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Wenn der Bart zum Alltag gehört

Klotens Goalie Ronnie Rüeger ist der erfahrenste Playoff-Spieler der Liga – seine Ruhe hilft den Jungen im Team und zermürbt die Gegner.

Von Silvan Schweizer Nicht jeder bekommt in seinem Leben ein Geburtstagsständchen aus fast 7000 Kehlen zu hören. Und falls doch, würde der Besungene wohl ziemlich gerührt reagieren. Nicht so Ronnie Rüeger. Nach dem Klotener 2:1 zum Auftakt der Viertelfinal-Serie gegen die ZSC Lions beglückwünschten ihn die Flyers-Fans voller Inbrunst – der 38-jährig gewordene Goalie bedankte sich zwar artig, mehr als ein Nicken und einen kurzen Wink in die Menge liess er sich aber nicht entlocken. Das passte zum Auftritt von Rüeger: unaufgeregt, kontrolliert, unspektakulär. «So einen Torhüter braucht man im Playoff», lobte Coach Anders Eldebrink. Die Coolness kommt nicht von ungefähr: Rüeger bestritt am Samstag bereits seine 175. Playoff-Partie und hat damit mit Régis Fuchs gleichgezogen, der in dieser Wertung führt, aber ebenso wie der Drittplatzierte Marc Gianola (173) nicht mehr auf höchster Ebene aktiv ist. Einen Playoff-Bart lässt sich Rüeger indes schon lange nicht mehr extra wachsen – der gedeiht unter seinem Helm schon während des ganzen Winters. In der wichtigsten Meisterschaftsphase wird er einfach nicht mehr gestutzt. «Wenn man so viel Routine hat wie ich, wird ein Playoff-Match zu einem Spiel wie jedes andere auch», sagt Rüeger. «Klar, hat er einen höheren Stellenwert. Aber ich bin sicher nicht mehr so nervös wie zu Beginn der Karriere.» Kein Derby der Emotionen Rüeger wuchs einst nur einen Steinwurf entfernt vom alten Schluefweg auf und wurde auch in Kloten ausgebildet. Sein Weg führte ihn danach quer durch die ganze Schweiz, wobei er seine grössten Erfolge mit drei Titeln in Zug (1998) und Lugano (2003 und 2006) feierte. Meister zu werden mit seinem Stammklub, zu dem er vor viereinhalb Jahren zurückgekehrt ist, das ist das letzte grosse Ziel. Vorerst gilt es, den Kantonsrivalen aus der Stadt auszuschalten. «Wir haben gewusst, dass es ein‹Krampf› wird. Wir haben noch längst nicht unser gesamtes Potenzial abgerufen», sagt Rüeger über die Leistung der Flyers im ersten Duell. Seine Vorderleute hätten noch zu wenige Chancen kreiert bei Vollbestand und seien zu wenig kaltblütig gewesen. Der Goalie selbst parierte 19 teils ausgezeichnete ZSC-Versuche. Zweimal wäre auch er geschlagen gewesen, als die früheren Klotener Cyrill Bühler und Adrian Wichser das leere Tor vor sich hatten. Aber bei ihren Schüssen glitt der Puck haarscharf der Torlinie entlang. «Dieses Glück darf ich an meinem Geburtstag auch in Anspruch nehmen», findet Rüeger. Es war (noch) nicht das angekündigte Derby der Emotionen, die zu wüsten Beschimpfungen und Keilereien geführt hätten. «Wir möchten uns auch nicht aus der Fassung bringen lassen», erklärt Rüeger. Er sei selbst «ein Ruhiger». In der Garderobe betätigt er sich nur selten und ungern als Wortführer. «Aber wenn, dann kann es auch laut werden. Ich explodiere zum Beispiel, wenn ich sehe, dass einer nicht sein Bestes gibt», erzählt Rüeger. «Das ist im Playoff allerdings kaum der Fall.» Seine Ruhe will er auch auf die Junioren übertragen. «Ich will ihnen zeigen, dass es kein Weltuntergang ist, wenn mal ein Fehler passiert», sagt er. «Ich kann das aber nur vorleben. Es ist nicht meine Aufgabe, ihr Ersatztrainer zu sein.» Rüeger ist mit nun 38 doppelt so alt wie der Jüngste im Team, Samuel Walser. Seinen Geburtstag feierte er übrigens noch ohne Tamtam: «Es ist ein ganz normaler Tag. Vielleicht gönne ich mir noch ein Bierchen. Mehr nicht.» Auch an seinem 38. Geburtstag Klotens ruhender Pol: Goalie Ronnie Rüeger.Foto: Andy Müller (freshfocus)

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