Alu-Container voll: Frau muss 142 Franken zahlen

In Dielsdorf hat eine Einwohnerin einen Sack mit Alubüchsen neben vollen Sammelcontainern deponiert – das hatte Konsequenzen.

Die Gemeinde Dielsdorf büsste die Frau für das illegale Entsorgen von Alubüchsen mit 142 Franken: Sie stellte ihr Recyclinggut neben die vier überfüllten Container.

Die Gemeinde Dielsdorf büsste die Frau für das illegale Entsorgen von Alubüchsen mit 142 Franken: Sie stellte ihr Recyclinggut neben die vier überfüllten Container.

(Bild: PD/Überwachungskamera Gemeinde Dielsdorf)

In der Zürcher Landgemeinde Dielsdorf sollten die Einwohnerinnen und Einwohner Verbote besser nicht missachten. Das bekam eine Dielsdorferin zu spüren, die eigentlich dachte, dass sie nichts falsch gemacht hatte.

Am Montag, 16. Dezember, fuhr sie zur Sammelstelle beim Dielsdorfer Werkhof in der Nähe des Bahnhofs. Sie hatte einen grossen Sack mit Alubüchsen dabei, merkte aber schnell, dass es in den vier Containern keinen Platz mehr für ihr Recyclinggut hatte: Diese waren bereits überfüllt. Sie befürchtete, dass ihre Dosen wegrollen würde, wenn sie diese auch noch in die Container zu stopfen versuchte. Deshalb deponierte die Frau ihren Sack fein säuberlich neben den Containern, wie das wohl viele tun würden, schreibt das SRF-Konsumentenmagazin «Espresso», welches den Fall am Mittwochmorgen publik machte.

Doch damit verstiess die Einwohnerin gegen das Reglement der Entsorgungsstelle, wie sie wenige Tage später erfuhr: Sie erhielt Post von der Gemeinde, mit einer Strafgebühr von 142.15 Franken mit Androhung einer Anzeige bei weiteren Vergehen. Die «Abfallsünderin» sendete dem Gemeinderat eine Einsprache, weil doch wirklich alle vier Container voll waren. Doch ihre Argumente überzeugten weder Politiker noch den Gemeindeschreiber – die 142 Franken müssen bezahlt werden. Dabei habe sie doch nicht absichtlich etwas Illegales getan, sagt die Frau zu «SRF Espresso». Die Container seien schlicht voll gewesen.

Eine verhängnisvolle halbe Stunde

Was hätte die Frau also tun sollen? Ihr Recyclinggut wieder mitnehmen und an einer anderen Stelle entsorgen, sagt Gemeindeschreiber Nando Nussbaumer auf Anfrage. In Dielsdorf stünden dafür weitere öffentliche Container zur Verfügung. Ausserdem gebe es in der Nähe den Retromarkt, der alle Abfälle garantiert entgegennimmt und wo die Container nie voll sind. «Der Retromarkt hat praktisch dieselben Öffnungszeiten wie die anderen Abfallsammelstellen. Die vor Ort anwesenden Mitarbeiter helfen zudem bei allen Fragen zur Entsorgung.»

Die Lösung des Aluproblems lag also nahe – zwei Minuten Autofahrt sind es gemäss Google Maps zum Retromarkt. Der Frau wurde aber wohl eine halbe Stunde zum Verhängnis, denn ihr Recyclinggut stellte sie um 13.56 Uhr beim Werkhof ab, der Retromarkt öffnete erst um 14.30 Uhr wieder.

Und nicht nur das, gemäss Nussbaumer wurden um 14.30 Uhr auch die vier vollen Alucontainer beim Werkhof geleert. Der Gemeindeschreiber erklärt, wie die Entsorgung funktioniert: Jeweils am Donnerstag und am Montag kontrolliere das beauftragte Unternehmen den Füllstand. «Sind die Container mehr als zur Hälfte gefüllt, werden sie geleert.» Grundsätzlich werde das einmal wöchentlich gemacht. Am Donnerstag, 12. Dezember, war lediglich ein Container genug voll und wurde gewechselt, weiss Nussbaumer, am Montag, 16. Dezember, traf die Frau dann auf die vier überfüllten Container.

Im Winter wird mehr entsorgt

Gemäss Statistik werde im Dezember mehr entsorgt, einerseits, weil die Bevölkerung in dieser Zeit wohl mehr entrümple, sagt Nussbaumer, «andererseits werden gemäss unserem Entsorgungsunternehmen über die Festtage und in den Wintermonaten mehr Konserven konsumiert und entsprechend auch entsorgt». Man habe deshalb ein Auge darauf, ob die Container zu dieser Zeit mehr als einmal pro Woche geleert werden müssen, um der Bevölkerung Umwege für die Entsorgung zu ersparen.

Fragt sich, wie die Gemeinde auf die verhältnismässig hohe Busse von 142.15 Franken kam. Nussbaumer erklärt, das sei keine Busse, sondern eine Umtriebsentschädigung. In Rechnung gestellt werde nur der effektive Aufwand, der durch die Bearbeitung anfalle. Der falsch entsorgte Abfall könne durch Wind und Wetter in die Natur, auf die Strasse oder in Privatgärten gelangen. Deshalb würden das Einsammeln von verstreuten Aludosen, eine allfällige Reinigung und das korrekte Entsorgen verrechnet, zudem würden auch der administrative Aufwand für das Prüfen der Überwachungskamera und das Auffinden des fehlbaren Nutzers in die Umtriebsentschädigung genommen.

«Disziplinierende Wirkung»

Eine Verwarnung oder Kulanz sieht die Gemeinde in solchen Fällen nicht vor, denn Kulanz führe zu Willkür, sagt Nussbaumer. «Die Gemeinde muss alle Benutzerinnen und Benutzer der Sammelstellen gleich behandeln, für alle gelten die gleichen Regeln.» Und letztlich geht es auch um Erziehung, sprich, die Strafe soll so hoch sein, dass man den Fehler nicht noch einmal macht.

Denn eingeführt wurden die Regeln, weil Littering in Dielsdorf wie in vielen Gemeinden zum Problem wurde. Dies sei auch der Grund, weshalb die Abfallsammelstellen mit Videokameras überwacht werden. «Die Kameras und die Verrechnung der Umtriebsentschädigung sollen effektiv eine disziplinierende Wirkung haben», sagt der Gemeindeschreiber.

Vermehrte Überwachung

Darauf setzt nun auch Bülach, der andere Bezirkshauptort im Zürcher Unterland. Am Dienstag wurden dort an drei der zehn Sammelstellen Kameras installiert, man erhofft sich davon eine abschreckende Wirkung und weniger Littering. Angedroht werden Bussen von mehreren Hundert Franken.

In Bülach müssten Mitarbeiter der Stadtentsorgung diese drei bisher nicht überwachten Sammelstellen täglich aufräumen, weshalb nun durchgegriffen werde. Im Gegensatz zum Fall in Dielsdorf geht es dabei nicht nur um Alubüchsen neben dem Alucontainer, sondern auch um Haushaltkehricht, Geschirr, Möbel und Klodeckel. Dieser türmt sich neben kleinen Sammelstationen für Alu und Glas, wie die zuständige Stadträtin dem «Zürcher Unterländer» sagt.

anf

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