Zum Hauptinhalt springen

Lokführer-Präsident kritisiert nach Zugunglück die SBB

Der Bahnhof Rafz sei seit dem Umbau unübersichtlicher geworden – wohl aus Kostengründen, sagt Hubert Giger. Er hat eine Vermutung, was zum Unfall von Rafz geführt haben könnte.

Seitlich gerammt und entgleist: Ein Schnellzug ist beim Bahnhof Rafz mit einer S-Bahn kollidiert. (20. Februar 2015)
Seitlich gerammt und entgleist: Ein Schnellzug ist beim Bahnhof Rafz mit einer S-Bahn kollidiert. (20. Februar 2015)
Michael Buholzer, AFP
Die Lok sprang aus den Schienen, stiess einen Fahrleitungsmast um. (20. Februar 2015)
Die Lok sprang aus den Schienen, stiess einen Fahrleitungsmast um. (20. Februar 2015)
Sophie Stieger
Die demolierte 80-Tonnen-Lok des Interregio wird auf dem Tieflader nach Yverdon transportiert
Die demolierte 80-Tonnen-Lok des Interregio wird auf dem Tieflader nach Yverdon transportiert
Claudio Schmid
1 / 14

Nach der Zugskollision in Rafz vom Freitag wird Kritik an den SBB laut. Hubert Giger, Präsident des Verbandes Schweizer Lokomotivführer, sagt in der «Schweiz am Sonntag», seit seinem Umbau im Jahr 2011 sei der Bahnhof Rafz unübersichtlicher geworden. Dazu trage auch bei, dass ein einzelnes Signal am Ende des Bahnhofes rechts der Gleise stehe statt wie üblich links der Gleise. Solche Situationen könnten zur Verwirrung beitragen.

«Leider baut SBB Infrastruktur Signale aus Kostengründen immer häufiger rechts», sagt Giger dem Blatt. Dies ist teilweise günstiger, weil etwa keine Kabelbrücken gebaut werden müssen. «Wir plädieren für eine einheitliche Handhabung, da Verwechslungen durch das rechtsseitige Aufstellen begünstigt werden, was fatale Folgen haben kann», wird Giger zitiert. Mit dieser Forderung wurde der VSLF bereits 2012 bei den SBB vorstellig.

Signalverwechslung mögliche Ursache

Wie die «Schweiz am Sonntag» weiter schreibt, seien Systeme, die den Unfall verhindern hätten können, im Bahnhof Rafz wohl nicht vorhanden. Sogenannte Abfahr-Verhinderungs-Balisen würden in Bahnhöfen gebaut, in denen Züge regelmässig wenden, was in Rafz nicht der Fall ist. Sie sorgen dafür, dass Züge auch nach einem Wendemanöver vom Zugssicherungs-System kontrolliert werden.

Die Bergung der Unfallzüge in Rafz. Video: Reto Oeschger

Hubert Giger hält eine Signalverwechslung für nicht ausgeschlossen, wie er der «NZZ am Sonntag» sagt. «Es ist denkbar, dass der Lokomotivführer und der Aspirant im S-Bahn-Führerstand auf die falsche Seite des Gleises geschaut haben, wo das Signal auf Grün stand; das für sie gültige Signal war jedoch vermutlich rot.» Weil das Zugbeeinflussungssystem eine Lücke hat und bei einem Wechsel der Fahrtrichtung erst beim Passieren des ersten Signals aktiv wird – das ist in Rafz für die S-Bahn der Fall –, hätte das rote Signal tatsächlich überfahren werden können, ohne dass das Sicherungssystem den Zug automatisch vor dem Signal gebremst hätte.

Höchstgeschwindigkeit von 40km/h

Der VSLF fordert nun von den SBB als Folge des Unfalls von Rafz eine neue Sicherheitsvorschrift: Nach einem Wechsel der Fahrtrichtung soll von der Abfahrt bis zum Passieren des ersten Signals eine Höchstgeschwindigkeit von 40 Kilometern pro Stunde festgesetzt werden. «Ohne teure Installationen kann diese einheitliche, überall anwendbare Regel die Sicherheit deutlich erhöhen», betont Giger.

Beim Unglück vom Freitag wurde ein Lokomotivführer schwer verletzt, sechs Personen zogen sich leichte Blessuren zu. In beiden Zügen befanden sich je ein Ausbildungs-Lokomotivführer und ein Lernender im Führerstand.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch