Stadt verzichtet auf Millionengeschenk

Adelheid von Muralt kann ihre Villa in Höngg behalten. Der Stadtrat lenkt nach jahrelangem Streit ein und zieht einen Schlussstrich unter das Hickhack um eine versprochene und dann widerrufene Schenkung.

Um dieses herrschaftliche Haus geht es: Die Villa in Höngg.

Um dieses herrschaftliche Haus geht es: Die Villa in Höngg.

(Bild: Keystone)

Martin Huber@tagesanzeiger

Zehn Jahre lang haben sie gestritten, doch jetzt liegt eine Lösung auf dem Tisch: Zwischen der Stadt und der mittlerweile 87-jährigen Höngger Villenbesitzerin Adelheid von Muralt ist es zu einer «gütlichen Einigung» gekommen. Dies teilte das städtische Finanzdepartement gestern Mittwoch mit. Demnach beantragt der Stadtrat dem Gemeinderat, auf die einst versprochene Schenkung der denkmalgeschützten Villa an der Limmattalstrasse 123 zu verzichten und einer entsprechenden Vereinbarung zuzustimmen, die Finanzvorsteher Daniel Leupi (Grüne) und Adelheid von Muralt vor rund einem Monat unterzeichnet haben.

Der Fall geht auf das Jahr 1997 zurück. Damals unterschrieben die Villenbesitzerin Adelheid von Muralt und die Stadt Zürich einen Vertrag. Darin versprach von Muralt, der Stadt das gut 100-jährige Neorenaissance-Gebäude zu schenken. Die Stadt sollte laut der Vereinbarung in dem noblen Haus Gäste von Stadt und Kanton Zürich sowie von Institutionen wie ETH, Universität oder Tonhalle beherbergen.

Groteske und gehässige Züge

Doch in der Folge kam es zu «Irritationen zwischen der Schenkerin und der Stadt», wie es in der Mitteilung des Stadtrats heisst. Auslöser war der Verkauf der städtischen Nachbarliegenschaft Villa Tobelegg. Aus von Muralts Sicht hatte die Stadt beim Verkauf der Nachbarvilla ­Fehler begangen und diese zu günstig weggegeben. Zudem hätte von Muralt beinahe ihre angestammten Parkplätze vor der Villa Tobelegg verloren.

Das Vertrauensverhältnis zwischen der Stadt und von Muralt war nachhaltig gestört. 2004 teilte die Villenbesitzerin dem Stadtrat mit, sie wolle den Schenkungsvertrag widerrufen. «Trotz zahlreichen Briefwechsel und Besprechungen konnte das ursprünglich gute Verhältnis zwischen Schenkerin und Beschenkter nicht wiederhergestellt werden», for­muliert es der Stadtrat. Aus der Casa von Muralt war definitiv die Causa von Muralt geworden. Der Streit um die Villa wies teils groteske, teils gehässige Züge auf. Es kam zu gegenseitigen Vorwürfen und Schuldzuweisungen. Das jahrelange Hickhack habe sie stark mitgenommen, sagte von Muralt dem Bernerzeitung.ch/Newsnetz 2013. Zuvor hatte sie, die von der Kommunikationsberaterin Beatrice Tschanz und SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli unter.stützt wurde, in ganzseitigen Zeitungs­inseraten gedroht, ihre Villa zu verkaufen. Was sie dann allerdings nicht tat.

Der Stadtrat mit dem damaligen FDP-Finanzvorsteher Martin Vollen­wyder war lange Zeit nicht zum Einlenken bereit. Er stellte sich auf den Standpunkt, die Schenkerin könne den Vertrag nicht einseitig widerrufen. Zudem liege es nicht in seiner Kompetenz, auf die Schenkung zu verzichten. Dies deshalb, weil es sich dabei um den Verzicht auf eine Einnahme handelt, was finanzrechtlich wie eine Ausgabe zu werten sei – und zwar eine Ausgabe, welche die Finanzkompetenz des Stadtrats überschreitet. Gemäss einer Schätzung des Amts für Städtebau beläuft sich der Marktwert der Villa von Muralt auf 3,2 bis 4 Millionen Franken.

Jedes Wort eine Fehlerquelle

Die Wende kam im März 2013. Damals überwies der Gemeinderat mit 73 zu 44 Stimmen eine Motion der SVP-Gemeinderäte Mauro Tuena und Roland Scheck. Damit gab er dem Stadtrat den Auftrag, das Schenkungsversprechen aufzulösen. Dem kommt der Stadtrat nun nach, wie es in der Mitteilung vom Mittwoch heisst. Man wolle zudem dem jahrelangen und wenig erbaulichen Hickhack endlich ein Ende setzen, ergänzte eine Sprecherin in Daniel Leupis Finanzdepartement. Bereits bei der Überweisung der Motion im Parlament hatte Martin Vollenwyder versprochen, man werde den Vorstoss umsetzen. Dem Stadtrat sei es nie darum gegangen, «die alte Dame zu plagen». Man habe immer versucht, eine vernünftige Lösung zu finden. «Aber jedes Wort war eine Fehlerquelle.» Gestern war Vollenwyder für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Adelheid von Muralt wollte sich gestern gegenüber dem Bernerzeitung.ch/Newsnetz noch nicht zur neusten Entwicklung und zu ihren Plänen mit der Villa äussern. Im März 2013 vor der entscheidenden Ratssitzung hatte sie erklärt, sie sei über die Rückgabe ihrer Villa «sehr, sehr froh».

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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