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Eine politische Mogelpackung

Was die voreilige Schliessung des Literaturmuseums Strauhof mit der Angst vor Gesichtsverlust zu tun hat.

Was machen Sie, wenn Sie in die falsche Richtung gelaufen sind? Nun: Sie gehen zurück! Nicht so in der Politik. Ist eine Entscheidung mal gefällt, wird meist an ihr festgehalten, selbst dann, wenn sie nur schwer oder gar nicht sinnvoll umgesetzt werden kann. Grund für dieses Beharren ist die Angst vor Gesichtsverlust. Man bleibt dem Irrtum treu und verfolgt eine Sache wider alle Vernunft konsequent weiter.

Anfang November 2013 hat Peter Haerle, Kulturchef der Stadt Zürich, gemeinsam mit Stadtpräsidentin Corine Mauch ein in sich geschlossenes (aber wie sich jetzt herausstellt: unfertiges) Konzept vorgestellt: Die Schliessung des Museums Strauhof solle mit einer Lösung an der Bärengasse aufgewogen werden. Dort kämen ausser einer Literaturausstellung die Archive von Thomas Mann, Max Frisch und James Joyce zusammen. Auf die Frage, wie weit denn die Verhandlungen gediehen seien mit der ETH Zürich, wo die Bestände von Mann und Frisch heute lagern, meinte der Kulturchef, dass es sehr gut aussehe und man bald einen Vertragsabschluss erwarte.

Nun: Das war zu voreilig und Zweckoptimismus mit der Absicht, den absehbaren Protest gegen die Schliessung des Museums im Keim zu ersticken. Ohne jede konkrete Zusage wurde ein Neubeginn an einem anderen Ort versprochen – eine Mogelpackung. Der Abbau am Strauhof kann nur dann mit Billigung rechnen, wenn zugleich an der Bärengasse ein Kompetenzzentrum für Literatur entsteht. Alles andere wird die Kulturpolitik auf lange Zeit schwer belasten.

Wenn Peter Haerle Grösse hat, gibt er seinen Fehlgriff zu und lässt dem Strauhof seine Zukunft als Museum. Aus dieser auch kommunikativ missglückten Runde, in der er zu viel riskiert hat, geht der Kulturchef angeschlagen hervor. Richard Reich und Gerda Wurzenberger, die als Leiter des Jugendprojekts Jull neue Nutzniesser des Strauhofs sind, könnten helfen: Angesichts der verfahrenen Lage sollte das Paar den geordneten Rückzug antreten. Dies würde es der ­Politik erlauben, ihr ­Gesicht zu wahren. Eines steht jetzt schon fest: Beim Strauhof steht Zürich vor einem Scherbenhaufen.

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