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Zurück nach Österreich – der Mieten wegen

90 günstige Wohnungen werden in Regensdorf Ende Jahr abgerissen. Einer der Bewohner kehrt nach Österreich zurück. Hier finde er nichts Bezahlbares mehr.

Von Caroline Bossert Regensdorf – Noch einmal streift Hubert Kircher durch sein Quartier, um Abschied zu nehmen. Auf den grossen grünen Flächen zwischen den Blöcken markieren Baugespanne schon die Häuser von morgen. «Alle hier schimpfen, dass die Häuser abgerissen werden», sagt er wütend, «die Wohnungen waren wohl einfach zu billig. Damit liess sich nicht viel Geld verdienen.» In wenigen Tagen geht es für die Kirchers zurück nach Österreich, in die Heimat, die seit 55 Jahren keine mehr ist. Etwas anderes bleibe ihnen nicht übrig. Denn eine neue Wohnung in der Region könne er sich nicht leisten. Hubert Kirchner hatte als Schlosser in zwei Firmen gearbeitet. Beide sind in Konkurs gegangen. Seine Pensionskasse hat sich jeweils in der Konkursmasse aufgelöst. Heute lebt er allein von der AHV. «Für diese 3-Zimmer-Wohnung haben wir nicht einmal 1000 Franken bezahlt. Für etwas Vergleichbares muss man jetzt mit 1700 Franken und mehr rechnen», klagt er. Nun wird er mit seiner Frau erst einmal bei seiner Schwester einziehen und von dort aus nach einer neuen Bleibe suchen.Der Abschied fällt dem 75-Jährigen sichtlich schwer. 49 Jahre hat er an der Schulstrasse gewohnt, 42 davon als Hauswart der Siedlung. «Mir gefielen die grossen Grünflächen und die schöne Aussicht vom vierten Stock aus. Zudem waren wir in wenigen Minuten im Dorfzentrum.» Zwei Kinder hat er mit seiner Frau in diesen vier Wänden grossgezogen. In mehreren Vereinen sei er Mitglied gewesen und habe in Regensdorf viele Freunde gefunden, auch in der Nachbarschaft. Anders sieht es eine Bewohnerin, die seit fast 40 Jahren in der Siedlung wohnt. Sie habe gerne dort gelebt, doch nun freue sie sich auf einen Neuanfang. «Klar war es am Anfang schwer. Aber nun hatte ich ein halbes Jahr Zeit, mich an den Gedanken zu gewöhnen», sagt sie. In den letzten Monaten habe für sie ohnehin vieles nicht mehr gestimmt. Von den ehemaligen Nachbarn sei fast niemand mehr im Haus. Stattdessen seien Zwischenmieter gekommen, die es mit der Sauberkeit nicht so genau nehmen würden. «Das kann man nicht sanieren» Die Immobilienfirma Mobimo, Besitzerin der Häuser an der Schulstrasse, hat für den Frust der alteingesessenen Bewohner Verständnis. «Viele sind dem Bauprojekt gegenüber aber positiv eingestellt und haben sich an der Informationsveranstaltung für die neuen Wohnungen interessiert», sagt Peter Grossenbacher, Geschäftsleitungsmitglied der Mobimo. Insgesamt seien die Kündigungen problemlos verlaufen: «Wir hatten nur einen Fall, der vor der Schlichtungsbehörde landete.» Auch helfe die Mobimo gerne bei der Suche nach einer neuen Wohnung. Grossenbacher wehrt sich entschieden gegen den Vorwurf, dass die Mobimo mit dem Neubau die Preise in die Höhe treiben wolle. «Die alte Bausubstanz war wirtschaftlich und technisch in einem vollkommen desolaten Zustand. Das kann man nicht mehr sanieren», sagt er. Die neue Siedlung mit 141 Wohnungen entspreche den politischen Forderungen nach verdichtetem Bauen. «Wir planen keine Luxuswohnungen. An der Schulstrasse werden schöne, familienfreundliche Mietwohnungen entstehen», sagt Grossenbacher. Die Tage dieser Häuser sind gezählt. Im Herbst müssen alle Bewohner raus. Foto: cab

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