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Landschaftstheater BallenbergZurück zu den Wurzeln – Publikum geht auf Wanderschaft

Das Landschaftstheater Ballenberg spielt im Sommer 2021 ein Wandertheater statt «Der Geltstag». Damit nimmt es Rücksicht auf die Gesundheit der Spielerinnen und Spieler sowie der Theatergäste.

Letztes Jahr spielte das Landschaftstheater Ballenberg «Romeo und Julia auf dem Dorfe». Im Bild Aline Beetschen als Vreneli und Saladin Dellers als Sali.
Letztes Jahr spielte das Landschaftstheater Ballenberg «Romeo und Julia auf dem Dorfe». Im Bild Aline Beetschen als Vreneli und Saladin Dellers als Sali.
Foto: BOM

Bereits für diesen Sommer war die grosse Inszenierung «Der Geltstag» von Jeremias Gotthelf, zu der rund 18000 Besucherinnen und Besucher erwartet wurden, geplant. Die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren, und die Proben waren im Gange, als Corona das Projekt im April zum Abbruch zwang. Das Landschaftstheater Ballenberg liess sich aber nicht unterkriegen und entwickelte zusammen mit dem Freilichtmuseum den Theaterrundgang «Himmel, Arsch und Zwirn».

Das Theater, das an vier Wochenenden im Juli und August während des Tages gespielt wurde und die Besucher zu verschiedenen Häusern und Geschichten des Berner Mittellandes führte, sei «begeistert aufgenommen» worden, wie es weiter heisst.

Strich durch die Rechnung gemacht

Das Landschaftstheater Ballenberg war beim damaligen Abbruch im Frühling 2020 noch überzeugt, dass «Der Geltstag» unter der Regie von Ueli Blum im Sommer 2021 gespielt werden kann. Die Entwicklungen der letzten Monate haben nun aber auch dieser Planung einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht.

«Der Geltstag» lebt stark von den Szenen mit Grossgruppen, die sich im und um den Gasthof «Gnepfi» versammeln. «Wir müssten diese Szenen mit über 30 Personen intensiv proben. Doch das geht ohne Gesundheitsrisiko für unsere Spielerinnen und Spieler momentan und wohl auch in näherer Zukunft einfach nicht», erklärt Regisseur Ueli Blum.

Lorenz Hess, der Präsident des Trägervereins, ergänzt: «Unsere Tribüne hat ein Fassungsvermögen von über 700 Personen. Die Unsicherheit, ob wir die Plätze dann auch besetzen dürften und vor allem das Gesundheitsrisiko für die Zuschauer, erscheint uns derzeit als zu hoch.»

Corona und Theater unter einem Hut

Der Vorstand des Trägervereins hat aufgrund der langen Planungsphase bereits jetzt – knapp acht Monate vor der Premiere – entschieden, dass im Sommer 2021 ein anderes Stück gezeigt werden soll, bei welchem sowohl die Gesundheit der Spielenden als auch jene der Theatergäste gewährt bleibt. Die beiden Theaterprofis Ueli Blum und Buschi Luginbühl haben eine Theaterform wiederentdeckt und weiterentwickelt, bei der die Corona-Vorschriften eingehalten werden können und bei der die Theatergäste gleichzeitig voll und ganz in die Theaterwelt im Ballenberg eintauchen können.

«Wir gehen auch etwas zurück zu den Wurzeln des Ballenberg-Theaters», ergänzt Buschi Luginbühl. Denn wie 1991, als mit «Romeo und Julia auf dem Dorfe» von Gottfried Keller mit Louis Naef (Regie) und Heinz Stalder (Autor) zum ersten Mal Landschaftstheater auf dem Ballenberg gespielt wurde, werden die Theatergäste auch im nächsten Sommer auf eine kleine Theaterwanderung mitgenommen.

Geplant sind pro Abend jeweils drei Gruppen von maximal 150 Personen, die gestaffelt auf die Reise geschickt werden und dabei an mehreren Schauplätzen vorbeikommen. «Wir wollen das Landschaftstheater und den Ballenberg noch intensiver erfahrbar machen. Die Zuschauer wandern durch die malerischen Weiler, begegnen im Wald sagenhaften Gestalten und merkwürdigen Geräuschen, hören das Feuer knistern und riechen den Rauch», ist Regisseur Ueli Blum begeistert und ergänzt: «Die Besucher werden selbst Teil der Geschichte!»

Geschäftsleiter macht auf Geheimniskrämer

Geschäftsleiter Christian Sidler möchte zum Stück noch nicht zu viel verraten: «Das ist noch zu früh. Wir haben Stück und Theaterform erst vor wenigen Wochen entwickelt. Das Projekt wird in den nächsten Wochen sicher noch einige Änderungen erfahren. Wir werden aber spätestens beim Start des Vorverkaufs im nächsten Frühling das Stück vorstellen können.»

Buschi Luginbühl fügt an: «Die Herausforderungen sind gross. Doch mindestens etwas Gutes hat die besondere Situation: Wir gehen neue Wege und gehen an Orte im Ballenberg, die wir sonst nie entdeckt hätten.» Die Premiere 2021 ist am 30. Juni geplant.

Im Sommer 1991 fand auf dem Ballenberg die erste Freilichtinszenierung statt. Im letzten Jahr feierte das Landschaftstheater Ballenberg, das Sommer für Sommer jeweils von über 18’000 Personen besucht wird, seine 25. Inszenierung. Das Ballenberg-Theater hat sich einen sehr guten Ruf erworben und gehört zu den bekanntesten Freilichttheatern in der deutschsprachigen Schweiz.

pd