In Zürich ist der Affe los

Der Kapuzineraffe Kelso ist aus dem Zürcher Zoo ausgebüxt. Nun klettert er in den Baumkronen des Zürichbergwaldes herum, vermutet der Zoodirektor. Besonders Krähen könnten dem Äffchen gefährlich werden.

«Wenn sich Kelso im Zürichbergwald aufhält, sind seine Überlebenschancen sehr gut»: Ein Kapuzineraffe aus dem Zürcher Zoo.

«Wenn sich Kelso im Zürichbergwald aufhält, sind seine Überlebenschancen sehr gut»: Ein Kapuzineraffe aus dem Zürcher Zoo.

(Bild: Zoo Zürich)

Dem Zürcher Zoo ist ein Affe entwischt. Am Montagvormittag suchte der eineinhalbjährige Gelbbrustkapuzineraffe Kelso das Weite. «Wir vermuten, dass Kelso in den Graben gestürzt ist, der das Gehege umgibt. Anstatt dass er an den Seilen an der Innenseite des Grabens ins Gehege zurückgeklettert ist, muss er es irgendwie geschafft haben, nach aussen zu gelangen», sagt Zoodirektor Alex Rübel.

Dass er willentlich geflüchtet sei, glaubt Rübel jedoch nicht: «Kapuzineraffen suchen stets die Nähe zu ihrer Gruppe, und Kelso ist noch ein Jungtier. Er war vermutlich neugierig und hat sich dann verlaufen», sagt Rübel.

Tierpfleger hatten das Fehlen des Tieres am Montag bemerkt. Kurze Zeit später meldete sich eine Zoobesucherin, die in der oberen Zoohälfte einen frei laufenden Affen bemerkt hatte. Kurz danach meldete eine Spaziergängerin, dass sie im Zürichbergwald in unmittelbarer Zoonähe ein Äffchen gesehen habe.

Krähen greifen Affen an

«Wenn sich Kelso im Zürichbergwald aufhält, sind seine Überlebenschancen sehr gut», sagt Rübel. Schliesslich sei die Umgebung dort derjenigen im Affengehege ähnlich. Gelbbrustkapuziner ernähren sich überwiegend von Blättern und Blattsprossen, die es im Wald zur Genüge gibt. Kopfzerbrechen bereiten dem Zoodirektor allerdings die anderen Waldbewohner: «Die grössten Feinde von Kelso sind Marder, Füchse oder Krähen.» Insbesondere Krähen hätten bereits Affen im Zoo angegriffen, und Kelso ist 25 Zentimeter klein und wiegt lediglich ein Kilogramm.

Als Affe klettere er zwar gern in den Bäumen herum, komme aber durchaus auch auf den Boden hinunter. Der junge Affe sei nicht an Feinde gewöhnt. Da seine Familie aber mit den Bären die Anlage teile, wisse er durchaus, «dass da noch etwas sein kann», so Rübel. Wenn sich Kelso weiter vom Zoo entfernt, könnte er auch dem Strassenverkehr zum Opfer fallen.

Die Zoomitarbeiter suchen deshalb intensiv nach dem Kapuzineräffchen. «Unsere Tierpfleger streifen einzeln durch den Zürichbergwald», sagt Rübel. Zunächst versuchen sie, Kelso mit Futterfallen anzulocken. «Wenn wir wissen, wo er sich ungefähr aufhält, werden wir vielleicht auch einen Mutter-Affen in seine Nähe bringen. Kelso ist ein Jungtier und sucht die Nähe seiner Familie», erklärt Rübel.

Intelligente Äffchen

Gefragt sind nun auch die Passanten: «Wir hoffen auch auf Rückmeldungen von Spaziergängern.» Wer den Gelbbrustkapuziner sieht, soll aber auf keinen Fall versuchen, das Tier einzufangen. «Kelso würde sich erschrecken und die Flucht ergreifen oder zubeissen», sagt Rübel. Das Äffchen sei zwar weder gefährlich noch krank, ein Tierbiss sei aber dennoch unangenehm. Bis jetzt hätten erst zwei Personen angerufen, die das Gelbbrustkapuzineräffchen gesichtet haben. Trotzdem sagt Rübel: «Wir sind zuversichtlich, dass Kelso nach Hause findet.»

«Abgesehen von einem Trogon-Vogel, der vor ein paar Jahren das Weite suchte, ist uns noch kein Tier abhandengekommen», sagt der Zoodirektor. «Wir sind davon ausgegangen, dass der Graben um das Affengehege ausbruchsicher ist. Nun werden wir abklären, wie der Affe in die Freiheit gelangen konnte.» Bereits als die ersten Gelbbrustkapuziner 1996 im Zoo Zürich Einzug hielten, hatte Kurator Robert Zingg erklärt, ihre hohe Intelligenz dürfte den Betreuern noch Kopfzerbrechen bereiten.

(sda)

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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