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«Zuerst hatten wir ein Telefon vom Baur au Lac»

Ist man beim Gedränge nach dem Feuerwerk am Züri-Fäscht knapp einer Katastrophe entkommen? Laut Beobachtern war es kritisch, der OK-Sprecher beschwichtigt – ein Leserbild zeigt die Szene beim Zaun zum Baur au Lac.

Vom See her kommend wurden viele Festbesucher bei den Ständen beim Bürkliplatz zusammengedrängt: Wer konnte, wich aus in den Park des Baur au Lac.
Vom See her kommend wurden viele Festbesucher bei den Ständen beim Bürkliplatz zusammengedrängt: Wer konnte, wich aus in den Park des Baur au Lac.
«Tages-Anzeiger»-Leserreporter H. P. Lepper
Später wurde das schmiedeiserne Tor geöffnet: Die Lage  entspannte sich in der Folge.
Später wurde das schmiedeiserne Tor geöffnet: Die Lage entspannte sich in der Folge.
«Tages-Anzeiger»-Leserreporter H. P. Lepper
Quaibrücke nach dem Feuerwerk am Samstag: Der Blick Richtung Bellevue.
Quaibrücke nach dem Feuerwerk am Samstag: Der Blick Richtung Bellevue.
zvg
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Nach dem Feuerwerk am Samstagabend kam es zu einer kritischen Situation, als sehr viele Menschen gleichzeitig vom See Richtung Bürkliplatz und Bahnhofstrasse ziehen wollten. Mehrere Minuten gab es kein Durchkommen, weil auch dort die Wege verstopft waren. Man sei «knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt», sagt ein Besucher. Ein anderer schreibt: «Fast wie durch ein Wunder können die sich in Todesangst befindlichen Festbesucher durch den Garten des Baur au Lac in Sicherheit bringen.» Dagegen sagt eine Festbesucherin aus Basel: «So ne Druggete hämmer an dr Fasnacht jedes Johr.»

Wie hat der Sprecher des Festes, Andrej Voina, die Situation erlebt? Er war zum kritischen Zeitpunkt im OK-Container am See beim Bürkliplatz: «Zuerst hatten wir ein Telefon vom Baur au Lac, dass einzelne Besucher über den Zaun in den Garten stiegen. Da wussten wir noch nichts von einem Gedränge. Als Minuten später die Polizei anrief und die Situation schilderte, haben wir die Gäste über Lautsprecher gebeten, sie möchten bitte nicht drängeln und sich etwas gedulden oder einen anderen Weg einschlagen. Von unserer Warte aus hat es zu keinem Zeitpunkt nach Panik ausgesehen.» Der kritische Ort befand sich für ihn nicht einsehbar auf der anderen Seite des Platzes.

«Keine Fluchtmöglichkeit»

Die Menschenmassen drängten vom General-Guisan-Quai und auch von der Quaibrücke und dem Bürkliplatz gleichzeitig in die Bahnhofstrasse und die Talstrasse. Eine Festbesucherin schreibt: «Mir kam Duisburg in den Sinn, und ich spürte hautnah die Angst, die in solch einer Menschenmenge entstehen kann, in der keine Fluchtmöglichkeit mehr besteht.» Die Stadtpolizei vermochte, die Situation zu entlasten, indem sie die Tore zum Park des Baur au Lac öffnen liess. «Wir sind noch mitten in der Analyse der Situation», sagt Mediensprecherin Judith Hödl, «aber die eingesetzten Mittel, um eine Panik zu verhindern, Monitore und Beschallungsanlage, haben sich bewährt.»

Bei der nächsten Austragung des Züri-Fäscht Anfang Juli 2016 soll so etwas nicht mehr passieren können, sagt Eve Baumann vom Organisationskomitee Züri-Fäscht. «Dann wird die Chilbi wieder auf dem Sechseläutenplatz und auf der Landiwiese sein. Die Stadthausanlage vermag dann, die Menschenmassen aufzunehmen.» Die in diesem Jahr gewonnen Erkenntnisse werden in die Planung des nächsten Festes einfliessen. «Besonders gespannt sind wir auf die Auswertung der Bewegungsdaten, die mit der Züri-Fäscht-App erhoben wurden.»

54'000 haben die App heruntergeladen

Die App ist immer noch ein Forschungsprojekt, aber an der ETH ist man begeistert, dass über 54'000 Personen die App heruntergeladen haben. Davon hat rund die Hälfte die App während des Fests aktiv genutzt. In den drei Tagen sammelte die ETH-Forschungsgruppe über 23 Millionen GPS-Punkte. Vermutlich war der Forschung zur Modellierung von Crowd Behavior noch nie ein so umfangreicher und komplexer Datensatz zugänglich wie jetzt nach dem Züri-Fäscht. Die Resultate werden dann Ende August an der Scientificapräsentiert. Zwei Heatmaps, die die Publikumsdichte aufzeigen finden sich in der Bildstrecke.

Theoretisch hätte man den Usern, die sich in der problematischen Zone befinden, eine beruhigende Botschaft senden können, aber man verzichtete darauf, weil das Feature noch nie live getestet wurde. Ausserdem spielte die Technik nicht mit: Der Mitentwickler der App, Ulf Blanke vom Wearable Computing Lab an der ETH Zürich, bedauert diesen Umstand: «Leider kam es kurz vor dem Feuerwerk und bis einige Minuten danach zu einem Ausfall der Telekommunikation im Bereich zwischen Bellevue und Bürkliplatz. Wir haben da leider einen Blind Spot.» So war die einzige Nachricht, mit der sich die App an den Nutzer wandte, die Verabschiedung bis zum nächsten Züri-Fäscht.

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