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Zurück in die Eisenzeit

Zu FussDiese Woche in der Nähe von Zürich Es ist eiskalt, als ich bei Waldburg aus der Forchbahn steige. Romantischer kann ein Ort nicht heissen, seine Wirklichkeit wird dem Namen aber nicht gerecht. Auto um Auto schiesst vorbei, statt lauschiger Waldhäuschen steht da ein Flachblock mit Wohnungen, und das Perron verlasse ich durch eine Betonunterführung. Immerhin finde ich in ihr den Wegweiser nach «Waltikon, Forch». Ein paar Meter auf dem Trottoir abwärts und links in den Wald. Plötzlich ist alles anders. Der Stumpbach macht exaltierte Schlängelkurven. Die Tannen sind schwer mit Schnee beladen. Und von der Strasse ist bald nichts mehr zu hören. Nach zwanzig Minuten ein Abzweiger: «Zollikon, Keltengräber». Ich biege also nach rechts ein, obwohl ich nach Waltikon und hinauf zur Forch will. Gleich geht es aufwärts und wieder abwärts, aber wo sind denn nun die Keltengräber? Ein Mann mit Hund hilft. Ich bin an ihnen vorbeigegangen. Die Keltengräber liegen wenige Meter neben dem Weg auf einem kleinen Hügel, den ich achtlos passiert habe. Die Holzfeuerbestattung Auf dem Hügel namens Fünfbühl klärt eine Tafel auf: Die Gräber stammen aus der älteren Eisenzeit, 800 bis 500 vor Christus. Viel mehr steht da nicht, und es bleibt rätselhaft: ein grosser Stein, vielleicht ein Findling, um den kleine Steine einen Ring bilden. Der Schnee macht das Entziffern des Ensembles nicht leichter. Ich greife zum iPhone, lade Wikipedia, lese nach. Im 19.?Jahrhundert gruben hier zuerst Laien und richteten ein Chaos an. Dann kam der berühmte Archäologe Ferdinand Keller. Unter seiner Leitung wurde unter anderem ein «Brandgrab» mit Essgeschirr als Beigabe freigelegt. Der Ritus verlief so: Man kremierte den Toten in einer Holzfeuergrube, die man dann mit einem Steinring markierte. Ich gehe zurück zum Wegweiser, und via Spitzhütte komme ich nach Hohfurren, sehe bald links unten die Forchstrasse und die Trasse der Bahn, sehe wenig später den Kirchturm von Zumikon geradeaus und gerate in die Asphaltzone von Waltikon. Halbzeit. Auf der anderen Seite der Forch-Verkehrsader geht es weiter. Es ist Sonntagvormittag, ich treffe nur drei, vier Pudelgassigeher, der Rest der Anwohner döst wohl noch. Der Weg führt leicht aufwärts und durch ein Viertel gediegener, aber meist nicht geschmackvoller Villen. Und endlich wieder freies Feld; auf der anderen Seeseite liegt dunkel der Albisriegel. Zehn Minuten vor Wanderschluss bei der Station Forch erreiche ich das Forchdenkmal. Das Wehrmännerdenkmal, wie es offiziell heisst, erinnert an die Tausenden von Schweizer Soldaten, die im Ersten Weltkrieg umkamen. Nicht im Kampf, den es ja nicht gab, sondern durch Krankheit, vor allem durch die Spanische Grippe. Die Stufenpyramide von vier Metern Höhe, die das Fundament bildet, hat in ihrer Steilheit etwas von einem Aztekentempel. Oben züngelt ein schmales, gekurvtes, an die 20 Meter hohes Bronze-Etwas gegen den Himmel. Es sieht aus wie eine krankhaft magersüchtige Vase, soll aber eine Flamme darstellen. Also spricht Wikipedia. Vielen Dank für die zweimalige Hilfe, liebe Internetenzyklopädie! Du machst das Leben des neugierigen Wanderers einfacher. Thomas Widmer Gehzeit zwei Stunden. 100 Meter aufwärts. Verlängerung zum Pfannenstiel und hinab zum Zürichsee oder Richtung Maur/Greifensee. Einkehr am Wanderende: Krone, Forch, Mo/Di geschlossen. TA-Reporter Thomas Widmer stellt jede Woche eine Wanderung vor. Blog: widmerwandertweiter.blogspot.com Freie Sicht oberhalb von Zumikon. Foto: Thomas Widmer

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