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Zweikampf um die Sprintkrone

Jamaica und die USA duellieren sich an der WM in Berlin um die Vormachtstellung in den prestige- trächtigsten Leichtathletik-Disziplinen. Gestern dominierte das amerikanische Team.

Usain Bolt hatte sich über 200 m selber mit WM-Gold und Weltrekord beschenkt. Gestern durfte er, der an diesem Tag 23-jährig wurde, bei der Siegerehrung auch ein Präsent der Zuschauer im Olympiastadion entgegennehmen: Sie sangen dem Doppelweltmeister ein kleines Ständchen. Sichtlich amüsiert hörte sich Bolt dieses Happy Birthday vom Siegerpodest aus an. Da wollte sich auch der Weltverband als Gastgeber der Titelkämpfe von seiner besten Seite zeigen und drückte seinem grössten Star einen überdimensionierten Check von 100 000 Dollar - die Weltrekordprämie - in die Hände.

Das Arbeiten hatte der Sprinter an seinem Geburtstag lassen dürfen, wie er es sich gewünscht hatte. Denn er wurde für den Vorlauf seines Teams über 4 × 100 m geschont. Heute Abend wird er allerdings wieder auf der Bahn zu sehen sein, wenn er seinen dritten Titel in Berlin holen kann, wobei er jetzt schon wesentlichen Anteil an der starken Medaillenbilanz (siehe Grafik unten) der jamaicanischen Sprinter hat.

Den Kampf um die Sprintkrone zwischen Jamaica und den USA führten die Nationen über 200 m in den Personen von Allyson Felix (USA) und Veronica Campbell fort. Felix hatte Campbell an der letzten WM bezwungen, Campbell sich bei den Olympischen Spielen revanchiert. Nach Rennhälfte lagen die beiden noch gleichauf, ehe sich Felix dank deutlich besserem Stehvermögen in 22,02 zu 22,35 Sekunden durchsetzte und mit ihren 23 Jahren bereits den dritten WM-Titel gewann. Campbell durfte wiederum für sich reklamieren, den speziellsten Erklärungsansatz für das Sprinthoch ihrer Nation zu liefern. Sie habe wie viele andere Jamaicaner früher zur Schule laufen müssen. Und wer aus einem hügeligen Teil wie sie stamme, habe bei den Fussmärschen automatisch viel Kraft entwickelt.

LaShawn Merritt gewann die 400 m

Das Geheimnis von LaShawn Merritts Erfolg besteht sicherlich auch in harter Fussarbeit, allerdings wird er sich seine Kraft primär durch intensives Stehvermögentraining auf der Bahn geholt haben. Schliesslich ist der Amerikaner seit gestern der weltbeste 400-m-Läufer. Wie schon an den Olympischen Spielen musste er dazu den früheren Überflieger und Landsmann Jeremy Wariner schlagen. Der hatte sich mit einem Trainerwechsel im vergangenen Jahr selber verunsichert. Reumütig war er diesen Frühling zum damaligen Coach von Weltrekordhalter Michael Johnson, Clyde Hart, zurückgekehrt. Doch die Zeit reichte selbst für den erfahrenen Hart nicht aus, Wariner noch auf Siegeskurs zu trimmen. In 44,60 blieb dem Texaner erneut nur Rang 2.

Müller nutzte seinen Vorteil nicht

Schweizer waren gestern auch am Start. Aber sie verdeutlichten einmal mehr, warum sie auf der globalen Leichtathletik-Karte nur mit der Lupe auszumachen sind. Dabei hätte Speerwerfer Stefan Müller von den misslichen Bedingungen seiner Konkurrenten gar noch profitieren können. Der 29-jährige Winterthurer hatte bereits am Nachmittag ohne den störenden Regen werfen dürfen, der die Wettkämpfer der zweiten Gruppe teilweise massiv beeinträchtigte. Doch Müller erreichte bei seiner dritten WM-Teilnahme in der Qualifikation nur bescheidene 72,83 Meter, was ihm den 35. Gesamtrang einbrachte.

International ungenügend war auch die Leistung der 4 × 100-m-Staffel der Männer. In 39,47 Sekunden klassierte sich das Quartett mit Pascal Mancini, Marc Schneeberger, Reto Schenkel und Marco Cribari als 12. von 17 Equipen.

Die Amerikanerin Allyson Felix hängte alle drei Jamaicanerinnen über 200 m ab - Veronica Campbell-Brown (rechts) schaffte immerhin noch Rang 2.

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