«150 Angestellte hätten keinen Job mehr»

Drei Millionen Besucher in zehn Jahren kann die Maag Event Hall verbuchen. Doch bald läuft der Mietvertrag für die Räumlichkeiten aus. Der Geschäftsführer Darko Soolfrank verrät, wie es weitergehen könnte.

350 Veranstaltungen pro Jahr gibt es hier: Die Maag-Event-Halle in Zürich-West.

350 Veranstaltungen pro Jahr gibt es hier: Die Maag-Event-Halle in Zürich-West.

(Bild: Maag-Halle)

Die Maag Event Hall besteht nun seit zehn Jahren und zieht jährlich Hunderttausende Konzert- und Clubbesucher an. Wie erklären Sie sich diesen Erfolg? Hinter dem Erfolg steckt vor allem viel Arbeit – und der Glaube an das Konzept. Oder besser gesagt an die vielen verschiedenen Konzepte. Neben der Event Hall haben wir ja auch den Club Härterei, ein Bistro und ein Restaurant. Das Ganze ist sozusagen organisch gewachsen.

Sind Sie mit der Maag Event Hall reich geworden? Ich sage immer: Wir sind im Herzen reich geworden. Ich darf einen der spannendsten Jobs ausüben, die ich mir vorstellen kann. Wenn ich wirklich reich werden wollte, hätte ich wohl weiterhin bei der Bank arbeiten sollen, bei der ich meine Lehre absolviert habe.

Aber das Ganze hat sich doch sicher auch finanziell für Sie gelohnt? Ja klar verdienen ich und mein Geschäftspartner daran. Aber immer wenn wir etwas Geld auf der Seite hatten, haben wir das wieder investiert, wie jetzt zum Beispiel in Frau Gerolds Garten, ein Restaurant, dessen Standort auf fünf Jahre begrenzt ist und das danach mit Sack und Pack weiterziehen soll.

Sie waren immer unabhängig von öffentlichen Geldern und Kultursubventionen. Wie haben Sie das geschafft? Gerade im Theaterbereich ist es manchmal überhaupt nicht einfach, rentabel zu funktionieren. Das Musical «Die Schweizermacher» war beispielsweise ein Zuschauerflop, aber wir hatten grosses Glück mit «Ewigi Liebi». Weil wir ein so breitgefächertes Angebot haben, hebt oft der Erfolg des einen die finanziellen Einbussen des anderen Projektes auf. Aber auch feste Mieter wie das Schweizer Fernsehen mit «Musicstar» helfen.

Hielt nicht auch die Freikirche ICF lange Zeit ihre Celebrations bei Ihnen ab? Nein, die waren direkt bei der Swiss Prime Site eingemietet, so wie wir auch. ICF hatte keinen Mietvertrag mit uns.

Und wie funktioniert die Zusammenarbeit mit der Stadt Zürich? Ich glaube, Frau Mauch schätzt unsere Arbeit. Aber die zehn Jahre hat es schon gebraucht, bis wir von der Stadtregierung wahrgenommen wurden. Nun stehen wir aber regelmässig in Kontakt, auch um über unsere Zukunft zu sprechen.

Die ist ja ungewiss: Ihr Mietvertrag mit der Swiss Prime Site läuft Ende 2015 aus. Wie geht es dann weiter? Wir haben 40 festangestellte Mitarbeiter, zusammen mit den Künstlern und den Gastronomiemitarbeitern kommen wir auf 150 Angestellte – die hätten alle keinen Job mehr, wenn der Mietvertrag nicht verlängert würde. Aber wir stehen in Verhandlungen mit den Liegenschaftseigentümern. An diesen Hoffnungsstrahl klammern wir uns. Wenn es nicht klappt, wäre unsere Kreativität gefordert. Vielleicht würden wir dann als Übergangslösung eine temporäre Bühne aufstellen. Das haben wir zusammen mit dem Architekturbüro Nüssli bereits in Bern so gemacht für das Musical «Ewigi Liebi».

Was hat sich in der Nachbarschaft zum Prime Tower verändert? Als wir 2001 eingezogen sind, war das hier wirklich noch Industriegebiet. Das Areal war abgeriegelt und ein Portier kontrollierte, wer hinein- und hinausging. 1500 Arbeiter in grünen Anzügen liefen auf dem Fabrikgelände umher – aber gleichzeitig zogen bereits die ersten Fremdmieter, Kreative, hier ein. Mittlerweile hat sich die Gegend komplett verändert. Der Prime Tower zieht eine Menge Touristen an, die herkommen, um sich Zürich von oben anzuschauen. Manche kommen dann auch bei uns vorbei. Das führt zu einer belebenden Durchmischung. Allerdings kann ich wegen des Windkanals zwischen den hohen Gebäuden auf dem Fahrrad nun nicht mehr freihändig zur Arbeit fahren, sonst würde ich vom Wind weggeblasen.

Welche Augenblicke der letzten zehn Jahre sind Ihnen ganz speziell in Erinnerung geblieben? Das erste Musical lief nicht. Wir hatten eben erst begonnen und standen finanziell wirklich auf Seidenpapier. Das waren schwierige Momente, aber Not macht erfinderisch. Ein persönliches Highlight ist sicher das «Ewigi Liebi». Wir wollten das Musical zwei Monate lang aufführen – nun sind wir im 5. Jahr. Oder das diesjährige Digital Maag Festival. Immer wenn wir die Halle voll haben, kommt mir der Augenblick vor zehn Jahren in den Sinn, als wir am Tag des ersten Spatenstiches in einer leeren Industriehalle standen.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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