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Visp am Limit der Möglichkeiten

Der beste Klub der NLB will aufsteigen. Doch gegen Ambri liegt er 0:2 zurück – und auch sonst fehlt es an vielem.

Von Philipp Muschg, Visp Schon der Samstagnachmittag gehörte in Visp ganz dem Eishockey. Eine grosse Zahl Fans bevölkerte den Bahnhofplatz, trank Bier, stimmte sich auf Spiel 2 der Ligaqualifikation ein. Es war ein ungewöhnlicher Tag in der 6200-Seelen-Gemeinde, die durch den Lötschberg-Basistunnel zum Verkehrsknotenpunkt wurde und seit zwei Wochen auch auf der Schweizer Sportlandkarte prominent platziert ist. Vier Siege nur trennen den EHC vom Aufstieg in die NLA. Trotzdem ist das nur die halbe Wahrheit. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass die meisten Fans an diesem sonnigen Frühlingstag die Farben von Ambri tragen. Am Beizentisch vor dem Hotel Elite verpflegen sich die verletzten Tessiner Stürmer Alain Demuth und Eric Landry inmitten blau-weisser Leibchen und Fahnen, das Rot-Weiss der Einheimischen ist klar in der Minderheit. Das abendliche 2:3 in der Litternahalle spiegelt dieses Bild: Die Einheimischen sind zwar zahlreich, doch der unermüdliche Chor der Tessiner übertönt sie bei weitem. So aussergewöhnlich die Ligaqualifikation für die Oberwalliser ist: Über die Rolle der verblüfften Zuschauer sind sie bisher nicht hinausgekommen. Das 0:2 zum Positiven wenden Am wenigsten trifft dies auf die Mannschaft zu, die ihre vergleichsweise bescheidenen Möglichkeiten gut ausschöpft. «Man muss sehen, dass wir seit Wochen am oberen Limit unserer Möglichkeiten spielen», sagt der langjährige ZSC-Stürmer Michel Zeiter. Und hofft doch, dass konsequenteres Nachsetzen vor dem gegnerischen Tor das 0:2 in der Serie zum Positiven wendet. «Wir dürfen uns vor dem eigenen Tor keine Fehler mehr erlauben», sagt Trainer Bob Mongrain, der einst vier Jahre für Kloten stürmte. Und muss doch hoffen, dass nicht nur Zeiter und der Ausländerblock für offensive Akzente sorgen. Im Grunde jedoch ist in Visp allen klar: Die NLA ist derzeit eine Nummer zu gross – spielerisch vielleicht, in allen anderen Belangen sicher. Das fängt beim Budget an, das über zwei Millionen tiefer liegt als bei sämtlichen Konkurrenten. Es geht weiter beim grösstenteils ehrenamtlichen Personal, führt über das wirtschaftlich schwache Einzugsgebiet und endet gut sichtbar vor der vierzigjährigen Litternahalle. Holzverschläge als Logen Letzte Woche wurde die Arena von der Liga inspiziert und im Falle des Aufstiegs mit wohl erfüllbaren Auflagen versehen. Hinter vorgehaltener Hand aber fragt sich so mancher, wie das konkret gehen soll. Die als Logen zu mietenden Holzverschläge müssten verschoben, die Fluchtwege umgestaltet werden. Ganz zu schweigen vom Zustand der technischen Einrichtungen. Die Betonfläche unter dem Eisfeld hat sich in den letzten 55 Jahren am Rand um 8 cm gesenkt. Im Grunde ist klar: Nur ein Neubau kann Abhilfe schaffen. Tessiner Journalisten und Ambri-Fans nutzten die seltene Gelegenheit am Samstag ausgiebig, die Vorzüge der Valascia hervorzustreichen. Natürlich kann es sich die ehrgeizige Visper Vereinsführung nicht leisten, einen Klub ohne Vision zu verkaufen. Dass die für einen NLB-Spitzenklub nur Aufstieg heissen kann, ist ebenso klar. Doch die Ligaqualifikation zeigt deutlich: Ambri und Visp trennt derzeit weit mehr, als die 2:0-Führung des A-Ligisten vermuten lässt.

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