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Worb kann sich keinen Stillstand leisten

Christian Liechti

Egal, ob die Stimmbürger am 27.September die Sanierung des regionalen Sport- und Freizeitzentrums in der Worber Hofmatt ablehnen oder nicht: Die Sportanlagen kommen sie so oder so teuer zu stehen. Fakt ist: Die Anlage ist seit 30 Jahren in Betrieb. Hinzu kommt, dass die Betreiberin praktisch pleite ist. Forderungen von mehreren Millionen Franken stehen im Raum. Die Geschichte wiederholt sich: Vor 9 Jahren drohte der Kunsteisbahn schon einmal der Konkurs. Die Gemeinde Worb hat nun mit der Abstimmung vom 27.September die Gelegenheit, die Situation in der Hofmatt zu bereinigen. Für das regionale Sport- und Freizeitzentrum sollen die Stimmberechtigten 10,8 Millionen Franken genehmigen. Dieser Betrag teilt sich in zwei Tranchen auf: Erstens will sich die Gemeinde mit 5,8 Millionen Franken an einer noch zu gründenden Aktiengesellschaft beteiligen. Zweitens soll dieser Betriebs-AG ein Darlehen von 5 Millionen Franken gewährt werden. Es kann erwartet werden, dass der kantonale Sportfonds 1 Million Franken bezahlen wird, weitere Beiträge fliessen und die Kosten für die Gemeinde sinken. Unter dem Strich resultiert ein Nettoaufwand von 5,8 Millionen Franken. Diese Investitionen sind dringend nötig. Über den Vorschlag, 10,8 Millionen Franken in die Sportanlagen zu stecken, haben Gemeinderat und Parlament in den letzten Jahren intensiv diskutiert. Ihre Entscheide fussen auf umfassenden Situationsanalysen und auf Expertisen. Mit 30 zu 4 Stimmen hiess das Parlament die Abstimmungsbotschaft vom 27.September gut. 3 der 4 Stimmen stammen aus dem Lager der Grünen. Sie bemängeln, dass ein Gesamtenergiekonzept fehlt und dass der Minergiestandard nicht eingehalten wird. Ihr Engagement fürs Energiesparen ist berechtigt, und ihre Anliegen müssen – wenn sinnvoll und finanzierbar – später in die Detailplanung einfliessen. Denn im Bereich des Umweltschutzes nimmt die öffentliche Hand eine wichtige Vorbildrolle ein. Trotzdem ist es nicht sinnvoll, deshalb gleich das gesamte Projekt abzulehnen und somit die Zukunft der Sportanlagen zu gefährden. Zahlreiche Argumente sprechen für die geplante Sanierung: Schwimmbad und Eisbahn sollen einen gemeinsamen Eingang, ein neues gemeinsames Restaurant und ein gemeinsames Team erhalten. Dadurch werden Doppelspurigkeiten ausgemerzt, Synergien genutzt und in der Folge Betriebskosten eingespart. Auch die Besucher der Sportanlagen profitieren, denn das Zentrum soll für sie attraktiver werden. Bei Bedarf sind ein Fitnesszentrum, eine Sauna, Praxen und Therapieräume geplant. Heissen die Stimmberechtigten das Geschäft gut, muss die Gemeinde zwar viel bezahlen, stärkt aber im Gegenzug auch ihre Position. Der jährlich wiederkehrende Betriebsbeitrag wird auf maximal 400000 Franken beschränkt. Weil die Gemeinde mindestens zwei Drittel der Aktien besitzt, zementiert sie ihren Einfluss und hat in der Zukunft das Sagen. Die Gegner des Projekts beklagen weiter, dass die Pläne noch wenig ausgereift seien. Um heute jedoch detailliert zu sagen, wie das Wellnessangebot dereinst aussehen wird, ist es noch zu früh. Gemeinderat und Parlament wollen das Projekt in vier Etappen realisieren. Zuerst wird die Betriebs-AG gegründet, dann ein Geschäftsmodell erarbeitet, auf dem wiederum in der dritten Etappe das bauliche Konzept fusst. In der vierten Etappe werden schliesslich die Pläne in die Realität umgesetzt. Das Vorgehen ist logisch, und es bleibt noch genügend Zeit für eine Feinjustierung. Sagen die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger in gut einer Woche Nein zu den 10,8 Millionen Franken, ist die Entwicklung im hinteren Teil der Hofmatt für Jahre blockiert. Dann bleiben die Sportanlagen ein finanzielles Sorgenkind und ein bauliches Flickwerk. 10,8 Millionen Franken kann sich Worb leisten, einen Stillstand jedoch nicht. christian.liechti@bernerzeitung.ch>

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