Die Brücke, die Wasser lässt

Ein Wasserstrahl unter der Stauffacherbrücke sorgt derzeit für Verwirrung. Hinter dem speziellen Schauspiel steht eine Massnahme der Stadtzürcher Wasserversorgung.

Trägt den Namen «Stetslauf»: Der Wasserstrahl unter der Stauffacherbrücke. (Foto: Urs Jaudas)

Trägt den Namen «Stetslauf»: Der Wasserstrahl unter der Stauffacherbrücke. (Foto: Urs Jaudas)

Martin Huber@tagesanzeiger

Die Stauffacherbrücke bietet derzeit ein spezielles Schauspiel: Aus ihr sprudelt ein beständiger Wasserstrahl in die darunter fliessende Sihl. Dabei handelt es sich nicht etwa um eine Panne oder einen Rohrbruch, sondern um Kalkül der Stadtzürcher Wasserversorgung.

Dieses trägt den bemerkenswerten Namen «Stetslauf», wie Sprecherin Riccarda Engi sagt. Ein solcher wird jeweils in den Wintermonaten angebracht, um den Durchfluss in den unter der Brücke verlaufenden Trinkwasserleitungen zu gewährleisten und so ein Einfrieren zu verhindern. Jeweils Ende November wird der Stetslauf geöffnet und in der Regel – je nach Temperatur – Ende März wieder abgestellt.

Neben der Stauffacherbrücke gibt es bei zehn weiteren Zürcher Brücken Stetsläufe: Gessnerbrücke, Quaibrücke, Schanzengrabenbrücke, Bleicherwegbrücke, Sihlbrücke, Rathausbrücke, Rudolf-Brun-Brücke, Utobrücke, Selnaubrücke und Postbrücke. Die Stauffacherbrücke ist ein Spezialfall, wie Engi sagt. Weil sich dort der Stetslauf in der Mitte der Brücke befindet, sieht man das Wasser sehr gut plätschern. Bei den andern Brücken fliesst das Wasser seitlich ab.

Wasserverlust im unteren Prozentbereich

Der Schieber für den Stetslauf befindet sich auf der Stauffacherbrücke selber, wo ihn Mitarbeiter der Wasserversorgung betätigen können, um das Wasser an- oder abzustellen. Bei der Quaibrücke etwa muss dies via Boot geschehen. Der Wasserverlust, den die Stetsläufe verursachen, liegt laut Engi im untersten Prozentbereich. Letztes Jahr waren es 0,1 Prozent der Gesamtjahresabgabe von 51 Millionen Kubikmeter Trinkwasser in der Stadt Zürich. Der durchschnittliche Verbrauch pro Tag beläuft sich auf 144'000 Kubikmeter Trinkwasser.

Die Stauffacherbrücke zwischen Selnau und Aussersihl wurde 1899 nach einem Entwurf des Ingenieurs Robert Maillart vom damaligen Stadtbaumeister Gustav Gull gebaut. Auf den vier Eckpfeilern stehen Bronzelöwen, die der Bildhauer Urs Eggenschwyler gestaltete. Die Brücke steht unter Denkmalschutz.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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