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Besondere BarrageZwei Freunde, ein Platz an der Sonne

Vaduz-Trainer Mario Frick versteht sich blendend mit seinem Thuner Amtskollegen Marc Schneider – aber in diesem Duell können sie nicht aufeinander Rücksicht nehmen.

Trainer Mario Frick (rechts) freut sich mit Stürmer Manuel Sutter über das Erreichen des Barrageplatzes und die Chance aufzusteigen.
Trainer Mario Frick (rechts) freut sich mit Stürmer Manuel Sutter über das Erreichen des Barrageplatzes und die Chance aufzusteigen.
Urs Flueeler (Keystone)

Normalerweise pflegen Mario Frick und Marc Schneider einen regen Kontakt. Sie tauschen Informationen aus, diskutieren über Spiele und Spieler, seit dem gemeinsamen Uefa-Pro-Lizenz-Lehrgang verbindet die beiden eine Freundschaft. Als Frick im September 2018 die Stelle bei Vaduz erhält, versorgt ihn Schneider mit Tipps.

Am späten Montagabend bekommt Frick seine vorläufig letzte Botschaft per SMS vom Thuner Kumpel: «Sehen uns am Freitag.» Seither herrscht Funkstille – und das aus gutem Grund: Vaduz trifft auf Thun, Frick trifft auf Schneider. Die Barrage steht an, es geht um den letzten freien Platz in der Super League.

«Wir wollen aufsteigen.»

Vaduz-Trainer Mario Frick

Frick hätte nichts dagegen gehabt, wenn Sion der Gegner gewesen wäre. Nun sagt er: «Wir sind in Fahrt, die mentale Verfassung ist sehr gut. Unsere Ausgangslage könnte nicht besser sein.»

Forsches Ziel im Winter

Seit Mitte September ist der 45-Jährige Trainer der Liechtensteiner, der im Januar seine Spieler überrascht, als er ihnen im Trainingslager in Belek den Fahrplan für 2020 erklärt: «Wir wollen aufsteigen.» Aufsteigen? Nach dieser Vorrunde? Mit sieben Punkten Rückstand auf das zweitplatzierte GC? Wer ihn mit grossen Augen anschaut, bekommt zu hören: «Im Leben muss man grosse Ziele haben.»

Vaduz setzt 2020 tatsächlich zu einem imposanten Steigerungslauf an, wird mit 38 Punkten in 18 Spielen bestes Team der Rückrunde, erzielt mit total 78 Toren einen neuen Saisonrekord der Vereinsgeschichte und kann sich am Sonntag in Kriens gar einen Ausrutscher leisten. Das 1:2 bezeichnet Frick als «die schönste Niederlage meiner Karriere». Als er mit seiner Mannschaft nach Liechtenstein zurückkehrt, bilden ein paar Fans das Empfangskomitee. Es ist für ihn ein starkes Signal, denn: «Die Leute hier lassen sich nur relativ schwer aus der Reserve locken.»

Etwas weniger Freude über den Barrageplatz bei Amtskollege und Freund von Mario Frick: Trainer Marc Schneider hätte den Ligaerhalt lieber direkt geschafft.
Etwas weniger Freude über den Barrageplatz bei Amtskollege und Freund von Mario Frick: Trainer Marc Schneider hätte den Ligaerhalt lieber direkt geschafft.
Claudio Thoma (Freshfocus)

Die Reise wird mit der Barrage fortgesetzt, und sie solldrei Jahre nach dem Abstiegmit der Rückkehr in die Super League gekrönt werden. Gelingt der Schritt, wird das Gesamtbudget von rund 4 Millionen Franken nur moderat aufgestockt und keine 6 Millionen betragen. Grundsätzlich sehen sich die Vaduzer als Club, der in sich in der Challenge League «unter den ersten fünf Teams etablieren will», wie es Patrick Burgmeier formuliert. Aber der Präsident fügt rasch auch an: «Wenn sich jetzt die Chance bietet, den Aufstieg zu schaffen, wollen wir sie unter allen Umständen packen.» Bleibt der Erfolg aus, «ist das kein Weltuntergang. So oder so dürfen wir von einer super Saison reden.»

Wie in einer anderen Welt

Diese Saison beginnt vor 393 Tagen schon mit der Qualifikation für die Europa League gegen die Isländer von Breidablik, in der 2. Runde gelingt gegen den deutlich höher eingestuften FC Fehervar aus Ungarn eine Überraschung, und schliesslich gibt es dieses Erlebnis gegen Eintracht Frankfurt, das Burgmeier zu den Highlights der Historie zählt. Ausverkaufter Rheinpark mit fast 6000 Besuchern, volles Stadion in Frankfurt mit 48’000 Zuschauernes fühlt sich trotz Ausscheidens (0:5, 0:1) an wie in einer anderen Welt.

«Unsere Freundschaft wird unter diesem Duell sicher nicht leiden.»

Mario Frick über die Beziehung zu Marc Schneider

Dafür leidet das Tagesgeschäft, Ende September ist die Realität diese: 8 Partien, 6 Punkte, Rang 9. Das Schlüsselerlebnis ist für Frick das 1:4 in Wil, es ist ein Auftritt mit Folgen. Anderntags lädt er zu einer langen Aussprache, die wie ein reinigendes Gewitter wirkt. Die Vaduzer bäumen sich auf, während der Corona-Pause arbeiten sie individuell so gut, dass der Trainer mit Genugtuung feststellt: «Physisch gehören wir zu den Besten der Liga.»

Schwizer mit guter Rolle

Präsident Burgmeier sieht einen Vorzug der Mannschaft darin, dass sie nicht von einem Topskorer abhängig ist. Tunahan Cicek ist mit 12 Treffern der erfolgreichste Stürmer, gefolgt von Manuel Sutter (11) und Mohamed Coulibaly (9). Die Verteidiger Denis Simani und Yannick Schmid haben je sechs Tore erzielt. Seinen Anteil am Aufschwung hat zudem Dominik Schwizer, ausgeliehen vom FC Thun. Der 24-jährige Mittelfeldspieler zählt zum Stammpersonal und darf sich neben 5 Treffern 11 Assists notieren lassen.

Frick ist überzeugt, dass Vaduz den Schwung mitnehmen und die Hürde überwinden wird. Aber was immer in den zwei Begegnungen auch passieren wirdab Montagabend wird der Kontakt zwischen ihm und Marc Schneider wieder intensiviert: «Unsere Freundschaft wird unter diesem Duell sicher nicht leiden.»