Stadion-Gegner in der Offensive, Befürworter geben sich gelassen

Nach dem Nein von GLP und FDP verspürt das Gegner-Komitee Aufwind. Die IG Stadion kündet derweil eine Plakataktion und Flyer in alle Haushalte an.

Unbeeindruckt vom Widerstand: Urs Egger, Präsident IG Stadion Zürich, GC-Präsident André Dosé und FCZ-Präsident Ancillo Canepa. Foto: Doris Fanconi

Unbeeindruckt vom Widerstand: Urs Egger, Präsident IG Stadion Zürich, GC-Präsident André Dosé und FCZ-Präsident Ancillo Canepa. Foto: Doris Fanconi

Martin Huber@tagesanzeiger

Zürich – Der 216-Millionen-Kredit für ein neues Fussballstadion beim Hardturm birgt Zündstoff. Am 22. September entscheiden die Stadtzürcher Stimmberechtigten. Beflügelt von den Nein-Parolen von FDP und GLP in dieser Woche, trat gestern kurzfristig das Komitee «Stadionfinanzierung Nein» vor die Medien. Sein Hauptargument: Es geht nicht an, derart viel Geld auszugeben für ein zweites Stadion in Zürich und dies erst noch ohne Beteiligung der Clubs.

«Kein zweites Stadion nötig»

«Warum sollen Bürgerinnen und Bürger ein weiteres Stadion für Spitzenfussballer und Topverdiener finanzieren?», fragte Co-Präsidentin Maggie Haab. Und beteuerte: Das Nein-Komitee sei nicht gegen Fussball. GLP-Gemeinderat und Fraktionschef Gian von Planta kritisierte, dass «auf Staatskosten alle Wünsche einer bestimmten Klientel erfüllt werden». Zudem sei die Verknüpfung von Stadion- und Wohnungsbau «ein Kuhhandel». Der Stadtrat baue zu Unrecht eine Drohkulisse auf, wonach bei einem Nein das Land an die CS zurückgehe und dann keine gemeinnützigen Wohnungen entstünden.

Für die grüne Gemeinderätin Fabienne Vocat braucht es kein zweites Stadion, «das wieder halb leer steht». Die Stadt dürfe nicht so viele Millionen «für ein bisschen mehr Atmosphäre» ausgeben. SP-Gemeinderat Kyriacos Papageorgiou stört sich an der «Arroganz der Clubherren», die den parlamentarischen Rechnungsprüfern partout keinen Einblick in ihre Vereinsrechnung geben wollten. «Warum sind die Vereine nicht bereit, sich an den Kosten zu beteiligen?» Zudem sei fürs Stadion nur das Beste vom Besten gut genug, während in Schulen oder beim Sozialen teils Geld fehle. Nicholas Büchi schliesslich wies darauf hin, dass nicht alle Fussballfans aufs Stadion warteten. Es gebe FCZ-Supporter, die nie in den Hardturm gehen wollen.

Dem Nein-Komitee sind bisher 35 Personen aus verschiedenen Parteien beigetreten. Prominente Namen fehlen allerdings. Manche Skeptiker trauten sich nicht, sich zu exponieren, sagte von Planta. Die Gegner müssen nach eigenen Angaben mit einem Mini-Budget auskommen. «Ein Financier hat sich noch nicht gemeldet», so von Planta. Er hofft, dass wenigstens ein paar Tausend Franken zusammenkommen, um Plakate zu drucken.

«Ein Spiel dauert 90 Minuten»

Im Lager der Befürworter zeigt man sich trotz der Offensive der Stadiongegner weiterhin zuversichtlich: «Die Gegner können sich derzeit zwar viel Gehör verschaffen, das heisst aber noch nichts für die Abstimmung. Ein Spiel dauert immer 90 Minuten», sagt Walter L. Blum, Geschäftsführer der IG Stadion Zürich. Und IG-Präsident und FDP-Gemeinderat Urs Egger meint bloss: «Es war immer klar, dass es kein Spaziergang wird.»

Von mangelndem Engagement der Befürworter will Blum nichts wissen. «Wir sind nicht untätig, sondern durchaus präsent.» So toure der Stadionbus seit drei Wochen durch die Quartiere, wobei Exponenten beider Fussballclubs schon 10'000 Flyer verteilt hätten. Die Ja-Flyer sollen zudem in den kommenden Wochen an alle Zürcher Haushalte versandt werden. Ab der zweiten Julihälfte folgt der Plakataushang der Befürworter in der ganzen Stadt. Motto: «Traumtor für Zürich – Ja zum Stadion und zur Wohnsiedlung». Blum weist zudem auf die vielen namhaften Exponenten aus Politik, Wirtschaft und Sport hin, die dem Pro-Komitee beigetreten sind. Vor wenigen Tagen folgten auch die frühere Eiskunstlauf-Europameisterin Sarah Meier, der komplette Verwaltungsrat des ZSC sowie der Präsident des LCZ.

Während der Sommerferien rüsten sich die Befürworter für den Schlussspurt. Am 26. August folgt ihre eigene Medienkonferenz. Walter L. Blum ist überzeugt, dass bis dann die Stimmung für das Stadion wieder positiver sein wird. Für Schwung könnte insbesondere ein Ja der SVP-Delegierten am 22. August sorgen, mit dem Blum rechnet.

Stadtrat André Odermatt (SP) kündigte gestern einen weiteren Auftritt des Stadtrats für das Stadion nach den Sommerferien an. Angesprochen auf die derzeit vielerorts skeptische Stimmung gegenüber dem Grossprojekt meinte er: «Wir werden mit Fakten gegen bewusst verbreitete Falschmeldungen der Stadiongegner antreten. Fakten sind ein gutes Mittel gegen Skeptiker.»

Tages-Anzeiger

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