Wenn die Polizei mit Strom zuschlägt

Zürcher Polizeikorps rüsten ihr Waffenarsenal auf, wie ein Beitrag von «10vor10» zeigte. Der Präsident des Zürcher Polizeibeamtenverbandes erklärt, wann Polizisten zum Taser greifen.

«Grundsätzlich dürfen Waffen nur zur Notwehr angewendet werden»: Einsatzkräfte der Polizei am 1. Mai in Zürich.

«Grundsätzlich dürfen Waffen nur zur Notwehr angewendet werden»: Einsatzkräfte der Polizei am 1. Mai in Zürich.

(Bild: Keystone)

Wie unterscheidet sich der Gebrauch eines Tasers von demjenigen einer Schusswaffe?Wenn Einsatzkräfte beispielsweise in fünf Meter Distanz zu einem Mann stehen, der mit einem Messer bewaffnet ist, würden sich die Polizisten in Gefahr bringen, wenn sie sich der Person nähern. Eine Schusswaffe einzusetzen, wäre aber unverhältnismässig. Das Destabilisierungsgerät ergänzt die bestehenden Einsatzmittel hervorragend. Es schliesst die bestehende Lücke zwischen Pfefferspray, Mehrzweckstock und Schusswaffe.

Sie sagten, die Elektroschock-Pistole sei eine hervorragende Ergänzung zu Schlagstock und Schusswaffe. Warum? Das Destabilisierungsgerät ist eine Waffe, die ohne zu töten sehr effizient ist und keine gesundheitlichen Folgen generiert. Wenn Sie einer Person Pfefferspray in die Augen sprühen, müssen deren Augen anschliessend eine halbe Stunde lang ausgespült werden. Auch beim Einsatz mit dem Mehrzweckstock sind die Folgen schwer einschätzbar. Diese Risiken entfallen beim Taser.

In den USA sind aber bereits Menschen unmittelbar nach einem Taser-Einsatz gestorben. Die ärztliche Einschätzung ist anders als diejenige von Elektroingenieuren. Die Personen, die nach einem Taser-Einsatz verstorben sind, hatten entweder einen tödlichen Drogencocktail intus oder litten unter anderen Beschwerden mit tödlichen Folgen. Elektro-Experten können bestätigen, dass garantiert niemand an einem Stromschlag stirbt, welcher durch einen Taser verursacht wurde.

Verleitet die Annahme, eine Elektroschusswaffe sei eigentlich ungefährlich, nicht zu einem leichtfertigen Umgang? Nein. Die Vorgaben sind klar geregelt und das Destabilisierungsgerät ist bei einem Einsatz das zum jetzigen Zeitpunkt mildeste Mittel. Die Polizisten haben in ihrer Ausbildung gelernt, eine schwierige Situation rasch einzuschätzen und geeignete Einsatzmittel anzuwenden.

Das klingt nach der idealen Waffe. Welches sind die Nachteile? Das Destabilisierungsgerät kann nicht wahllos eingesetzt werden. Wenn Sie mit einem Taser angegriffen werden, stürzen Sie. Dies müssen die Polizisten bedenken. Steht eine Zielperson beispielsweise am oberen Ende einer Treppe, darf der Taser nicht zum Einsatz kommen. Die Verletzungsgefahr wäre zu gross.

Ist es in einer Stresssituation immer möglich, alle Eventualitäten zu überdenken?Eine Garantie kann ich Ihnen natürlich nicht geben. Menschen machen Fehler. Aber wir versuchen, die Voraussetzungen zu schaffen, damit so wenig Fehler wie möglich passieren. Zum Beispiel mittels sehr gut ausgebildetem Personal.

Warum benutzen denn nicht alle Polizeikorps Elektroschock-Pistolen? Die Anschaffung ist mit Kosten verbunden. Die Anschaffung ist teuer und zieht Aus- und Weiterbildungen nach sich, welche ebenfalls mit Kosten und erheblichem Zeitaufwand verbunden sind. Grössere Korps, wie beispielsweise die Zürcher Stadtpolizei, müssten eine grössere Anzahl dieser Geräte anschaffen und gleich viele Beamte in eine Schulung schicken. Das ist ein enormer Aufwand. Demgegenüber haben Gemeinden wie Wetzikon oder Uster verhältnismässig kleine Korps.

Wann darf eine Elektroschock-Pistole konkret zum Einsatz kommen? Jeder Waffeneinsatz ist gesetzlich geregelt. Zum Beispiel, wenn Notwehr geleistet werden muss. Nebst der schweizerischen und kantonalen Gesetzgebung gibt es Empfehlungen der Konferenz der Kantonalen Polizeikommandanten. Innerhalb der Korps können in diesem Rahmen die Details geregelt werden.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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