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«Wir müssen die Schulen auf einen Nenner bringen»

Die Sekundarschule bleibt ein Sammelsurium verschiedener Modelle. Der Geschäftsführer des Kantonalen Gewerbeverbands kritisiert den mutlosen Bildungsrat und Regierungsrätin Regine Aeppli (SP).

Mit Martin Arnold sprach René Donzé Nach zwei Jahren Diskussion um die Oberstufe bleibt alles beim Alten. Sind die Arbeitgeber glücklich? Es bleibt zum Glück nicht ganz alles beim Alten. Für uns ist es wichtig, dass die Zeugnisse in Zukunft die Kompetenzen der Schüler besser abbilden und vergleichbarer werden. Das war schon immer eine unserer Forderungen. So gesehen, ist es einen Schritt vorwärtsgegangen. Reicht dieser Schritt? Nein, definitiv nicht. Die Modellvielfalt an der Zürcher Sekundarschule ist unheimlich kompliziert. Das führt zu einem unnötigen Ressourcen-Verschleiss. Die Organisation der Oberstufe muss bereinigt werden. Es darf doch nicht sein, dass sich Hunderte lokale Schulbehörden den Kopf zerbrechen müssen über Schulmodelle. Das ist unzweckmässig und ineffizient. Die Bildungshoheit hat der Kanton, und er sollte diese auch wahrnehmen. Sonst muss man sich überlegen, ob die Kompetenzen am richtigen Ort angesiedelt sind. Wir müssen die Schulen in der ganzen Schweiz auf einen Nenner bringen, damit die Arbeitnehmer flexibler werden. Wenn wir das nicht einmal im Kanton hinkriegen, haben wir versagt. Wer hat versagt? Es wäre mehr Führung angezeigt gewesen. Das kollektive Mitreden der Lehrer in diesen Themen ist zwar sicher gut, aber dass sie am Schluss ein derartiges Gewicht haben und einer einheitlichen Lösung im Wege stehen, das ist unzweckmässig. Auch die Lehrerschaft müsste sich mit den Realitäten der Wirtschaft auseinandersetzen. Ist das auch eine Kritik des SVP-Kantonsrats Arnold an SP-Bildungsdirektorin Aeppli? Es geht nicht um die Person, die an der Spitze sitzt. Es geht um die Situation. Auf nationaler Ebene wird mit Harmos und Lehrplan 21 eine Vereinheitlichung angestrebt, aber wir kriegen das nicht einmal innerhalb des Kantons hin. Da läuft doch etwas falsch. Wer hätte durchgreifen müssen? Regine Aeppli oder der Bildungsrat. Ich verstehe, dass das Thema delikat und der Zeitpunkt kurz vor den Wahlen heikel ist. Welches Modell wäre Ihnen am liebsten gewesen? Das ist uns eigentlich egal. Wichtig ist, dass die Schüler die Fähigkeiten mitbringen, die der Arbeitsmarkt erfordert, und dass die Beurteilung ihrer Kompetenzen vergleichbar ist. Wie stehen Sie zur Abschaffung der Sek C? Das ist kein Kernthema für uns. Selbst Experten streiten darüber: Ist es besser, leistungsschwächere Schüler in einer Sek B zu unterrichten, weil sie dort von den stärkeren Schülern mitgenommen werden? Oder kommt es dann in der Sek B zu einer Nivellierung nach unten? Es heisst, C-Schüler würden auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt. Klar, findet eine Selektion statt. Ein Sek-C-Schüler hat mehr Schwierigkeiten, eine Stelle zu erhalten, die höhere Anforderungen stellt. Das liegt in der Natur der Sache und ist auch richtig. Eine Selektion findet ohnehin früher oder später statt, daraus besteht unser Leben zu einem grossen Teil. Es kann nicht jeder alles werden. Aber ein guter C-Schüler hat heute schon genauso gute Chancen wie ein schlechter B-Schüler. Es kommt darauf an, was er mitbringt und welchen Beruf er anstrebt. Aber ohne den C-Stempel hätte er mehr Chancen auf eine gute Stelle. Nein. Es kommt vor allem auf seine Kompetenzen an. Die Arbeitgeber messen die Bewerber heute mit standardisierten Tests – Basic Check und Multicheck –, die fast alle Schulabgänger ihren Bewerbungsdossiers beilegen müssen. Das ist auch ein Zeichen der ausserordentlichen Schwäche unseres Schulsystems. Wenn es der Bildungsdirektion gelingt, vergleichbare Zeugnisse zu kreieren, hören dann die Arbeitgeber mit diesen Tests auf? Das wäre die logische Folge, aber nicht von heute auf morgen. Es ist nicht in unserem Sinn, den Schülern zusätzliche unnötige Tests aufs Auge zu drücken. Zuerst muss die Bildungsdirektion aber den Beweis antreten, dass diese Vergleichbarkeit erreicht wird. Martin Arnold Der SVP-Politiker ist Geschäftsleiterdes KantonalenGewerbeverbandes, Gemeindepräsident von Oberrieden und Kantonsrat. Interview mit dem Präsidenten des Schweizer LehrerverbandsiPhone: Tagi-App auf TA+Mobile: SMS mit Text Plus an 4488

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