Polizei- und Justizzentrum ist schon vor Baubeginn zu klein

Das 570-Millionen-Franken-Projekt muss überarbeitet werden. Die Polizeikaserne wird deshalb doch nicht frei.

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Martin Huber@tagesanzeiger

Bisher schien alles klar: Die Kantonspolizei verlässt das Kasernenareal im Kreis 4, sobald das Polizei- und Justizzentrum (PJZ) auf dem Areal des früheren Güterbahnhofs bezugsbereit ist. So versprach es der Kanton vor den beiden Volksabstimmungen 2003 und 2011, als sich die Stimmberechtigten jeweils hinter das PJZ stellten. Doch seit gestern sieht alles anders aus. Das Kasernenareal wird beim Umzug doch nicht ganz frei – das Kommando bleibt bis auf weiteres im Backsteingebäude an der Ecke Kasernen-/Zeughausstrasse. Dies gaben die Regierungsräte Markus Kägi (SVP), Mario Fehr (SP) und Martin Graf (Grüne) gestern vor den Medien bekannt.

Grund für die Planänderung: Das PJZ ist bereits zu klein, bevor die Bauarbeiten überhaupt begonnen haben. Deshalb muss der Kanton beim 570-Millionen-Projekt erneut nachbessern. Der Flächenbedarf habe sich während der Projektierung erhöht, sagte Gesamtprojektleiter Hans-Rudolf Blöchlinger. Zudem seien Entwicklungen dazugekommen, die 2010 nicht voraussehbar gewesen seien: Cyberkriminalität, Gewaltschutz- und Präventionsdienste, Ausweitung des IT-Bereichs. Den zusätzlichen Raumbedarf könne das Projekt gemäss Planungsstand von 2010 «nicht mehr vollständig erfüllen». Als weitere Gründe nannte Blöchlinger die «komplexen Betriebsstrukturen» und den hohen Sicherheitsanspruch. Im PJZ sollen 1800 Arbeitsplätze, ein Gefängnis für 300 Personen, eine Polizeischule sowie das Forensische Institut untergebracht werden.

Fehr: «Ein Wermutstropfen»

Weil der bisher geplante Neubau bereits zu klein ist, sind Polizei und Justiz weiter auf bestehende Standorte angewiesen. Deshalb bleibt die Kapo-Führung in der Polizeikaserne, und auch Ober­jugendanwaltschaft und Oberstaatsanwaltschaft bleiben an ihren Standorten in Winterthur und Zürich.

Für zusätzliche Flächen im PJZ sollen «Projektoptimierungen» sorgen. Dank diesen will das Hochbauamt ein Fünftel der zusätzlich benötigten 5000 Quadratmeter Nutzfläche gewinnen, wie Blöchlinger vorrechnete – «ohne dass es teurer wird». So erhält das PJZ fünf statt wie bisher geplant vier Obergeschosse, wobei das Gebäudevolumen nach wie vor dem Bauprojekt von 2010 entspreche. «Das lässt maximale Flexibilität für Erweiterungsbauten zu», so Blöchlinger.

Baudirektor Markus Kägi betonte, der Betrag von 568 Millionen für das PJZ sei unantastbar. Ein Zusatzkredit komme nicht infrage, deshalb sei der Verbleib des Kapo-Kommandos im Kasernenareal die kostengünstigste Lösung. Sicherheitsdirektor Mario Fehr räumte ein, es sei «nicht die perfekte Lösung». Dass die Polizeikaserne weiter gebraucht werde, sei «ein Wermutstropfen». Man habe gemeint, das ganze Kasernenareal räumen zu können. Jetzt zeige sich, dass es keine günstigere und praktikablere Lösung gebe. Allerdings, sagte Fehr, werden die Militärkaserne, die Zeughäuser und die Kasernenwiese wie vorgesehen für andere Zwecke frei, und das Polizeigefängnis verschwinde. «Der Traum, das Areal anders zu nutzen, kann trotzdem verwirklicht werden.»

Kritik wies Fehr zurück. Dem Volk sei versprochen worden, die gesamte Strafverfolgung an einem Ort zusammenzufassen. Dies werde getan. Zu einem späteren Zeitpunkt, etwa 2025 bis 2030, könne die politische Diskussion über Ergänzungsbauten neu geführt werden. Wie an der Medienkonferenz weiter bekannt wurde, dürfte das PJZ nicht wie bisher geplant 2018, sondern erst 2020 bezugsbereit sein.

«Trauerspiel», «Irreführung»

Die SP reagierte verärgert und sprach von einem Planungschaos in der Baudirektion. Dass der Regierungsrat die Polizeikaserne belegt halten wolle, widerspreche den Volksentscheiden von 2003 und 2011, die einen Neubau des PJZ und eine öffentliche Nutzung des gesamten Kasernenareals verlangten. Die Grünen kritisierten das «Trauerspiel» rund ums PJZ. Es erstaune sehr, dass der zusätzliche Flächenbedarf nicht im Projekt selber realisiert werden könne. Für die SVP ist die Konzeptänderung eine «Mogelpackung» und «Irreführung, ja Betrug am Stimmbürger». Sie verlangt, dass sämtliche Polizeieinheiten ins PJZ verlegt werden. Positiver sieht es die CVP. Dass die Raumprognosen schon vor Baubeginn revidiert werden müssen, sei zwar nicht erfreulich. Angesichts der langen Vor­geschichte habe man aber ein gewisses Verständnis dafür. Wichtig sei ein funktionierendes Kostencontrolling. Der Stadtzürcher Hochbauvorsteher André Odermatt (SP) zeigte sich «nicht begeistert». Letztlich sei es aber ein Entscheid des Kantons. Wichtiger als die Polizei­kaserne seien für die Stadt die alte Kaserne, die Wiese und die Zeughäuser.

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