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Villa Nager bleibt Küsnacht erhalten

Der Rekurs der Eigner wurde abgewiesen, die Villa der Klinik St. Raphael wird unter Schutz gestellt.

Von Marcus May Küsnacht – Die Klinik St. Raphael kommt nicht zur Ruhe. Im August besetzte eine Künstlergruppe die leer stehenden Gebäude. Am Donnerstag nun teilte die Baurekurskommission (BRK) mit, der Entscheid des Küsnachter Gemeinderats, die Villa Nager wieder unter Schutz zu stellen, sei rechtens.2001 hatte die Gemeinde Küsnacht beschlossen, die Villa,das ehemalige Hauptgebäude der Privatklinik,aus dem Inventar der schutzwürdigen Bauten zu entlassen, in das sie 1982 aufgenommen wurde. Weil die Gemeinde diesen Entscheid nun rückgängig gemacht hat, rekurrierte die St. Raphael AG bei der BRK. Vor neun Jahren – bei der Entlassung aus dem Inventar – waren die Vorzeichen freilich ganz anders gewesen: Die Klinik hatte damals hochtrabende Ausbaupläne, was die Gemeinde dazu bewog, die wirtschaftlichen Interessen höher als den Schutzgedanken einzustufen. Einsprachen aus der Nachbarschaft, veränderte Besitzverhältnisse und schliesslich die Wirtschaftskrise machten diese Pläne zunichte. Im Sommer 2008 stellte die St. Raphael AG den Betrieb in den alten Gebäuden ein, nur wenige Monate später verzichtete man auf den Neubau und entschied sich zum Verkauf. Ist der Widerruf rechtens? Nur: Gebäude zu verkaufen, die in einer Zone für öffentliche Bauten liegen, ist nicht einfach, da der Nutzungszweck stark eingeschränkt ist. Die Pläne der Gemeinde, die Villa Nager unter Schutz zu stellen, schränkt den Kreis möglicher Käufer weiter ein. Womit den Eigentümern nur der Gang an die BRK blieb. Diese hatte sich hauptsächlich mit folgenden Themen zu befassen: Kann eine Entlassung aus dem Schutzinventar widerrufen werden, ist sie verhältnismässig, und sind die allgemeinen Voraussetzungen für eine Unterschutzstellung erfüllt? Hier folgte die BRK hauptsächlich den Argumenten der Gemeinde. Da mit den Verkaufsabsichten die Pläne für einen modernen Klinikbetrieb hinfällig geworden seien, liege eine wesentliche Änderung der tatsächlichen Verhältnisse vor, was einen Widerruf legitimiere, entschied die BRK. Repräsentant der Landi-Zeit Ebenso folgte die BRK den Argumenten eines Gutachtens, das zum Schluss gelangt war, die Villa Nager sei «aufgrund ihres Eigenwertes ein Schutzobjekt von kommunaler Bedeutung». Es sei das Werk zweier prominenter Architekten jener Zeit (Otto und Werner Pfister) und «ein einmaliger Repräsentant des herrschaftlichen Wohnens aus der Landi-Zeit». Demgegenüber argumentierten die Besitzer, «durch die Nutzung als Klinik sei vom ursprünglichen Wohncharakter nichts mehr vorhanden». Die Replik der BRK folgte postwendend: Die aufgelistete Umnutzung und Aufteilung in kleinere Zimmer sowie die Beseitigung originaler Bauten und Einbauten «vermögen den Wohncharakter des Gebäudes nicht zu verwischen». Beat Badertscher, Verwaltungsratspräsident der St. Raphael AG und FDP-Kantonsrat, ist nach wie vor der Überzeugung, dass «es nicht angezeigt ist, dieses Gebäude zu schützen». Zu stark seien die Veränderungen, die im Lauf der Jahre vorgenommen worden sind. Deshalb liege es auf der Hand, den Entscheid der BRK weiterzuziehen. Peter Wettstein, der Küsnachter Gemeindeschreiber, ist hingegen optimistisch, dass auch das Verwaltungsgericht nach diesem klaren BRK-Urteil im Sinne seiner Gemeinde entscheiden werde.

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