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Wühlmäuse machen Bauern und Piloten zu schaffen

Die Nager haben sich explosionsartig vermehrt. Das lockt Raubvögel an und gefährdet den Luftverkehr.

Von Rolf Haecky Kathrin Hirsbrunner, die einzige professionelle Mauserin der Schweiz, hat derzeit am Flughafen Zürich viel zu tun. Denn die Piloten fürchten Mäuse, weil diese Graureiher und Mäusebussarde anlocken. Und stösst einer dieser grossen Vögel mit einer startenden oder landenden Maschine zusammen, kannn ein Triebwerk schaden nehmen. Das kommt teuer und gefährdet die Sicherheit der Passagiere. Doch nicht nur der Flughafen ist derzeit von einer Mäuseplage betroffen – Hirsbrunner stand noch nie so oft rund um Zürich und im Unterland im Einsatz, um Felder und Wiesen von Wühlmäusen zu befreien. Über die Gründe der Plage kann sie nur spekulieren. Hirsbrunner bezweifelt aber, dass die lange Trockenheit der vergangenen Wochen an der aktuellen Mäuseplage schuld ist. «Mäuse scheren sich kaum darum, ob der Boden nass oder trocken ist.» Futter für die Schleiereulen Sicher habe der vergangene Winter die Wühlmäuse begünstigt, sagt Robert Brunner von der Mosterei Wehntal. Er kann dem Treiben aber auch etwas abgewinnen: «Für die Schleiereulen ist das gut». Denn die hätten unter den strengen Wintern eher gelitten. Da sich die Schneedecke über Tage und Wochen hielt, seien viele Eulen verhungert oder schlicht an Schwäche verendet. Zudem fehlten den Eulen jene alten Scheunen, die ihnen als Brutplatz dienen und die heute of neuen Bauten weichen müssen. Die Wühlmäuse vermehren sich blitzschnell, weil das Weibchen fünfmal pro Jahr mehrere Junge werfen kann. Daher müsse, wer Obst anbaue, die Wühlmäuse bekämpfen, sagt Robert Brunner. Die Tiere fressen die Wurzeln der Kernobstbäume ab und können die Pflanzen so empfindlich schädigen. Gleicher Ansicht ist Gabriel Popow, Agronom und Spezialist für Pflanzenschutzfragen: Habe ein Bauer Hochstamm-Obstbäume gepflanzt und seien diese weniger als zehn bis fünfzehn Jahre alt, müsse er das ganze Jahr über wachsam sein. «Etweder Mäuse oder Bäume; eine Koexistenz von Wühlmäusen und Obstplantagen ist unmöglich», sagt er.Im Kampf gegen die Wühlmäuse greifen die Bauern zu ganz verschiedenen Methoden. «Ich kenne solche, die stecken einen Schlauch auf den Auspuff eines Mofas oder an eine Motorsäge und führen das andere Ende in das Gangsystem der Mäuse», sagt Popow. Die giftigen Abgase strömen ins Erdreich und töten die Nager in wenigen Minuten. Plage regional begrenzt Professioneller lässt sich das Vergasen der Wühlmäuse mit einem eigens dafür konstruierten Gerät bewerkstelligen, das Benzin verbrennt und so Kohlendioxid produziert. «Eine effektive Methode, um die Mäuseplage in Grenzen zu halten», versichert Gabriel Popow, der sagt, das Ganze sei ein «sanftes» Verfahren. Die Mäuse sterben schnell und schmerzlos. Es kommen auch Giftköder oder eine Art «Mottenkugeln» zum Einsatz, die der Bauer in das Gangsystem der Wühlmäuse legt und die ein für die Nager tödliches Gas freisetzen. Eine weitere Technik besteht darin, die mit Propangas gefüllten Gänge zu sprengen. Für einen Bio-Bauern wie Hans Brunner in Steinmaur kommt hingegen nur das Aufstellen von Fallen infrage. Die sogenannten Topcat genannten Fallen. «Die schnappen wie eine Art Guillotine zu. Diese arbeiten ebenfalls sehr effizient und töten die Wühlmäuse meistens sofort», erläutert dazu Kathrin Hirsbrunner, die sich eben auf diese Methode spezialisiert hat. Allerdings will die Arbeit mit Fallen gelernt sein: Zu wissen, wo, wie und wann diese einzusetzen sind, ist komplex. Daher setzen viele Bauern im Unterland auf Kathrin Hirsbrunner. Doch sie sollten die Mauserin viel früher im Jahr aufbieten, empfiehlt Gabriel Popow. «Jede Maus, die der Bauer im März und April erwischt, bedeutet fünf bis zehn Mäuse weniger im Herbst.» Weil sie ganze Obstplantagen zerstören können, rücken Landwirte den Wühlmäusen zuleibe. Foto: Sophie Stieger

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