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Zynischer Hörgenuss

Sechs Slammer traten in Illnau-Effretikon am ersten Poetry-Slam-Contest gegeneinander an. Es gewann der einheimische «Zimbabwe Bird».

Von Simona Werder Illnau-Effretikon – Im Poetry Slam ist alles erlaubt. Zumindest solange die Protagonisten nur ihre eigenen Texte vortragen. Diese Regel, die auch ungeschrieben gültig ist, war am Freitagabend in Effretikon spürbar. Im Jugendhaus fand der erste Poetry-Slam-Contest statt. Die «Slammer» wie sich die Poeten gerne nennen, warteten vor dem Eingang zum Heuboden auf ihren Auftritt. Technische Probleme verzögerten den Wortwettkampf zum Thema «Kapitalismus» um fast eine Stunde. Gekommen waren vor allem junge Männer. Aus Basel, dem Aargau und sogar aus Deutschland. Nur einer der Kandidaten stammte aus Illnau – Tozi Mzima alias Zimbabwe Bird, dessen Namen auch gleich seine Wurzeln verriet. Frei improvisiert Rund 20 Leute, meist mittleren Alters, standen im Heuboden, als die jungen Moderatoren Beni Senn und Julian Brunner den Event, zu dem die SP des Bezirks Pfäffikon eingeladen hatte, eröffneten. Und dann ging es los: Zimbabwe Bird improvisierte frei über den stressigen Alltag, das Gehetze am Bahnhof und die Schikanen der Billettkontrolleure. Weil er das erste Mal auf einer Slam-Bühne stand, wurde er von den anderen Gästen im Anschluss an seinen leidenschaftlichen Vortrag mit einem lauten Schrei in der Szene begrüsst. Weniger improvisiert, dafür stärker von Reimen und Rhythmus geprägt, war der Auftritt des Baslers Nico Herzig. Er wünschte sich von einer Fee, dass er «Geld scheissen» könne. Allerdings würde er am Ende seines Auftritts bloss «Geldsch heissen». Slammer Nino Seiler beschäftigte sich mit dem Wahlkampf. Er nahm die «Schäfli-Kampagne» wörtlich und verglich Schweizer Schafe mit ausländischen und plädierte zynisch für sichere Schweizer Bauernhöfe. Auch vor der SP-Initiative für mehr bezahlbaren Wohnraum machten die Slammer keinen Halt. Der Deutsche Holger Heyer schildert einen unschönen Massenbesichtigungstermin mit einer hohen Verlustrate an potenziellen Mietern. Sieg für den Lokalmatadoren Überhaupt keine Berührungsängste kannte Kandidat Raffael Zwicky. Er sprach über den Kampf auf dem Bahnhofsperron, den die sogenannten Solitärmenschen täglich austragen, mit imitierter Stimme von Adolf Hitler. Und schliesslich zeigte Martin Nötzli, dass jeder Poet einen eigenen Stil hat. Sein Text über Gier und Konsum wirkte politischer und ernster als alle anderen. Die Unterschiede zwischen den Slammern waren aber auch sonst markant: Deutsch, Dialekt, gereimt rhythmisch, erzählerisch, abgelesen, improvisiert waren ihre Darbietungen. Nach der ersten Runde nominierte die Jury die drei Finalisten: Nico Herzig, Raffael Zwicky und Zimbabwe Bird kämpften am Schluss um eine Flasche edlen Whiskeys. Schliesslich setzte sich Lokalmatador Zimbabwe Bird durch und gewann den ersten Poetry-Slam-Contest. Vermutlich auch darum, weil er in seinem Text spontan die lästigen Fragen eines Journalisten parodierte. Erstmals als Slammer auf der Bühne: Tozi Mzima alias Zimbabwe Bird.Foto: J. D. Walder

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