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Die Werte pflegen – und nicht die Steine

Der Pfauen ist kein Museum, sondern ein Theater, das sich erneuern darf und muss. Doch der Stadtrat braucht mehr Sensibilität.

Der Pfauensaal war die kleine Freiheit in der Dunkelheit. Das Schauspielhaus war während des Nazi-Terrors die einzige freie Bühne weit und breit. Emigranten wie Therese Giehse oder Leopold Lindtberg, überhaupt alle, die im deutschsprachigen Theater Rang und Namen hatten: Sie kamen und machten den Pfauen zum Monument.

Und jetzt soll dieses Theater also einer Fundamentalerneuerung unterzogen werden: neue Bühne, neues Foyer, neuer Saal. So zumindest will es der Stadtrat. Die Gegner, eine bunte Koalition, wehren sich laut und stark. Es sei ein kultur- und sozialhistorischer Affront, den legendären Theatersaal durch einen neuen zu ersetzen.

Dass die einzigartige Vergangenheit des Schauspielhauses die Stadt quasi dazu verpflichte, die alte Pfauenbühne zu erhalten: Das ist ein merkwürdiges Verständnis von Geschichte. Ob ein historisches Erbe ernsthaft gepflegt wird, hängt doch nicht davon ab, ob jeder alte Stein an Ort und Stelle bleibt. Entscheidend ist, dass sich die Institution Schauspielhaus jenen Werten verpflichtet fühlt, die in ihrer Geschichte angelegt sind: dem Einstehen für Freiheit und Menschenwürde, der Verteidigung des freien Worts.

Zu forsch und unsensibel

Ein Theater ist kein Museum. Ein Theater muss als Betrieb funktionieren und als Kultureinrichtung Publikum anziehen. Das Schauspielhaus Zürich hat immer wieder – man denke an die Frisch-, Dürrenmatt- und Brecht-Uraufführungen – demonstriert, welche Kraft Theater zu entfalten vermag. Dass die Stadt diesem Feuer neue Nahrung geben will, indem sie eine optimale Theaterinfrastruktur schafft, ist daher richtig und wichtig.

Allerdings haben die Kritiker einen Punkt, wenn sie monieren, der Stadtrat habe sein Pfauen-Projekt zu forsch und zu unsensibel vorwärtsgetrieben. Es sind hier viele Emotionen im Spiel – das verlangt Rücksicht und Fingerspitzengefühl. Wenn die Modernisierung des Theaters nicht scheitern soll, muss sich der Stadtrat nun viel Zeit nehmen und mit Zahlen und Fakten erklären, weshalb die Grosserneuerung alle anderen Varianten – auch die sanfte Sanierung des bestehenden Saals – schlägt.

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