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Unfall mit «Regula»: Staatsanwalt fordert Freisprüche

Überraschender Antrag vor dem Zürcher Bezirksgericht: Im Fall des Schifführers und des Matrosen, die mit einem Limmatschiff eine Schwimmerin verletzt haben, fordert die Staatsanwältin Freisprüche.

Die Schiffsschraube verletzte die Frau schwer: Limmatschiff Regula. (Bild: Nicola Pitaro)
Die Schiffsschraube verletzte die Frau schwer: Limmatschiff Regula. (Bild: Nicola Pitaro)

Mit einem überraschenden Antrag hat heute vor dem Bezirksgericht Zürich der Prozess gegen einen Schiffsführer und einen Matrosen begonnen, die mit einem Limmatschiff eine Schwimmerin verletzt haben. Die Staatsanwältin fordert für die beiden Beschuldigten Freisprüche.

Passiert ist der Unfall am 15. Juli 2008 beim Steg des Hafens Zürich-Enge. An jenem Abend fuhr das Limmatschiff «Regula» rückwärts vom Anlegesteg weg. Der Schiffsführer und der Matrose bemerkten dabei nicht, dass sich hinter dem Schiff eine Schwimmerin befand. Die Frau geriet in die Schiffsschraube und wurde schwer verletzt.

Fünf Jahre nach der Kollision hatte die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben, nachdem die zuständige Staatsanwältin ursprünglich das Verfahren eingestellt hatte. Auf Weisung des Obergerichts musste es aber erneut aufgerollt werden.

Sofortige Einstellung des Verfahrens

Der heute 46-jährige Schiffsführer und der 30-jährige Matrose mussten sich deshalb vor dem Bezirksgericht wegen fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Zum Prozessauftakt verlangten die Verteidiger die sofortige Einstellung des Strafverfahrens.

Sie machten geltend, die Geschädigte habe am zweiten Tag ihres Spitalaufenthaltes schriftlich auf einen Strafantrag verzichtet und die Schuld auf sich genommen. «Davon weiss ich nichts», sagte die Frau am Montag vor Bezirksgericht. Sie habe sich damals in einem psychischen «Schwebezustand» befunden und sei geistig weit weg gewesen.

Der Einzelrichter wies die Anträge der Verteidiger ab und sprach sogar von einem Schockzustand der Geschädigten, die noch unter dem Eindruck des Horrorunfalls gestanden und deshalb nicht in der Lage gewesen sei, etwas sorgfältig abzuwägen.

Staatsanwältin sorgt für Paukenschlag

Die beiden Beschuldigten gaben an, dass sie die Schwimmerin weder gesehen noch den Unfall bemerkt hätten. Das Schiff gesteuert hatte nicht der Schiffsführer, sondern der Matrose. Dieser stellte in Abrede, zu schnell gefahren zu sein.

Nach der Befragung sorgte die Staatsanwältin für eine grosse Überraschung. Entgegen ihrer im Mai erhobenen Anklage mit Strafanträgen von je 30 Tagessätzen zu 140 Franken verlangte sie nun für beide Beschuldigten Freisprüche.

Die Anklägerin sprach von einem äusserst tragischen Vorfall und verwies darauf, dass das Verfahren bereits im Herbst 2009 mangels Beweisen eingestellt worden sei. Die Beschuldigten hätten nicht damit rechnen müssen, dass sich eine Schwimmerin in einem toten Winkel hinter dem Schiff aufhielt. Der Unfall sei nicht voraussehbar gewesen.

Harsche Kritik des Opfervertreters

Der Opfervertreter hielt dagegen an einem Schuldspruch fest und verlangte sogar eine zusätzliche Verurteilung wegen grober Verletzung von Verkehrsregeln. Er übte harsche Kritik an der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG). Sie habe es zugelassen, dass ein ungenügend ausgebildeter Matrose ohne Schiffsführerausweis das Ablegemanöver durchgeführt habe.

Ein Urteil hat das Bezirksgericht Zürich noch nicht gefällt. Es soll am kommenden Freitag eröffnet werden.

SDA/wid

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