«So etwas kann sich kein Hotel wünschen»

Schon wieder macht das Zürcher Nobelhotel Baur au Lac Schlagzeilen. Es droht ein Imageschaden.

Im Morgengrauen zugeschlagen: Der Eingang des Hotels Baur au Lac heute früh.

Im Morgengrauen zugeschlagen: Der Eingang des Hotels Baur au Lac heute früh.

(Bild: Sabina Bobst)

Lorenzo Petrò@tagesanzeiger

Dass die Ermittler heute Donnerstagmorgen erneut im Zürcher Baur au Lac zugeschlagen und Fifa-Funktionäre verhaftet haben, sei «nicht gerade dienlich für die Stadt Zürich», sagt Tourismuschef Martin Sturzenegger. Er geht aber davon aus, dass sich der kommerzielle Schaden für Zürich in Grenzen hält: «Touristen können gut zwischen einer Organisation und einer Stadt unterscheiden.»

Der Zürcher Wirtschaftspsychologe Christian Fichter sieht das ganz anders. Zumindest was das Renommee des Zürcher Nobelhotels angeht: «Als Hort korrupter Machenschaften wahrgenommen werden – so etwas kann sich kein Hotel wünschen», sagt er. «Irgendwann färbt das ab.» Die Fifa habe inzwischen ein fast kriminelles Image. Da müsse einer bloss auf einen kreativen Hashtag kommen, in den sozialen Medien von «Räuber au Lac» oder einem Mafia-Hotel sprechen, «schon ist der Schaden da». Im Übrigen stimme es nicht, dass jede Art Aufmerksamkeit gut sei, wie einige Kommentatoren schreiben. «Das ist längst empirisch widerlegt», sagt Fichter. Einen kommerziellen Nutzen habe das Baur au Lac davon sicher nicht.

Der «Blick» hat schon einmal vorgespurt. «Baur au Knast» schreibt er anlässlich der jüngsten Verhaftungswelle. Und auf Twitter hagelt es böse Kommentare. «Das Baur au Lac wird zunehmend als Absteige von Kriminellen wahrgenommen» oder kreativer: «Das Baur au Lac als Adventskalender: hinter jedem Türchen ein korrupter Fifa-Funktionär.»

Beim Hotel will man sich zum potenziellen Imageschaden nicht äussern. Im Moment sei das wohl die richtige Strategie, sagt Experte Fichter. Zumindest solange die Emotionen hochkochen und unklar ist, wie die Fifa und übrige Betroffene reagieren. Im Verlauf des Tages könne allerdings eine Stellungnahme angebracht sein. Die Verantwortlichen müssten aber nichts sagen. Der Fokus liege auf der Fifa. Es sei auch eine Option, sich wegzuducken. «Persönlich würde ich aber versuchen, proaktiv zu sein.» Sich zu distanzieren, auch wenn das Hotel dadurch Gefahr läuft, seine Gäste abzustrafen.

«Bessere Gäste würden das Problem elegant lösen», schlägt Twitterer Roman Schurter vor. Tatsächlich könnte der Rausschmiss von Fifa-Funktionären eine Lösung sein, so Fichter weiter: «Wiederholen sich die Verhaftungen, ist dieser Schritt unumgänglich.» Überdies werde sich die Baur-au-Lac-Direktion bestimmt bereits Gedanken machen, wie die Ermittler zu überreden wären, «damit diese nächstes Mal vielleicht am Fifa-Hauptsitz oder sonst wo ausserhalb des Hotels zuschlagen».

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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