Auch Polizisten dürfen sich einen Bart wachsen lassen

Ein Bartverbot wie in Genf ist für Stadt- und Kantonspolizei Zürich kein Thema. Dafür gibt es andere Outfit-Regeln.

Gepflegtes Erscheinungsbild: Die Zürcher Polizei kennt kein Bartverbot.

Gepflegtes Erscheinungsbild: Die Zürcher Polizei kennt kein Bartverbot.

(Bild: Keystone)

Martin Huber@tagesanzeiger

Genfer Polizisten sollen künftig Bart tragen dürfen. Dies hat der Genfer Grosse Rat letzte Woche entschieden, wie Westschweizer Medien berichten. Mit 42 zu 38 Stimmen nahm er einen Vorstoss zur Abschaffung des Bartverbots bei der Polizei an. Laut dem Mouvement Citoyens Genevois, von dem der Vorstoss stammte, soll die Polizei «mit der Zeit gehen». Genfs Sicherheitsdirektor Pierre Maudet (FDP) hielt fest, ihm sei der tägliche Einsatz der Polizisten wichtiger als deren Gesichtsbehaarung. In der Waadt wurde ein solches Bartverbot erst Anfang 2012 aufgehoben.

In Zürich ist die Gesichtsbehaarung der Polizisten kein Politikum. «Ein Bartverbot war bei der Stadtpolizei Zürich nie ein Thema», sagt Medienchef Marco Cortesi. «Bei uns tragen einige Polizisten einen Bart.» Was wenig verwundert angesichts des Aufschwungs, den Bärte in letzter Zeit erlebten – etwa in der urbanen Hipster-Szene.

«Playoff-Bärte» liegen nicht drin

Eine Dienstanweisung der Stadtpolizei legt laut Cortesi lediglich fest, dass das Erscheinungsbild gepflegt sein soll, dazu gehöre auch der Bart. «Die Kontrolle darüber obliegt dem zuständigen Vorgesetzten.» Im Alltag gilt: Stadtpolizisten, die keinen Bart tragen, treten ihren Dienst rasiert an. Heikel kann es beim Dreitagebart werden. Cortesi: «Auch der muss gepflegt sein, eine wild wuchernde Gesichtsbehaarung wie bei Eishockeyspielern in den Playoffs liegt nicht drin.» Auch hier habe der zuständige Chef das letzte Wort. «Wir sind eine moderne Polizei und fahren in dieser Sache einen liberalen Kurs, der an die Selbstverantwortung appelliert.» Damit mache man gute Erfahrungen.

Ähnlich tönt es bei der Kantonspolizei. «Bärte inklusive Dreitagebärte und Schnäuze sind bei uns mindestens seit Beginn der 70er-Jahre erlaubt», sagt Kommunikationschef Werner Benz. Verlangt werde von der Korps-Führung auch hier, dass diese gepflegt aussehen und regelmässig gestutzt werden.

Doch der fehlende Barterlass bedeutet nicht, dass in den Zürcher Polizeikorps stilmässig ein Laisser-faire herrscht. Fürs äussere Erscheinungsbild bestehen klare Vorschriften. Bei der Stadt- und Kantonspolizei verbietet der interne Mode-Knigge etwa auffällige Frisuren wie Rossschwänze oder schulterlanges Haar bei Männern, Punk-Frisuren oder auffällig gefärbtes Haar. Nicht erlaubt ist auch das Tragen von auffälligen Schmuckstücken, die mit dem Erscheinungsbild des Polizisten nicht vereinbar sind. Dezente Ohrstecker oder kleine Ohrringe sind dagegen zulässig. Weiter regelt die polizeiliche Stilbibel auch das Tragen von Tattoos. Tätowierungen am Kopf, an den Händen oder am Hals werden nicht toleriert. Bei der Stadtpolizei wird bereits bei der Auswahl von Aspirantinnen und Aspiranten auf Tätowierungen geachtet, und alle Mitarbeitenden kennen die Richtlinien, wonach das Erscheinungsbild mit dem Polizeiberuf vereinbar sein muss, wie Cortesi sagt.

Kapo-Sprecher Benz erinnert daran, dass die Polizisten mit ihrem äusseren Erscheinungsbild Ruf und Image der Kantonspolizei mitprägen. Mit den bisherigen Outfit-Regeln, die stark auf Eigenverantwortung beruhen, mache man gute Erfahrungen.

Frankreich als Vorbild

Über die Gründe für das Genfer Bartverbot für Polizisten herrscht Unklarheit. Angeblich soll die Vorschrift noch aus der Zeit Napoleons stammen. Der Genfer Parlamentarier und Polizist Thierry Cerutti vom Mouvement Citoyens Genevois führt das Verbot auf die stark französisch geprägte Kultur der Stadt Genf und ihrer Polizei zurück. In Frankreich seien bei der Polizei noch heute Bartverbote weit verbreitet, sagte Cerutti auf Anfrage. Sauber rasierte Gesichter sollen offenbar korrektes Auftreten und militärische Disziplin symbolisieren.

Cerutti zeigt sich sehr erfreut, dass die Vorschrift jetzt fallen soll. Genf sei das letzte Polizeikorps der Schweiz mit einem derartigen Verbot. Selbst die Armee sei bezüglich Haarlänge und Bart liberaler. Genfer Polizisten hatten sich zuvor mehrmals mit einem Rasierstreik gegen die Vorschrift gewehrt.

Das Bartverbot für Polizisten sorgte auch anderswo schon für Schlagzeilen. Im Jahr 2012 wurden in Ägypten Polizisten vom aktiven Dienst suspendiert, weil sie einen Bart trugen. Vergeblich hatten sie argumentiert, das Tragen eines Barts – für viele ein Symbol des politischen Islam – sei ihr verfassungsmässiges Recht. Auch in Australien klagten Polizisten 2012 vor Gericht gegen ein Bartverbot des Polizeichefs im Bundesstaat Victoria und sahen ihre Menschenrechte ­verletzt.

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