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Wegen abgesagter PremierenZurich Film Festival gründet Markt für Filmdeals

Im September führt das ZFF erstmals einen Anlass durch, an dem Filme gekauft werden können.

Das ZFF lanciert zusammen mit dem Filmfestival San Sebastián einen neuen Filmmarkt: US-Schauspielerin Kristen Stewart 2019 auf dem grünen Teppich.
Zurich Film Festival
Das ZFF lanciert zusammen mit dem Filmfestival San Sebastián einen neuen Filmmarkt: US-Schauspielerin Kristen Stewart 2019 auf dem grünen Teppich.
Foto: Keystone

Kinos geschlossen, Blockbuster verschoben, Festivals abgesagt, Drehs unterbrochen: Auch für die Filmindustrie stellen sich in der Corona-Krise immer neue Fragen. Eine davon: Wie sollen die nächsten ein, zwei Kinojahre geplant werden, wenn es gar keine Orte mehr gibt, an denen neue Produktionen gezeigt und Filmrechte gekauft werden können?

Das Zurich Film Festival (ZFF) und das Festival von San Sebastián wollen helfen und gründen einen neuen Filmmarkt in Zürich. Er soll Einkäufern Gelegenheit bieten, unabhängig produzierte Filme zu sichten, die an abgesagten oder verschobenen Festivals wie South by Southwest oder Tribeca hätten laufen sollen. Zürich verfüge «über eine tolle Infrastruktur», wo die Besucher Geschäfte «in einer entspannten Atmosphäre abwickeln» könnten, heisst es in der Mitteilung.

«Wir arbeiten full force weiter»

Christian Jungen, künstlerischer Leiter des ZFF

Konkret handelt es sich beim Filmmarkt um ein ausgebautes Industry-Wochenende, bislang bekannt als Zurich Summit. Dort wurden allenfalls informell Deals geschlossen, einen Markt für Filmrechte gab es am ZFF aber nicht. Geplant sind Screenings nur für Marktteilnehmer, aber auch öffentliche Vorführungen, solange die Produzenten zustimmen. Das 16. ZFF läuft vom 24. September bis zum 4. Oktober – vorausgesetzt, im Herbst ist die Pandemie vorüber.

Einer der grössten Filmmärkte der Welt findet alljährlich in Cannes statt. Das Festival hat die nächste Ausgabe auf Ende Juni verschoben, bereits laufen Initiativen für eine virtuelle Messe. Allerdings rechnen laut Christian Jungen, künstlerischer Leiter des ZFF, immer mehr Leute in Los Angeles nicht mehr damit, dass Cannes durchgeführt wird. «Da sind Herbstfestivals wie Toronto, San Sebastián und Zürich eine spannende Option

Beste Werbung fürs Festival

Momentan komme es vermehrt vor, dass Filmschaffende sich beim ZFF meldeten und fragten, ob sie ihre wegen des Coronavirus abgesagte Premiere in Zürich nachholen könnten. «Vor allem Produzenten sind wenig begeistert, eine virtuelle Premiere zu bestreiten, weil sie auch Angst haben, es könnte Raubkopien geben.»

In Zürich Deals abschliessen wollen laut Christian Jungen auch grosse Independent-Firmen wie Wild Bunch oder Film Nation. Selbstverständlich ist ein neuer Filmmarkt auch beste Werbung fürs Festival, das sich dieses Jahr ohnehin aus einer Fülle von verschobenen Premieren wird bedienen können. Dass die NZZ-Mediengruppe, der das ZFF gehöre, ab April Kurzarbeit beantrage, betreffe das Festival nicht, sagt Christian Jungen. «Wir arbeiten full force weiter.»

Soll der Markt über 2020 hinaus bestehen bleiben? «Wir sind nicht naiv», sagt Jungen. «Wenn es 2021 keine Pandemie gibt und alle anderen Festivals wie gewohnt stattfinden, ist der Bedarf an einem weiteren Markt im Herbst kleiner als heute.»