180 Wohnungen auf dem Tramdepot Hard

Das Stadtparlament hat 13,2 Millionen für die Projektierung einer städtischen Wohnsiedlung beim Escher-Wyss-Platz bewilligt; allerdings mit Vorbehalten.

Über dem Depot Hard soll eine Wohnsiedlung entstehen.

Über dem Depot Hard soll eine Wohnsiedlung entstehen.

(Bild: Hochbauamt der Stadt Zürich)

Martin Huber@tagesanzeiger

Ende 2019 soll sie stehen: die neue städtische Wohnsiedlung in Zürich-West. Geplant sind 180 Wohnungen an einem ungewöhnlichen Ort: über den Gleisen des Tramdepots Hard am Escher-Wyss-Platz. Ein Teil des Depots soll abgerissen und durch einen Neubau der VBZ ersetzt werden. Die Kosten für Depot und Wohnüberbauung schätzt die Stadt auf 148 Millionen Franken. 89 Millionen davon entfallen auf die Wohnsiedlung, der Rest auf die Depotsanierung. Die Stadt rechnet damit, dass der Zürcher Verkehrsverbund diese Kosten vergütet.

Kostenbremse eingebaut

Gestern hat der Gemeinderat den Startschuss für das ehrgeizige Bauvorhaben gegeben und den Planungskredit von 13,2 Millionen Franken mit 73 zu 42 Stimmen genehmigt. Noch in diesem Jahr will die Stadt den Architekturwettbewerb starten, danach einen Objektkredit vorlegen, den Parlament und Stimmvolk bewilligen müssen. Baustart soll im günstigsten Fall Anfang 2017 sein.

Die fünfstöckige Wohnsiedlung löste im Rat keine Begeisterungsstürme aus. Das Vorhaben sei mit etlichen Risiken behaftet, betonten Sprecher fast aller Fraktionen. Die Wohnungen sollen nämlich über dem Tramdepot auf einer Platte liegen, was den Bau verkompliziert und grosse Anforderungen an die Statik stellt. Damit die Kosten nicht aus dem Ruder laufen, beschloss der Rat, eine Kostenbremse einzubauen: Wenn 5,6 der 13,2 Millionen Franken ausgegeben sind, soll der Stadtrat sagen, ob das Projekt und die Kosten noch auf Kurs und vertretbar sind.

Leupi: «Risiken und Chancen»

Trotz solcher Vorbehalte stellte sich eine Mehrheit hinter die Wohnsiedlung. Davy Graf (SP) sprach von einem «sinnvollen Projekt». Ein Kostendach sei nötig, um einigermassen erschwingliche Mieten zu erzielen. Für Martin Luchsinger (GLP) ist es richtig, dass in dieser Stadtgegend baulich verdichtet wird. Ähnlich sah es Jean-Claude Virchaux (CVP): «Wohnungen soll man nicht nur auf der grünen Wiese bauen.» Optimistisch zeigten sich EVP und Grüne: Werner Wehrli (EVP) sprach von einem «mutigen Projekt», Brigitte Baumgartner («Grüne) von einem «Glücksfall». Allerdings seien die Mieten – für eine 4½-Zimmer-Wohnung wird mit 2500 bis 2600 Franken gerechnet – teuer. Skeptiker erinnerte sie an die Überbauung des Tramdepots Kalkbreite: «Dort ging es auch.»

Die FDP lehnte die Vorlage ab. Es handle sich um den falschen Ort für Wohnungsbau, meinte Severin Pflüger (FDP). Zudem werde das Tramdepot in seiner Entwicklung behindert. Cäcilia Hänni (FDP) bezeichnete Bauen an diesem Ort als «Murks». Die Stadt sollte besser die Bau- und Zonenordnung so ändern, dass anderswo leichter Wohnraum gebaut werden kann. Niklaus Scherr (AL) sprach von einer Trotzreaktion. Weil man dort schon seit Jahrzehnten plane, wolle man nun partout etwas realisieren, wider besseres Wissen. Dabei gebe es sinnvollere Orte für kommunalen Wohnungsbau. Auch er kritisierte die sich abzeichnenden hohen Mieten.

Finanzvorstand Daniel Leupi (Grüne) beteuerte, die Stadt sei sich der Risiken, aber auch der Chancen bewusst. Unbestritten sei, dass das VBZ-Depot saniert werden müsse. Er versprach, die Handbremse bei den Kosten nötigenfalls auch zu ziehen. Mit der Überbauung, so Leupis Hoffnung, könne die Stadt «einen Meilenstein in einer jahrzehntelangen Planung» setzen.

Damit erinnerte er an die lange Planungsgeschichte. Bereits 1989 wollte die Stadt einen Neubau auf dem Tramdepot Hard realisieren. Das Vorhaben scheiterte aus Kostengründen. Daneben kursierten Ideen für einen Neubau der Schule für Gestaltung, für ein grosses Verwaltungszentrum und ein Wohnhochhaus samt Alterswohnungen, Sozialzentrum und Kinderkrippe. Der wegen seines Grundrisses «Kleeblatt-Hochhaus» genannte 90-Meter-Bau von Architekt Theo Hotz blieb allerdings eine Utopie. 2009 begrub der Stadtrat das Projekt – aus finanziellen Gründen.

Städtische Wohnbauoffensive

Mit dem Bau einer neuen kommunalen Wohnsiedlung kommt die Stadt dem Auftrag der Stimmberechtigten nach, den Anteil am gemeinnützigen Wohnungsbau in Zürich von heute einem Viertel auf ein Drittel zu erhöhen.

Neben der Siedlung beim Escher-Wyss-Platz sind noch mehrere weitere kommunale Wohnüberbauungen geplant. Bereits aufgegleist sind Projekte auf dem Heineken-Areal im Leutschenbachquartier (TA vom Dienstag), an der Rautistrasse, auf der Kronenwiese, auf dem Areal Hornbach sowie in der Herdern. Insgesamt entstehen so mehr als 900 neue Wohnungen.

Tages-Anzeiger

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