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Wenn Maschinen Lebensgeschichte schreiben

Die Faszination Stefan Becks aus Pfäffikon sind Schreibmaschinen. Er verfiel ihnen vor 35 Jahren.

Pfäffikon. - Als der Pfäffiker Stefan Beck vor 35 Jahren die Treppe ins Lager eines befreundeten Alteisenhändlers hochstieg, wusste der heute 71-Jährige noch nicht, dass diese Schritte sein Leben für immer verändern würden. In einem Gestell erblickte der damalige Maschinenmechaniker zum ersten Mal eine historische Schreibmaschine. «Ich war sofort fasziniert», erzählt Beck mit Begeisterung. Und weil der Händler ihm noch Geld schuldete, durfte er die Remington Nr. 5 gleich mit nach Hause nehmen.

Genau eine Woche darauf kam er wieder und kaufte dem Kollegen, der noch sieben Modelle im Lager stehen hatte, für 100 Franken eine weitere Maschine ab. Sechs Wochen später hatte er alle gekauft und besass bereits acht Schreibmaschinen. Der Sammeltrieb, der lange in ihm geschlummert hatte, war endgültig geweckt. «Ich habe es wohl von meinen Eltern, denn mein Bruder ist genau gleich», erklärt Beck mit einem Schmunzeln.

Nichts wegwerfen

Aufgewachsen ist er im Fürstentum Liechtenstein, in einer Familie, die aufs Geld schauen musste und deshalb kaum etwas, das noch zu gebrauchen war, wegwarf. Mit 21 zog es ihn aus dem beschaulichen Ländle ins damals ebenfalls noch beschauliche Schwamendingen. Er hatte in Zürich Arbeit als Landmaschinenmechaniker gefunden, betrieb mit seiner damaligen Frau eine kleine Tankstelle und heuerte gar als Taxifahrer an, um die junge Familie durchzubringen.

Das Glück war aber nur von kurzer Dauer. Beck verlor seine Anstellung, und die junge Ehe zerbrach. Die Wanduhr hinter ihm tickt, und die Augen fokussieren das Taschentuch, das er hervorzupft, bevor er die Geschichte seines Lebens weitererzählt. «In diesen Zeiten half mir die Arbeit», fährt er ruhig fort.

Beck machte sich selbstständig und begann erfolgreich Maschinenkomponenten herzustellen. Das Geschäft florierte nicht zuletzt dank seinem Fingerspitzengefühl für zwischenmenschliche Beziehungen. Bis er 1978 feststellen musste, dass sein Buchhalter ihn betrogen hatte. Sein Unternehmen mit den 17 Angestellten war verloren. Den Namen «Beck AG» konnte er aber behalten und zog mit der Luzernerin Mägi - seiner zweiten Frau, mit welcher er eine Tochter und einen Sohn hat - nach Pfäffikon, wo sie im Industriegebiet eine Werkstatt übernehmen und nochmals von vorne beginnen konnten.

Eine Sammlung im Gepäck

Im Gepäck hatten die beiden neben den treuen Kunden, welche das Geschäft gleich wieder ankurbelten, eine bescheidene Schreibmaschinensammlung, die sich hier zu einem Museum entwickeln sollte, das man getrost als Kleinod bezeichnen darf. Beck hat sich zusammen mit seiner Frau über die Jahre ein internationales Netzwerk aufgebaut, das viel mehr ein Freundeskreis ist. Dass er zwar ein leidenschaftlicher Sammler, aber bestimmt kein ehrgeiziger Jäger ist, kommt in jedem Kulturkreis an. Nach seinem Umzug trat Beck dem Piketttrupp der Bezirksfeuerwehr bei und verköstigte seine Kollegen jeweils nach den Übungen in seiner Scheune im Dorfzentrum. Diese bauten ihm in seiner Werkstatt in Fronarbeit einen Zwischenboden ein, damit er seine Sammlung im Sommer 1991, als ein Feuerteufel die Oberländer Scheunen bedrohte, an einen sicheren Ort zügeln konnte. Die Räumlichkeiten gehören ihm heute noch, die Firma seit zwei Jahren nicht mehr. Denn nachdem ein Medikament gegen Herzprobleme 2003 plötzlich seinen Sehnerv angriff, drohte er zu erblinden. Und drei Jahre darauf erkrankte er am Guillain-Barré-Syndrom, das seinen Körper vom Bauchnabel abwärts lähmte. «Dies zeigte mir, dass ich nicht mehr arbeiten sollte», führt Beck aus. Nach verschiedenen Therapien kann er seine Sammlung heute wieder geniessen und immer mehr Besucher aus aller Welt wortgewandt durch seine in Fachkreisen bekannte Ausstellung führen. Noch wichtiger sind ihm aber die Pflege der Beziehungen zu Frau, Kindern, Enkelkindern und Freunden. Dies brauchte ihn sein bewegtes Leben gar nicht erst zu lehren. www.curta.ch

BILD NATHALIE GUINAND Der Pfäffiker Stefan Beck ist leidenschaftlicher Sammler - die Objekte seiner Begierde sind Schreibmaschinen.

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