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Wegen Sexismus: Kanton Zürich droht Firma mit Sanktionen

Wegen sexistischer und diskriminierender Passagen in ihrem Mitarbeitermagazin wird die Baufirma Agir AG gemassregelt.

Die Zürcher Baudirektion massregelt die Firma Agir AG wegen sexistischer Kommunikation. Sie hat dem Unternehmen aus Affoltern am Albis mit Sanktionen gedroht, falls es sexistische und geschlechterdiskriminierende Aktionen wiederholt.

Dies geht aus einer Antwort auf eine Anfrage im Kantonsrat hervor. Die beiden jungen SP-Kantonsrätinnen Michèle Dünki-Bättig (Glattfelden) und Hannah Pflazgraf (Mettmenstetten) sowie die Zürcher Kantonsrätin der Grünen, Kathy Steiner, hatten den Vorstoss eingereicht, nachdem der «Anzeiger von Affoltern» und Tagesanzeiger.ch/Newsnet den Fall öffentlich gemacht hatte.

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Sexismus und Beleidigungen bei Zürcher Baufirma

Wie die Agir AG Frauen und Angestellte in ihrem Mitarbeitermagazin herabwürdigt. Zum Artikel (Abo+)

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Die Baufirma stellte demnach im Mitarbeitermagazin Frauen in herabwürdigender Weise dar. Zu einem Bericht über eine Kiesgrube wurde eine leicht bekleidete Frau mit Schaufel montiert, «Überall am Lochen!» steht bei einem Text über die Limmattalbahn, an der die Agir AG mit baut. Die Firma hat in der Vergangenheit mehrfach von öffentlichen Aufträgen profitiert. So etwa bei Belagsarbeiten an der Rosengartenstrasse.

Die Baudirektion von Markus Kägi (SVP) hatte nach Bekanntwerden der Bilder und Texte im Mitarbeitermagazin eingegriffen. Die Firma hat daraufhin die Mitarbeiterzeitschrift vom Netz genommen und bestätigt, dass diese nicht mehr in dieser Form publiziert wird.

Fachstelle schult Personal

Gleichzeitig hat die Firma versichert, sämtliche anderen Kommunikationsmittel angepasst zu haben. Als weitere Massnahme wird die Fachstelle für Gleichstellung von Mann und Frau die Belegschaft der Firma in Fragen des Gleichstellungsgesetzes mit Schwerpunkt auf sexuelle Belästigung schulen.

Die Baudirektion stützt sich beim Eingreifen auf die Submissionsverordnung. Unternehmen, welche öffentliche Aufträge annehmen, müssen sicherstellen, dass der Grundsatz der Gleichbehandlung von Mann und Frau eingehalten wird. Das heisst mit anderen Worten, dass es kein belästigendes Verhalten sexueller Natur oder anderes Verhalten aufgrund der Geschlechtszugehörigkeit gibt, das die Würde von Frauen und Männern am Arbeitsplatz beeinträchtigt. Die Anbieterinnen und Anbieter bestätigen das im Kanton Zürich mittels unterschriebener Selbstdeklaration.

Missachten Anbieterinnen und Anbieter diese Vorgaben, können sie vom laufenden Verfahren ausgeschlossen werden oder der Zuschlag wird widerrufen. So sieht es die interkantonale Vereinbarung über das öffentliche Beschaffungswesen vor. Auftraggeber können Anbieter verwarnen oder in schweren Fällen bis zu fünf Jahre von künftigen Vergaben ausschliessen.

Trotz Verstoss keine Kontrolle

Die Agir AG hatte bereits einmal wegen diskriminierendem Verhalten von sich reden gemacht. 2013 hatte sie die Schweizerische Lauterkeitskommission für ein sexistisches Inserat gerügt. Die Politikerinnen wollten in ihrer Anfrage wissen, warum die Firma danach trotzdem weitere Aufträge erhalten habe. Der Regierungsrat räumt in seiner Antwort auf die Anfrage ein, er hätte keine Kenntnis dieses Vorfalls gehabt.

Grundsätzlich haben die Vergabestellen von Aufträgen die Möglichkeit, Firmen zu kontrollieren, falls es Anhaltspunkte für eine diskriminierende Betriebskultur, Sexismus oder Beleidigungen gebe. Nach Angaben des Regierungsrates mussten bis noch keine solchen Kontrollen vorgenommen werden.

SP-Kantonsrätin Michèle Dünki-Bättig zeigt sich über die Antwort konsterniert. «Da verhält sich die Firma Agir AG derart krass, und der Regierungsrat verweist auf die Selbstdeklaration. Da braucht es mehr als das.» Für Dünki-Bättig wären in einem solchen Fall Kontrollen zwingend. Sie würde diese aber auch auf andere Firmen ausdehnen. «Ich bin sicher, es ist nicht der einzige Fall dieser Art.»

SDA/ema/anf

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