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Warten auf das Weltall

Franz Kaiser aus Egg hat sein Ticket für die Reise ins Weltall in der Tasche. Im letzten Sommer hätte er abheben sollen. Doch das Projekt des britischen Milliardärs Richard Branson ist noch nicht ganz ausgereift.

Von Stephan KälinEgg – Im letzten August hätte sie starten sollen: die weiteste Reise, die Franz Kaiser je gemacht hat – hinauf in die unendlichen Weiten des Weltalls, in die vor ihm nur wenige Menschen vorgedrungen sind. Seit er als Neunjähriger gebannt vor dem Fernseher sass und zuschaute, wie der erste Mensch den Mond betrat, träumt er davon. Und er träumt weiter. Denn sein Flug ins All verspätet sich. «Vor Mitte 2013 hebe ich nicht ab», sagt Kaiser. Der 51-jährige Egger wird einer der ersten Weltraumtouristen sein. Für 200 000 Dollar hat er sich vor dreieinhalb Jahren einen Sitzplatz in einem Weltraumflug von Virgin Galactic gesichert. Das Projekt der Firma, die zum Virgin-Imperium des britischen Milliardärs Richard Branson gehört, hinkt dem Zeitplan aber hinterher. Wirklich erstaunt darüber ist Franz Kaiser nicht: «Ich habe von Anfang an damit gerechnet, dass es zu Verzögerungen kommt. Dem Projekt liegen derart viele neue Technologien zugrunde.» Im Weltraum statt im Eigenheim Alle drei bis vier Wochen erhält Kaiser per E-Mail ein Update von Virgin Galactic. «Das Trägerflugzeug, das den Spaceshuttle bis auf eine Höhe von 16 000 Metern bringt, ist komplett fertig», weiss er. Der Shuttle könne sich zudem ausklinken, auf die Erde zurückgleiten und landen – «und das ist schliesslich das Wichtigste.» Was aber fehlt, sind die Tests des Raketenantriebs, der den Raumgleiter nach dem Ausklinken innert 90 Sekunden auf 110 000 Meter Höhe schiessen soll. Dort werden die Passagiere fünf Minuten in der Schwerelosigkeit verbringen, bevor sie von der Erde wieder in die Atmosphäre zurückgezogen werden. «Wenn alles klappt, starten die Touristenflüge diesen Sommer», sagt Kaiser. Sein konkretes Abflugdatum weiss er nicht. Die Rechnung ist aber einfach: Die Spaceshuttles fliegen einmal pro Woche sechs Passagiere ins All. Kaiser hat ein Ticket für den Flug Nummer 54, er wird also gut ein Jahr nach dem ersten Touristenflug seinen persönlichen Traum erfüllen. Ein Traum, für den nicht nur er, sondern auch seine Frau Opfer bringen. Trotz dem guten Job bei einer Firma für Internetsicherheit schüttelt Kaiser das Geld für das Ticket nicht einfach aus dem Ärmel. Die Prioritäten sind aber gesetzt: Auf das Eigenheim wird vorerst verzichtet. Dass seine Frau dafür Verständnis hat, bedeutet Franz Kaiser viel. Er ist sich sicher, dass der Flug ins Weltall für ihn zu einem unglaublichen Erlebnis wird, das er nie vergessen wird. Kritik an Umweltverträglichkeit Seit er als erster Weltraumtourist der Schweiz bekannt ist, hat er mehrmals den Schweizer Astronauten Claude Nicollier getroffen. «Er hat mir gesagt, wenn man einmal von dort oben auf die Erde und ihre dünne Luftschicht hinuntergesehen habe, schätze man sie umso mehr», sagt Kaiser. Damit reagiert er auch auf die Kritik, die Naturschützer regelmässig am Projekt von Richard Branson äussern. Die Diskussion um die Umweltverträglichkeit hält Kaiser für zentral. «Nur dadurch werden Fortschritte im Hinblick auf schadstoffärmeres Fliegen erzielt.» Siedlungen auf dem Mond Was für ihn zwar ein Vergnügungsflug ist, sieht Kaiser in einem grösseren Zusammenhang. «Man kann sich dem Fortschritt nicht verschliessen und auf der Erde bleiben», sagt er und ist überzeugt, dass er die Besiedlung des Mondes noch erleben wird. «Der Expansionsgedanke liegt der Menschheit zugrunde. Vor einigen Hundert Jahren war das Meer die Grenze, heute ist es das All.» In eineinhalb Jahren sieht er sich diese Grenze aus der Nähe an. Wann Franz Kaiser abhebt, ist ungewiss. Frühestens in einem Jahr. Foto: Stephan Kälin

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