Schawinski erhält Zuschlag für Radio 105

Der Radio-1-Inhaber darf den in Konkurs gegangenen Jugendsender offenbar übernehmen. Die übrigen Interessenten haben nun aber noch die Möglichkeit, Schawinskis Angebot zu überbieten.

Hohe Verluste durch teure Mieten, überdimensionierte Infrastruktur, hohe Löhne und neue Projekte: Studio von Radio 105 in Zürich. (26. September 2011)

Hohe Verluste durch teure Mieten, überdimensionierte Infrastruktur, hohe Löhne und neue Projekte: Studio von Radio 105 in Zürich. (26. September 2011)

(Bild: Keystone Walter Bieri)

Radio-1-Besitzer Roger Schawinski hat vom Konkursamt Zürich-Oerlikon den Zuschlag für den in Konkurs gegangenen Jugendsender Radio 105 bekommen. Das Abkommen über den Freihandverkauf sei am gestern Abend unterzeichnet worden, teilte Radio 1 mit.

Das von Schawinski vorgelegte Angebot sei vom Konkursverwalter als besser bewertet worden als alle andern, heisst es in der Mitteilung. Am kommenden Dienstag werde dieses Angebot im Handelsamtsblatt veröffentlicht. Die übrigen Interessenten hätten danach fünf Tage Zeit, ein höheres Angebot einzureichen. Schawinski hätte dann die Möglichkeit, ein höheres Angebot zu überbieten.

Die vor einem Jahr in finanzielle Schieflage geratene Music First Network AG, die unter anderem Radio 105 betrieben hat, musste vergangene Woche den Konkurs anmelden. Als erster hatte danach Roger Schawinski ein Rettungskonzept eingereicht.

«Es ist unethisch»

Für den Kauf der Konzession und die Anlagen von Radio 105 gibt es inzwischen sechs Interessenten. Neben Schawinski sind dies unter anderem der TV-Sender Joiz und Radio Energy des Ringier Verlages.

Ringier betreibe bereits das Maximum von zwei Sendern und könne deshalb gar keine weitere Sendekonzession erhalten, schreibt Radio 1 in der Mitteilung. Wenn Energy den definitiven Zuschlag erhalten sollte, so geschehe dies offenbar allein mit dem Ziel, dass damit der Konkurrent Radio 105 von der Bildfläche verschwinden werde.

«Es ist unethisch, für eine Konzession zu bieten, nur um einen unangenehmen Konkurrenten auszuschalten», wird Radio-1-Inhaber Roger Schawinski in einem Artikel der «Schweiz am Sonntag» zitiert.

Bakom muss entscheiden

Nach einem endgültigen Zuschlag an einen Bewerber kann das Konkursamt Zürich-Oerlikon im Namen der Music First Network AG beim Bundesamt für Kommunikation (Bakom) ein Gesuch einreichen, um die Konzession an einen neuen Besitzer zu übertragen. Ob dies der Fall sein wird, entscheidet das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek).

Es handle sich um einen Präzedenzfall in der Geschichte der konzessionierten Privatradios, teilte das Bakom am vergangenen Freitag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda mit. Im Falle von Radio 105 unterstütze das Bakom eine «nachhaltige Lösung im Rahmen einer Konzessionsübertragung an einen leistungsfähigen Bewerber». Ziel sei es, den Service public möglichst rasch wieder herzustellen, erklärte Bakom-Sprecherin Carolina Sauser.

Einen Arbeitsvertrag angeboten

Radio 105 habe in den letzten Monaten durch teure Mieten, eine überdimensionierte Studioinfrastruktur, hohe Löhne und die Lancierung von neuen Projekten so viel Geld verloren, dass Investor Daniel Hartmann vor Erreichen seiner Finanzierungszusage die Zahlung von Geldern eingestellt habe, schreibt die «Schweiz am Sonntag» weiter.

Erste Ex-Mitarbeiter von Radio 105 hätten bereits Verträge bei Energy unterschrieben. Der Ringier-Sender hat den meisten Programmmitarbeitern laut Ex-105-Programmleiter Jan Müller einen Arbeitsvertrag angeboten.

rub/ajk/sda

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