Zum Hauptinhalt springen

Die Stunde der Kleingeister

Zürich braucht keine Neinsager, sondern ein Fussballstadion. Und ja: Das wird teuer. Aber in dieser Stadt ist das schliesslich nichts Aussergewöhnliches.

Mit dem neuen Stadion kommt auch das Publikum: Südkurve des FC Zürich.
Mit dem neuen Stadion kommt auch das Publikum: Südkurve des FC Zürich.
Nicola Pitaro

FDP? Nein! Grünliberale!? Nein! SVP? Vielleicht auch! Was zählt da, dass die CVP Ja gesagt hat zum neuen Stadion Hardturm, die Grünen Stimmfreigabe beschlossen haben, dass die SP zu einem Ja neigt? Nichts zählt das.

Es geht unter im Trommelfeuer der Neinsager. Weil sich Schlagzeilen mit einem Nein oft besser verkaufen. Weil die Stadionbefürworter dem Gegner brav das Feld überlassen. Und wenn sie dann doch einmal aus der Deckung kommen, argumentieren sie erst noch mit falschen Zahlen zu den Kosten, so wie FCZ-Präsident Ancillo Canepa das letzte Woche getan hat.

Dabei ist eines unbestritten: dass Zürich ein Fussballstadion braucht. Dass es teuer ist, stimmt genauso. Aber das ist ein grundsätzliches Phänomen dieser Stadt und hat nichts mit dem Fussball zu tun. Hier kosten schon öffentliche WC kleinere Vermögen.

«Willkommen in der Provinz»

Zürich braucht das Stadion, um im Fussball konkurrenzfähig zu bleiben und weniger von den Launen von Geldgebern abhängig zu sein. Wer das nicht wahrhaben will, so wie mein Kollege im gestrigen TA, der stellt sich mutwillig taub. Der ignoriert, wie die Zuschauerzahlen in Luzern, St. Gallen und Bern in einem modernen Umfeld generell gestiegen sind. Und der ignoriert vor allem, dass der FC Basel niemals diese Vormachtstellung hätte ohne die Infrastruktur des St.-Jakob-Parks. Auch er wäre aufgeschmissen, wenn er in einem Leichtathletikstadion spielen müsste. Wer Basler ist, weiss um den entsprechenden Vorteil.

Seit 15 Jahren dauert die Diskussion um den Hardturm an, seit 1998, als im Stadtrat noch Elmar Ledergeber mit dem Dossier befasst war. Jetzt gehört ausgerechnet Ledergerber zu den Gegnern eines Neubaus. Dabei ist das, was die Stadt und die Vereine wünschen, vom Fassungsvermögen her bescheiden, unzürcherisch moderat – so ganz anders als das, was Ledergerber einst propagierte.

Diskussionen und Kommentare zeigen, wie sehr wieder die Stunde der Kleingeister schlägt. «Willkommen in der Provinz», hat FDP-Nationalrat Ruedi Noser nach dem Nein seiner Partei zum Stadion gesagt. Pointierter kann man das nicht machen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch