Zum Hauptinhalt springen

Von Simon Graf

Buffalos 1,65-Meter-Mann Nathan Gerbe beweist, dass die Grösse auch in der NHL nicht entscheidend ist.

Von Simon Graf Die NHL blickte am Mittwochabend gespannt nach Buffalo, wo eine Racheaktion der Sabres an Bostons Milan Lucic erwartet wurde. Der Muskelprotz hatte elf Tage zuvor Buffalos Stargoalie Ryan Miller umgecheckt, ihm dabei eine schwere Gehirnerschütterung zugefügt und war ohne gegnerische Prügel davongekommen. Er schäme sich, gab Sabres-Raubein Paul Gaustad danach zu – und forderte Lucic in der Reprise schon nach 83 Sekunden zu einem Faustkampf auf. Wüste Szenen blieben aus. Doch die Sabres setzten mit körperbetontem Spiel ein Zeichen, und der Kleinste schritt voran: Nathan Gerbe sprang die mindestens einen Kopf grösseren Gegner Mal für Mal an, teilte acht Checks aus. Wenn der 1,65-Meter-Mann auf Bostons Zdeno Chara losgeht, mit 2,06 Metern der Grösste der Liga, mutet das an wie der Kampf zwischen David und Goliath. Und es zeigt, dass der kleine Amerikaner mit dem grossen Herzen vor wirklich niemandem Angst hat. Vielleicht liegt es daran, dass er sich als jüngstes von sechs Kindern schon früh gegen grössere Gegnerschaft behaupten musste. Auf dem Eis gegen seine beiden älteren Brüder, die keine Rücksicht auf ihn nahmen. Klein Nathan sei oft weinend nach Hause gerannt und habe sich bitter beklagt, erinnerte sich seine Mutter. «Ich sagte ihm, er solle bei mir bleiben. Doch nach zwei Minuten eilte er wieder davon, um es ihnen zu zeigen.»Dazu kam, dass ihn sein Vater von klein auf antrieb. Die Legende besagt, dass dieser den Sprössling, nachdem er in einem Juniorenspiel nicht geskort hatte, zwei Meilen von zu Hause entfernt aussteigen und das Auto zurückstossen liess. Daran erinnere er sich nicht, sagt Gerbe junior. Aber es sei korrekt, dass er auf verlassenen Parkplätzen Autos gestossen habe, um seine Kraft in den Beinen zu verbessern. Wegen seiner fehlenden Zentimeter brauchte der inzwischen 24-Jährige, der als Collegespieler hochdekoriert war, etwas länger, um sich in der NHL zu etablieren. Mit einer beeindruckenden zweiten Saisonhälfte verdiente er sich letzten Winter einen neuen Dreijahresvertrag. Mit seiner unerschrockenen, unermüdlichen Art inspiriert er seine Kollegen, mit seiner Hartnäckigkeit und Wendigkeit ärgert er die Gegner. Ein Hobbygoalie für Minnesota Die Geschichte Gerbes ist eine der vielen kuriosen, welche die NHL schreibt. Eine andere trug sich am Mittwoch zu, als Minnesota für das Heimspiel gegen Nashville einen 51-jährigen Hobbygoalie verpflichtete, weil Niklas Bäckström kurzfristig ausgefallen war. Falls es Matt Hackett vom Farmteam nicht zum Spiel schaffen würde, sollte Paul Deutsch auf die Bank. Mit 37 war dieser erstmals im Tor gestanden, weil Seniorenhockey ohne Goalies keinen Spass macht. Da Hackett rechtzeitig in St. Paul eintraf, schaute sich Deutsch die Partie schliesslich aus einer Loge an. Er dürfte trotzdem einiges zu erzählen haben, wenn er seine Kollegen vom Plauschhockey das nächste Mal trifft. Furchtlos gegen scheinbar übermächtige Gegner: Nathan Gerbe. Archivfoto: Getty

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch