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Zimmer für straffällige Jugendliche

Auf dem Triemenhof sollen straffällige Jugendliche eine Chance für einen Neuanfang erhalten. Am Samstag informierte der Geschäftsführer über die Umbaupläne.

Von Nicole Zurbuchen Girenbad – Den Besuchern, die am Samstag den Triemenhof besichtigen, sticht sogleich der an der Wand aufgehängte Gestaltungsplan ins Auge. Am Tag der offenen Tür spricht Jürgen Hinderer, Geschäftsführer des Vereins Zürcher Eingliederung, über den geplanten Umbau: Insgesamt sollen acht Einzelzimmer für straffällige männliche Jugendliche entstehen – drei davon im Dachgeschoss des alten Bauernhauses, fünf weitere im Haus mit Schopfanbau. In Letzterem sollen zudem eine Betreuerwohnung, eine Küche und ein Aufenthaltsraum entste-hen. Im Stall ist ein Produktionsraum vorgesehen, in dem die Milch der 13 Jersey-Kühe nach Demeter-Richtlinien verarbeitet wird. Sich neu orientieren Bevor jedoch die Bauarbeiter ihre Arbeit aufnehmen können, muss eine projektbezogene Zonenänderung vorgenommen werden – der Landwirtschaftsbetrieb Triemenhof liegt nämlich in der Bachtel-Schutzzone. Laut Jürgen Hinderer ist dies nur noch eine «formelle Sa-che». Er rechnet mit einem Baubeginn im nächsten Frühling. Im Spätherbst sollen dann bis zu acht straffällig gewordene Jugendliche zwischen 15 und 22 Jahren auf dem Hof wohnen. «Dies können junge Menschen sein, die kleinere Delikte begangen haben und denen wir helfen möchten, die Orientierung wiederzufinden», erläutert der Heilpädagoge. Und ergänzt: «Oder Jugendliche, die einen Gefängnisaufenthalt hinter sich haben und sich wieder an eine Tagesstruktur gewöhnen sollen.» Ein Aufenthalt auf dem Triemenhof kann mehrere Monate bis Jahre dauern; die Zuweisung erfolgt durch Vormundschaftsbehörden, Jugendanwaltschaften, Jugendgerichte oder –sekretariate. Gemeinsam mit den Jugendlichen wird eine geeignete Ausbildungs- und Arbeitsstelle gesucht. Laut Jürgen Hinderer können drei Betreute im Land-wirtschaftsbereich arbeiten, einer in der Milchverarbeitung und einer in der Hauswirtschaft, während drei weitere eine externe Ausbildung absolvieren. Er ist überzeugt, dass die Arbeit einen hohen therapeutischen Wert hat, indem sie den jungen Menschen eine Struktur gibt sowie eine Möglichkeit, etwas Sinnvolles zu tun und eigene Grenzen auszuloten. Kein TV, kein Computer Bis zum Projektstart nimmt der Triemenhof Schüler auf, die Abstand vom gewohnten Umfeld benötigen. Das Time-out-Projekt wird in Zusammenarbeit mit der Oberstufe Wetzikon und der Caritas durchgeführt. Bis anhin halfen bereits sechs 13- bis 15-Jährige zwei Wochen lang auf dem Hof mit. Für viele sei das naturnahe Leben anfangs gewöhnungsbedürftig, sagt Hinderer. Die Jugendlichen müssten auf Fernseher und Computer verzichten und dürften das Handy nur nach Feierabend benutzen. Viele hätten keine Ahnung von der Landwirtschaft, würden aber einen Sinn in der Arbeit sehen. «Die Kühe müssen morgens gemolken werden – auch wenn man müde ist und keine Lust dazu hat.» Auf dem Hof lernten die Jugendlichen, Verantwortung für andere Lebewesen zu übernehmen und eine Beziehung zu ihnen aufbauen. Mitarbeiter Markus Weber, ist mit Herz und Seele Landwirt und hält nebst Kühen auch Ziegen, Hühner, Esel und Pferde. Ausserdem betreibt der Triemenhof eine Beerenkultur und eine Pilzzucht. Für die Jugendlichen sei der zweiwöchige Aufenthalt in einer völlig anderen Umgebung oft eine Hilfe. Der Verein Zürcher Eingliederung erwarb den Triemenhof vor zwei Jahren. Seine Mitglieder verfügen seit bald 40 Jahren über Erfahrungen mit behinderten Menschen. Unter anderem betreibt der Verein ein Wohnheim in Zürich, einen weiteren Bauernhof in Aathal-Seegräben sowie eine Holzofenbäckerei und ein Reformhaus in Zürich. Jürgen Hinderer (links) und Markus Weber wollen in einem Jahr straffällige Jugendliche auf dem Triemenhof empfangen. Foto: Christoph Kaminski

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