Zürichs stärkstes Sommergewitter

Innert weniger Minuten regnete es in Strömen, der Wind peitschte durch Zürichs Strassen. Die Feuerwehr musste wegen des heftigen Unwetters 200-mal ausrücken.

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Kurz, aber heftig war das Unwetter, das gestern nach 20 Uhr in Zürich gewütet hatte. Zwischen den ersten Regentropfen und dem Moment, als die Gäste vor der Neumarkt-Bar im Niederdorf knietief im Wasser standen, vergingen gerade mal fünf Minuten. Mit vereinten Kräften, Holzbrettern und Tischtüchern konnte man schliesslich den Wassereinbruch in die Bar stoppen.

Doch Dutzende von Bäumen und Bauabschrankungen hielten dem orkanartigen Gewitter vom Donnerstagabend nicht stand. Abgerissene Baumasten führten zu Verkehrsbehinderungen und beschädigten fünf Autos, wie die Kantonspolizei Zürich mitteilt. Auch auf dem See richtete der Sturm Schaden an: Vier Schiffe rissen sich los und trieben auf dem offenen See. Ein Surfer geriet in Seenot.

S-Bahn blockiert

Rund 200 Einsätze absolvierten die Feuerwehren im Kanton Zürich, 80 davon auf Stadtgebiet. Laut Jörg Wanzek, Sprecher bei Schutz und Rettung, betrafen die meisten Notrufe überflutete Keller und umgeknickte Bäume oder Äste, die Strassen blockierten. Verletzte habe es keine gegeben. Auch der öffentliche Verkehr war betroffen. Eine S-Bahn nach Meilen fiel aus, da ein Hindernis auf den Gleisen lag.

Die Messstation von Meteo Schweiz auf dem Zürichberg mass eine Sturmböe, die eine Geschwindigkeit von 131,8 Kilometer pro Stunde erreichte. Das ist der stärkste Sommersturm, der seit Messbeginn 1981 jemals in Zürich gemessen wurde.

Zu solchen Stürmen komme es, wenn ein grosser Temperaturunterschied zwischen einer Gewitterwolke mit starkem Niederschlag und der näheren Umgebung herrscht, erklärt Daniel Gerstgrasser von Meteo Schweiz: «Der stürmische Wind gleicht diesen Temperaturunterschied abrupt aus.»

10 Grad kälter

Der Gewittersturm von gestern Abend hat innert 20 Minuten zu einer Abkühlung von rund 10 Grad geführt. Über das Wochenende werden keine Gewitter erwartet: «Die feuchtwarme Luft wurde ausgeräumt, daher ist die Gewittergefahr gering», sagt Gerstgrasser.

Tages-Anzeiger

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