Schweizer Bier löst Proteste in Nepal aus

Eine Zürcher Brauerei sorgt mit ihrem Saisonbier im fernen Nepal für Aufsehen. Nun schaltet sich sogar das EDA ein.

Sorgt für Aufregung: Das Saisonbier Birendra der Zürcher Brauerei Turbinenbräu.

Sorgt für Aufregung: Das Saisonbier Birendra der Zürcher Brauerei Turbinenbräu. Bild: Thomas Zemp

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Im Streit um das Saisonbier der Zürcher Brauerei Turbinenbräu hat sich unterdessen sogar die Schweizer Botschaft in Nepal eingeschaltet. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) bestätigt auf Anfrage: «Die Missionschefin hat die Firma Turbinenbräu am Freitag kontaktiert mit der Bitte, die Informationen zum Bier von ihrer Website zu entfernen.» Zu Protesten oder Demonstrationen vor der Botschaft sei es bin anhin nicht gekommen.

Der nepalesische Unternehmer A. S. sagt dagegen, er habe von einer kleinen Demonstrationen vor der Schweizer Botschaft in Kathmandu Kenntnis. «Was die Schweizer Brauerei macht, ist respektlos», sagt er.

«This Beer is King!»

Als respektlos erachtet er, dass Turbinenbräu für das Saisonbier den Namen und das Konterfei des ehemaligen nepalesischen Königs Birendra verwendet. Auf der Etikette betrachtet Birendra Bir Bikram Shah Dev – so der volle Name des Königs – zufrieden ein gut gefülltes Bierglas, im Hintergrund sind ein Tempel und Berge zu erkennen. Zudem trägt die Etikette den Spruch «This Beer is King!»


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Birendra hatte den Thron 1972 bestiegen, 1990 gab er die Macht an gewählte Volksvertreter weiter. 2001 wurden er und ein Grossteil seiner Familie umgebracht. Die Tat soll sein Sohn und Thronfolger Dipendra begangen haben, viele Bürger in Nepal bezweifeln das aber. «Birendra war ein hoch angesehener und beliebter König. Dass man ihn mit einem Glas Bier zeigt, quasi als Alkoholiker, das ist eine Beleidigung für das nepalesische Volk», sagt A. S.

In Nepal hat es weitere Reaktionen gegeben. Fernsehsender haben über die Bieridee aus Zürich berichtet, in den sozialen Medien wird der Fall heftig und kontrovers diskutiert. Auf Facebook sind Hunderte von Kommentaren zu finden. Einer schreibt: «Fremde Mächte versuchen immer noch, den Ruf der Shah-Dynastie zu ruinieren.» Ein weiterer meint: «Sie benutzen unseren geliebten König für geschäftliche Zwecke und dann auch noch für Alkohol.»

Pfeffer macht das Bier fruchtig

Auf die Idee, für das Saisonbier dem Namen des Königs zu verwenden, ist Adrien Weber gekommen, der Geschäftsführer von Turbinenbräu. Die Firma braut und aromatisiert das Bier mit dem sogenannten Timut-Pfeffer. Das ist eine nepalesische Variante des chinesischen Szechuan-Pfeffers. Das Rautengewächs, das nicht zur Familie des Pfeffers gehört, hat kaum Schärfe, jedoch eine ausgeprägte Orangen-Zitronen-Note. Diese Fruchtigkeit kommt im Bier gut zum Tragen. «Ich habe einen nepalesischen Namen für das Bier gesucht, der nicht abgedroschen wirkt wie etwa Everest», sagt Weber. Bei der Internetrecherche sei er auf Birendra gestossen, ein Name, der auch an Bier erinnere. Er habe abgeklärt, um wen es sich dabei handle. «Wir wollen ja nicht irgendeinen Despoten oder Diktator auf der Etikette haben.» Auf Bildern habe Birendra immer sehr ernsthaft und mürrisch ausgeschaut, für die Etikette habe man ihn aber freundlicher dargestellt.

Nepalesische Video-Blog-Beitrag. Video: Youtube/Anand Nepal

«Wir wollen mit dem Bier eine Geschichte erzählen und nicht polarisieren oder gar provozieren», sagt Weber. Die negativen Reaktionen «am anderen Ende der Welt» erstaunen ihn. «Die Botschafterin sagte mir am Freitag am Telefon, dass es momentan Spannungen gegen Ausländer gebe in Nepal. Und dass die Botschaft wegen unseres Biers bei der Sicherheit nun aufrüsten müsse.» Informationen zum Saisonbier habe Turbinenbräu nie auf der Website gehabte, ein Zürcher Getränkehändler habe diese inzwischen vom Internet genommen.

Nepal hätte es selbst lancieren sollen

Nur negativ sind die Reaktionen aus nepalesischen Kreisen jedoch nicht. «Soeben sind Nepalesen, die seit 22 Jahren in der Schweiz leben, bei uns vorbeigekommen und haben mit Freude das Bier gekauft», sagt Weber. Bei Facebook und Twitter sind vor allem jüngere Nepalesen eher amüsiert bis sogar stolz wegen des Spezialbiers. «Ich liebe den König, und ich liebe Bier, was ist also falsch daran?», schreibt einer von ihnen. Und ein anderer meint: «Nepal hätte ein Bier mit dem Namen lancieren sollen. Es wäre mit Sicherheit das bekannteste Bier des Landes.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.04.2018, 10:51 Uhr

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