hatte, sahen einige schon die Wachtablösung gekommen. Flückiger hielt jedoch schon im Vorfeld der EM am Monte Tamaro in Rivera fest, dass man Schurter nie abschreiben dürfe, obwohl die Dichte an der Spitze im Cross-Country, der olympischen Mountainbike-Disziplin, grösser geworden sei.

Die Bestätigung für seine Aussage erhielt Flückiger am Samstag. In eindrücklicher Manier schlug der Champion zurück. Schurter entledigte sich bis zum Ende aller Gegner und feierte einen Solosieg. In der fünften von sieben Runden konnten nur noch Flückiger und der Franzose Titouan Carod folgen. Der Oberaargauer übernahm sogar einige Minuten die Führung, bevor Schurter das Tempo verschärfte und der Leimiswiler abreissen lassen musste. Während Schurter in der Schlussrunde noch Carod gekonnt düpierte und distanzierte, fuhr Flückiger als Dritter ins Ziel.

«Nino hat eindrücklich bewiesen, dass man immer mit ihm rechnen muss», zollte Flückiger dem neuen und erstmaligen Europameister Respekt. Selber mochte er sich nicht uneingeschränkt über die Bronzemedaille freuen. «Ich hatte insgeheim gehofft, dass ich um den Titel fahren könnte. Aber es hat sich gezeigt, dass ich mich weniger gut erholt hatte als gewünscht.» Der Berner hatte Anfang Monat in Nove Mesto (CZE) einen körperlichen Rückschlag erlitten (Magenkrämpfe und Erkältung). Vor einer Woche zeigte er sich an der Weltmeisterschaft in Österreich zwar schon wieder in guter Verfassung und gewann wie 2019 die Silbermedaille. «Dieses Schlammrennen in Leogang hat enorm viel Kraft gekostet. Danach habe ich mich sehr leer gefühlt.»

Flückiger hatte gehofft, Anfang Woche zu Hause die Batterien nochmals vollständig laden zu können. Aber am Ende verlor er in Rivera doch 48 Sekunden auf Schurter. «Mir fehlte mindestens ein halbes Prozent, ich konnte nicht über mich hinauswachsen», haderte der 32-Jährige. Auch wenn er in der ersten Enttäuschung festhielt, dass er schon Wichtigeres gewonnen habe als diese EM-Medaille, kam doch mit der Zeit noch etwas Genugtuung auf. «Eigentlich darf ich nicht jammern. Ich stehe in dieser wegen Corona stark verkürzten Saison immerhin mit zwei Medaillen da, das ist definitiv besser als nichts.» Rivale Schurter gewann nur eine, aber diese strahlt dafür in Gold.

Mathias Flückiger fühlte sich nicht im vollständigen Besitz seiner Kräfte.
Mathias Flückiger fühlte sich nicht im vollständigen Besitz seiner Kräfte.
Foto: Keystone

Sowohl Schurter wie auch Flückiger erklärten nach dem Rennen im Tessin ihre Saison für beendet. Der Berner wird nächste Woche noch – ohne Ambitionen – am Swisscup in Hochdorf antreten. «Meine Ferien haben aber schon begonnen», gesteht er. Nach einer kurzen Pause beginnt im November bereits die Vorbereitung für die Olympischen Spiele 2021 in Tokio; das nächste grosse Ziel für die beiden Schweizer Medaillenhoffnungen Schurter und Flückiger.