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Vom Maurer zum Rettungssanitäter

Köbi Uster aus Wetzikon war viele Jahre als Rettungssanitäter unterwegs. 1966 lenkte er das erste Krankenauto des Spitals Wetzikon.

Von Susanne Aebersold Wetzikon – Köbi Uster hat 30 von 100 Jahren Geschichte des Spitals Wetzikon nicht nur selber miterlebt, sondern auch mitgeprägt. Seine Karriere am Spital nahm 1966 mit der Integration des Rettungsdienstes seinen Anfang. «Ich arbeitete als Maurer und Polier. Als das Spital Wetzikon Rettungssanitäter und Fahrer suchte, meldete ich mich», sagt der heute 78-Jährige. Für 15 Tage Pikettdienst pro Monat erhielt Köbi Uster damals rund 130 Franken. Mit dem Rettungswagen war er während der Nacht oder an Wochenenden in den Gemeinden Wetzikon, Seegräben, Bäretswil, Hinwil, Gossau und Grüningen unterwegs. Wochentags arbeitete er weiterhin auf dem Bau. Die wachen, blauen Augen des vitalen Rentners leuchten, wenn er vom ersten Krankenauto der Marke Ford erzählt. «Den bekam das Spital Wetzikon 1966 vom Krankenwagenverein Zürcher Oberland geschenkt.» Stolz sieht Köbi Uster aus, wie er auf der Foto in schwarzer Hose und blauem Kittel neben dem schnittigen Einsatzwagen posiert. «Damals waren wir Sanitäter noch nicht weiss gekleidet.» Als Samariter aktiv Rettungshelikopter gab es damals keine. Köbi Uster war Handwerker und somit nicht medizinisch geschult. Er verfügte jedoch über einen hervorragenden Leistungsausweis als Sanitäter. 15 Jahre leitete er den Samariterverein Wetzikon und gehörte auch 20 Jahre der Feuerwehr an. Dass er zudem Lastwagen und Taxis lenken durfte, war für seine Tätigkeit als Rettungssanitäter durchaus förderlich. 1966 begann er seine Arbeit im Rettungsdienst des Spitals Wetzikon. «Wir waren ein tolles Viererteam. Alles hervorragende Sanitäter und treue Kollegen.» In der Regel waren sie zu zweit unterwegs. Je nach Notfall zusätzlich mit einer Oberschwester. So zum Beispiel, als Köbi Uster eine hochschwangere Frau zur Entbindung ins Spital Wetzikon fahren sollte. «Das Kind hatte es dann aber eilig und kam bereits unterwegs zwischen Pfäffikon und Auslikon zur Welt», sagt Köbi Uster und schmunzelt. Bei seinem allerersten Einsatz wurde der 78-jährige Wetziker nach Bäretswil gerufen. Ein Mann war von einer Leiter gefallen und hatte ein Bein gebrochen. «Früher gab es mehr Arbeits- als Autounfälle. Die Leute rasten noch nicht so wie heute, ausserdem hatte auch nicht jeder einen eigenen Wagen.» Unter die Haut ging ihm ein Autounfall, bei dem zwei Lenker noch auf der Unfallstelle verstarben und zwei schwer verletzt ins Spital gebracht werden mussten. «Damals gab es noch keine Infusionen, die wir stecken konnten, geschweige denn einen Rettungshelikopter.» In dieser wie auch in den meisten anderen Situationen ging es primär darum, am Unfallort Erste Hilfe zu leisten, die Verunglückten richtig zu lagern und Verbände anzulegen. So auch im Fall einer betagten Frau, die in ihrem Haus gestürzt war und fünf Tage lang mit einem offenen Oberschenkelbruch unter der Ofenbank lag. «Bei unserem Eintreffen war die Verunfallte in ziemlich guter Verfassung und ansprechbar.» Immer wieder kam es auch vor, dass Köbi Uster Leute mit Alkohol- oder psychischen Problemen zu Hause abholen und ins Spital oder in eine Anstalt fahren musste. «Eine Patientin aus Hinwil wehrte sich wie eine Verrückte und konnte die Gurte der Trage wieder lösen. Wie eine Furie rannte sie über den Dorfplatz und ich hinterher.» Viele Suizide habe es zum Jahreswechsel gegeben. «Eine schwierige Zeit.» Konfrontation mit dem Tod 1982 war Köbi Uster beim tragischen Unglück beim Bahnübergang Pfäffikon als Sanitäter im Einsatz, als ein deutscher Reisecar vom Zug erfasst wurde. 39 Passagiere starben, lediglich zwei überlebten. «Ich hatte diese Leute am Abend vorher noch im Rahmen eines Anlasses des Turnvereins Wetzikon, dem ich angehörte, kennen gelernt», erzählt Köbi Uster. «Am nächsten Tag sah ich sie tot auf der Unfallstelle.» Mit dem Tod war der 78-Jährige immer wieder konfrontiert. Nicht nur bei Unfällen, sondern auch im Spital Wetzikon, für welches er seit 1977 zu hundert Prozent arbeitete. Dort war er neben seiner Tätigkeit als Rettungssanitäter auch 21 Jahre in der Pathologie tätig, wo er unter anderem für das Einsargen und das Aufbahren der Toten verantwortlich war. Hier erlebte Köbi Uster viele traurige Momente, wenn Angehörige von ihren Verstorbenen Abschied nahmen. «Ein ganz wichtiger Augenblick, der Feingefühl und Respekt erfordert. Nicht nur Respekt vor den Hinterbliebenen, sondern auch vor den Toten.» Dass Köbi Uster für diese Aufgabe prädestiniert war, wird deutlich, wenn man den sensiblen, zurückhaltenden und bescheidenen Menschen vor sich hat. Mehr als 30 Jahre hat Köbi Uster fürs Spital Wetzikon gearbeitet. Jahre, auf die er mit grosser Zufriedenheit und Freude zurückblickt. «Es war eine wunderschöne Zeit. Wir, die dort arbeiteten, kannten uns alle persönlich. Und mit den Chefärzten waren wir per Du.»

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