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Vom Estrich ins Zeughaus

Zwei Stunden nach der Türöffnung türmten sich gestern im Zeughaus in Bern bereits 110 Karabiner, Pistolen und Sturmgewehre. Viele nutzten die Aktion der Polizei- und

Ein alter Mann rattert in Bern auf dem Motorrad die Papiermühlestrasse entlang. Am Rücken baumelt ein alter Karabiner. Beim Zeughaus biegt der Fahrer ein. Er will offenbar von der freiwilligen Waffenabgabe- und Verschrottungsaktion profitieren, die der Kanton Bern dieser Tage durchführt. Wegweiser führen ihn in eine grosse Halle. Im Vorraum warnt ein Plakat: «Keine Waffenmanipulation vornehmen!» Das wäre noch schöner, wenn ausgerechnet hier ein unkontrollierter Schuss losginge – wo die Aktion doch «einen kleinen Beitrag für etwas mehr Sicherheit» leisten soll, wie Nadine Masshardt sagt. Die SP-Grossrätin (Langenthal) ist gekommen, um zu sehen, wie die Aktion, die auf ihre Motion hin zu Stande kam, genutzt wird. Lästige ErbschaftenStetig tröpfeln Leute herein. Tragen sie eine Ordonnanzwaffe mit sich, müssen sie sich beim Armeeangehörigen anstellen. Wollen sie eine private Waffe loswerden, ist es ein Polizist, der prüft, ob das Ding auch sicher nicht geladen ist. Ist dies zweifelsfrei geklärt, können die Waffenbesitzer eine Station weiter gehen. Hier werden nun die Formalitäten erledigt – wie bei der Frau, die einen alten Karabiner loswerden will. Deren Personalien hat die Polizistin auf dem Bestätigungsformular bereits notiert. Jetzt fragt sie nach dem Besitzer der Waffe: «Das ist mein Vater.» Die Frau nennt den Namen. Adresse? «Schwer zu sagen, er ist 1985 gestorben.» Das Beispiel ist typisch: Viele Frauen, die hier auftauchen, nutzen die Aktion, um Waffen loszuwerden, die seit dem Tod ihrer Väter, Gross- oder Schwiegerväter jahrelang im Keller oder auf dem Estrich gelegen haben. «Mir ist nie so recht wohl gewesen damit», sagt etwa Susi Schärer aus Bern. Weil sie die Waffe ihres Schwiegervaters hier gratis abgeben und sicher sein kann, dass sie fachgerecht entsorgt wird, nutzte sie die Gelegenheit. «Seit 57 Jahren»Andere trennen sich weniger leicht von den Schiessgeräten: Hans Schneider aus Gümligen bringt nebst einem Kleinkalibergewehr auch einen normalen Karabiner: «Den habe ich» – er rechnet nach – « vor 57 Jahren in der Rekrutenschule gefasst.» Wie Schneider kommen viele Männer, die aus Altersgründen mit dem Schiesssport aufgehört haben und sich jetzt von ihren Waffen trennen, ins Zeughaus. Zwei Stunden nachdem die Waffenabgabeaktion im Berner Zeughaus gestern begonnen hat, hätten sich bereits 110 Karabiner, Sturmgewehre und Pistolen, aber auch zahlreiche Messer und Säbel sowie ein ganzer Haufen Munition in den bereitgestellten Kisten getürmt, freut sich Max Dällenbach, Abteilungsleiter Militär im kantonalen Amt für Bevölkerungsschutz, Sport und Militär. Er rechnet damit, am Schluss der Aktionstage über 2000 Waffen entsorgen zu können. Susanne GrafAbgabetage:Bern, Papiermühlestr. 17: Heute Freitag, 18.9., von 9 bis 19 Uhr. Thun, Allmendstr. 96: Donnerstag, 24.9., von 11 bis 17 Uhr; Freitag, 25.9., von 9 bis 17 Uhr; Samstag, 26.9., von 9 bis 12 Uhr. Wangen a.d.A., Bifangstr.: Donnerstag, 1.10., 11 bis 17 Uhr; Freitag, 2.10., 9 bis 17 Uhr; Samstag, 3.10., 9 bis 12 Uhr.>

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