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Wie ein Storch durchs Wasser stelzen

Trotz Wellnessboom ist Kneippen nicht im Trend. Dabei hätte es durchaus Coolness-Potenzial, wie ein Besuch der vier im Kanton Zürich vorhandenen Kneippanlagen zeigt.

Von Helene Arnet (Text) und Sabina Bobst (Bilder) Zürich – So muss sich ein Storch auf Froschjagd fühlen, wenn er kalte Füsse hat. Er zieht einen Fuss aus dem Wasser, lässt ihn aufwärmen, stakst dann weiter. Mit andern Worten: Er kneippt. Der Storchenschritt ist das Grundprinzip des kneippschen Wassertretens. Sieht zwar nicht elegant aus, ist aber ungemein erfrischend. Und gesund. Beim Eintauchen der Arme in den Brunnen im Winterthurer Lindberg verschlägt es einem kurz den Atem. Eiskalt fühlt es sich an. Der Bach plätschert, Bienen summen, und Libellen schwirren vorbei, als ob sie die Idylle perfekt machen wollten. Dann beginnt die Kälte leicht zu schmerzen. Arme raus, Wasser abstreifen, nicht abtrocknen. Dreissig Sekunden hat es gedauert, doch das gute Gefühl wirkt nach. Kneippen könnte zeitgeistig sein: schneller Kick mit langer Wirkung. Eine Frau, die gerade in der Meilemer Kneippanlage herumstelzt, erzählt von monatelangen Massagen und anderen Therapien, welche ihren Fuss heilen sollten, der nach einer Operation taub blieb. Nichts nützte, alles kostete. Dann begann sie zu kneippen. «Drei Wochen später war das Gefühl zurück.» Solche Geschichten machen Iris und Kurt Diesmeier, welche den Kneippverein Meilen und Umgebung präsidieren, richtig glücklich. Sie haben die Anlage im Strandbad Dorf in Meilen initiiert. Sebastian Kneipps Naturheilmethode geht ihnen unter die Haut: «Seit wir regelmässig kneippen, sind wir nie mehr erkältet», sagen die Eheleute Diesmeier. Kneipper suchen Nachwuchs Rolf Hess ist Präsident des Kneippvereins Zürich und betreibt die Sauna am See in Wollishofen. Trotz Wellness-Boom sei Kneippen nicht in Schwang, sagt er. Vor vierzig Jahren hatte der Stadtzürcher Kneippverein mehr als tausend Mitglieder. Heute sind es noch rund 220. «Kneippen braucht oft auch etwas Überwindung, ist nicht reine Wellness, sondern Training», sagt Hess. Rolf Hess und Willy Zollinger, einstiger Präsident des Winterthurer Kneipp-Vereins, stellen unisono fest: «Der Kneippbewegung fehlt der Nachwuchs.» Zollinger besuchte früher gar Kindergärten, um die Knirpse fürs Kneippen zu begeistern. «Völlig erfolglos.» Auch Elsbeth Tanner hat erfahren, dass Kneipper nicht cool sind. Als sie vor 15 Jahren mit der Elgger Sektion der Volksgesundheit im Fahrenbach eine Wassertretanlage realisierte, schüttelten viele irritiert den Kopf. Tanner liess das kalt. Für sie ist die kneippsche Lehre ein Bereich der alternativmedizinischen Methoden, für die sie sich sehr einsetzt. Zurzeit baut sie eine Gruppe für heilendes Singen auf. Doch die Kneipper geben nicht einfach klein bei. Im Mai letzten Jahres nahm der Zürcher Verein in der Science City der ETH Hönggerberg eine Kneippanlage in Betrieb, und beim Altersheim Kluspark ist eine weitere im Bau. Gescheitert dagegen ist Zollingers Versuch, mitten in Winterthur den Brunnen beim Graben zum Wassertreten einzurichten. Die Stadt befürchtete Nutzungskonflikte. Wo die Jugendlichen ihre Pizza essen, haben es barfüssige Kneipper schwer. Der Schweizerische Dachverband verzeichnet im Kanton Zürich nur vier öffentliche Kneippanlagen. Immerhin zählt das aktuelle «Kneipp-Magazin» die Anlagen in Meilen und auf dem Hönggerberg zu den schönsten der Schweiz. ETH Hönggerberg Im Storchenschritt durch den Hochschulcampus zu stelzen, ist speziell. Die Anlage (Wassertreten und Armbad) ist modern und gut gewartet, wird aber im Winter geschlossen. Das Quellwasser ist im Hochsommer angenehm lau. Die Anlage hinter dem Physikgebäude soll bald besser ausgeschildert werden. Strandbad Meilen Dorf Kneippanlagen in Seen sind selten. Die Aussicht über den Zürichsee ist umwerfend, das Wasser im Sommer fast etwas zu warm, um den Kreislauf auf Trab zu bringen. Die Anlage ist ganzjährig zugänglich, in der Badesaison muss aber der Strandbad-Eintritt bezahlt werden. Wenn die Badi zu ist, ist das Gittertor neben dem Gebäude offen. Der Boden massiert mit seinen runden Steinen gleichzeitig sanft die Fusssohlen. Armbad beim Vita-Parcours. Fahrenbach bei Elgg Mitten im Naturschutzgebiet lässt sich im Fahrenbach bei Elgg trefflich kneippen. Das Wasser erreicht im Sommer rund 18 Grad und erlaubt daher problemlos mehrere Runden. Der Grund ist etwas moorig. Fangopackung also inklusive. Lindberg-Wald Winterthur Vom Römerholz am Waldrand des Lindbergs führt ein Weg direkt zum Kneippbrunnen oberhalb der Walkeweiher. Er dient als Armbad und Wassertretanlage und ist in einem Baumstamm angelegt. Das Quellwasser erreicht auch im Sommer nur etwa 8 Grad und ist damit sehr effektvoll. Im Bach ist ein Hundebad eingerichtet – Kneippen tut bei Hundehitze auch Tieren gut. Schöne Umgebung. Ein weiteres Armbad steht am Panoramaweg am Goldenberg. Kurt Diesmeier vom Kneippverein Meilen stelzt durchs Seewasser. Mit 24 Grad ist es für rechte Kneipper fast etwas zu warm. Elsbeth Tanner im Fahrenbach (Elgg). ETH Hönggerberg: Campus-Kneippen. Kühlendes Armbad in Winterthur.

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