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Verregneter Auftakt an Chilbi Meilen

Donner und Wolkenbruch eröffneten am Samstag die Chilbi in Meilen. Das schlechte Wetter tropfte den Meilemern ganz schön auf die Stimmung.

Meilen. - Die Musik dröhnt aus den Lautsprechern, es riecht nach gebrannten Mandeln und Magenbrot. Unverkennbar: Es ist wieder Chilbi. Doch statt Menschengewühl und fröhlichem Treiben trifft man auf Chilbibahnen und Karusselle, die sich einsam im Kreis drehen. Einige Stände sind am frühen Abend noch nicht mal eingerichtet. Auf dem Rost liegen die Bratwürste noch bleich und roh, der Standbetreiber mit seinen Schoggibananen ist sogar eben erst eingetroffen, und bei Heiri Bolleter, dem heimischen Winzer, stehen die Festbänke noch aufgestapelt unter dem Zeltdach. Seit Jahren hat er an der Meilemer Chilbi einen Stand, aber so ein Wetter habe er bisher noch nicht erlebt. Trotzdem lacht er dabei gut gelaunt. Überhaupt blickt man, wenn man sich auf dem überschaubaren Platz umsieht, eigentlich nur in fröhliche Gesichter. Sackgeld verputzen Suzanne Bürgi aus Hombrechtikon geniesst die Chilbi mit ihrem Mann und Enkeltochter Ida, die mal freudestrahlend, mal hochkonzentriert ihre Runde im Sportwagen dreht. Die Regenfälle schlagen der Grossmutter nicht auf die Stimmung. Im Gegenteil: «Mit der richtigen Kleidung macht es bei jedem Wetter Spass.» Und wenn die Chilbi auf ein Sumpfwochenende wie dieses fällt, hat das - zumindest aus der Sicht der Kleinsten - auch einen Riesenvorteil: Ohne mühsames Anstehen kommt man sofort zum begehrten Chip und somit schneller aufs Karussell. Das sehen Leoni Signer und Anaïs Becker aus Meilen genauso. Sie haben gerade eine rasante Bahnfahrt hinter sich und versuchen ihr Glück nun beim Angeln. Schon seit einer Stunde pilgern die beiden vergnügten Freundinnen von Bahn zu Bahn und von Stand zu Stand. Sie erzählen, dass sie erst nach Hause gehen, wenn das letzte Sackgeld verputzt ist. Und schon sind sie weg, auf zur nächsten Bahn. Beim Ponyreiten versuchen sich kleine Cowboys und Cowgirls. Ein Mädchen sitzt schon lässig im Sattel, ein kleiner Bub wirkt eher, als hätte ihn sein eigener Mut verlassen. Aber nach einer Runde auf dem Pony wird die Sache sicherer, und der Kleine schaut stolz zu seinem Papi. Der schaut mindestens so stolz zurück und ist wahrscheinlich auch darüber glücklich, einen Moment lang unter dem schützenden Dach zu stehen. Der Stand mit den süssen Leckereien steht ganz verlassen da. Die Gläser sind prall gefüllt mit buntem Fruchtgummi, Lakritz, Marshmallows, Lollis. Ein Schlaraffenland für Kinder. Aber nicht nur. Alexa Jäggi aus Wollerau hat sich gerade eine Zuckerwatte bestellt. «Ich bin zuckerkrank, aber einmal im Jahr gönne ich mir einfach eine Zuckerwatte. Das ist das Grösste für mich.» Die Zuckerwatte, die sie dann erhält, ist gross und rosa. Schnell nimmt sie sich ein Stück und geniesst sichtlich, wie der Zucker auf der Zunge zergeht. Ihre Augen leuchten. Und beim Zusehen hat man gleich selbst Lust, sich eine rosa oder hellblaue Zuckerwatte zu kaufen. Und tatsächlich: Hält man erst mal eine in der Hand und ihr süsser Duft steigt in die Nase, fühlt man sich schlagartig zurückversetzt in seine eigene Kindheit. Alles nur wegen der Kinder Vielleicht ist dies das Geheimnis der Chilbi. Sie ist für Gross und Klein ein Erlebnis. Alle freuen sich darauf. Die Kleinsten freuen sich darüber, endlich mal selber eine Loki oder ein Feuerwehrauto zu steuern. Die Teenies freuen sich auf die Auto-Scooter (da trifft man immer die «süssesten Jungs»). Und wir Erwachsenen? Wir lassen uns von den Kindern überreden, doch mit auf die Bahn zu kommen, Büchsen zu werfen und zwischen der Bratwurst und dem Knoblibrot auch noch eine Zuckerwatte zu verdrücken. Und wir lassen nichts aus. Alles wegen der Kinder, versteht sich. Und wenn es ausgerechnet an diesem einen Chilbiwochenende wie aus Kübeln giesst? Dann kann man einfach wie viele am Samstag schmollen, zu Hause bleiben und Trübsal blasen. Oder den Regenschutz überstreifen und sich ins Vergnügen stürzen.

Alexa Jäggi kauft Zuckerwatte, Heiri Bolleter verkauft Chäs-Chüechli an der Chilbi Meilen. Ida dreht glücklich ihre Runden.

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