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Uhrmacherschule feiert 125. Geburtstag

Die Uhrmacherschule in Grenchen feiert ihr 125-jähriges Bestehen. Das Zeitzentrum, wie die Ausbildungsstätte heute heisst, ist die einzige Berufsfachschule für Uhrmacher in der Deutschschweiz.

125 Jahre, das heisst in anderen Zahlen ausgedrückt: tausende von Lernenden, acht Rektoren, fünf Ausbildungsstandorte. Als 1884 in Solothurn die Uhrmacherschule gegründet wurde, konnte sich kaum jemand vorstellen, welche Bedeutung die Ausbildungsstätte dereinst haben würde. Heute ist das Zeitzentrum die einzige Berufsfachschule für Uhrmacher in der Deutschschweiz. Aktuell besuchen über 140 Lernende den Unterricht. Ausgebildet werden die zukünftigen Fachleute in den Berufen «Uhrmacher Fachgebiet Rhabillage», «Uhrmacher Fachgebiet Industrie» und «Uhrmacher-Praktiker». Raubzüge durch Schweiz Wie die Uhrwerke hat auch die Uhrmacherschule eine bewegende Geschichte hinter sich. 1918 wurde die Schule kommunalisiert, das heisst, als Privatunternehmen in den Gemeindebesitz und die Solothurner Verwaltung überführt. Zwölf Jahre später erwarb die Schule die Liegenschaft der Uhrenfabrik Union AG in Solothurn und verblieb dort bis zu ihrem Wechsel nach Grenchen im Jahr 2002. Die Eröffnung der ersten Rhabilleurklasse geht auf das Jahr 1931 zurück. 1972 folgte ein weiterer strategischer Schritt: Die Schule wurde kantonal. Vier Jahre danach erwarb sie das Monopol für Uhrmacher-Ausbildungen in der Deutschschweiz. Damit festigte sie ihre Position. Denn die Jahre davor waren geprägt von schwankenden Schülerzahlen. Die Uhrenindustrie wurde von einer Krise geschüttelt und die Lehrkräfte unternahmen, um den Schülerbestand aufrechterhalten zu können, «Raubzüge» nach Graubünden und ins Toggenburg. «Da haben wir befreundete Uhrengeschäfte besucht, Schulen und Berufsberater», wird der damalige Lehrer und spätere Rektor, Ulrich Bucher, in einer internen Chronik zitiert. Bucher blieb der Ausbildungsstätte über 30 Jahre lang treu und trat 2005 in den Ruhestand. Mit seinem Abgang war gleichzeitig eine neue Organisationsstruktur verbunden. Der neue Rektor, Daniel Wegmüller, ist zugleich auch Rektor der Gewerblich-industriellen Berufsfachschule Grenchen. Das bietet zahlreiche Vorteile: Die beiden Schulen teilen sich personelle Ressourcen und einen Teil der Infrastruktur. «So können wir den Franken zweimal brauchen», sagt Wegmüller. Doch die Auslastung der Ressourcen hat auch ihre Grenzen. «Ich würde gerne für beide Schulen zu 100 Prozent verfügbar sein. Doch meine Zeit und Möglichkeiten sind beschränkt.» Schule feiert Erfolge Das Zeitzentrum darf als Talentschmiede bezeichnet werden. So haben sich zahlreiche Lehrabgänger selbständig gemacht und führen heute ein eigenes Fachgeschäft oder aber sie arbeiten erfolgreich in einer Manufaktur. Seit vielen Jahren feiern die Lehrlinge auch Erfolge am Prix Cartier, einem renommierten Praxis-Wettbewerb: Diesen Frühling erlangten Tirza Wehren und Gion Komminoth, zwei Lehrlinge im dritten Lehrjahr, die Ränge 2 und 3. Im Jahr davor schaffte Richard Richner gar den Sieg. «Für die Schule sind solche Erfolge schön», so Wegmüller. «Wir sehen, dass wir den Anschluss an andere Schulen und die Industrie haben.» Nicht an Marke gebunden Die Schule hat sich im Verlaufe ihrer Geschichte zu einem Kompetenzzentrum entwickelt. Dies vor allem, weil sie den Lernenden eine breite Ausbildung bietet und sich nicht auf eine Marke beschränkt. Wer den Beruf des Uhrmacher-Rhabilleurs im Zeitzentrum erlernt, hat umfassende Kenntnisse aller mechanischen und elektronischen Armbanduhren sowie spezieller Uhren mit Komplikationen, zum Beispiel Chronographen. Auch der Umgang mit Grossuhren wird erlernt. Mit der Industrie und dem Fachhandel der Uhren- und Schmuckbranche arbeitet die Ausbildungsstätte eng zusammen. Hingegen besteht auf Projektebene kaum eine Anbindung an die fünf anderen Uhrmacherschulen der Schweiz. «Jeder Kanton hat seine Eigenheiten und Spezialitäten», so Wegmüller. Zudem gäbe es sprachliche Hürden. So wie andere Schulen hat das Zeitzentrum das Angebot im Verlaufe der Jahre ausgebaut. Neben Fachkursen für Lehrlinge bietet es heute überbetriebliche Kurse und Vorbereitungskurse für höhere Fachprüfungen an. Weiterbildungsmöglichkeiten nach der Lehrzeit bestehen etwa in den Berufen Ingenieur FH, Mikrotechniker TS, Restaurationstechniker TS oder diplomierter Uhrmachermeister. Gute Aussichten trotz Krise Was die Zukunft anbelangt, macht sich der Rektor keine Sorgen. «Qualifizierte Uhrmacher wird es immer brauchen», sagt der 48-Jährige und spielt damit auf die aktuelle Krise an. Diese sei nicht vergleichbar mit der grossen Krise der 70ger Jahre. «Es geht heute nicht wie damals um neue Technologien und Entwicklungen, sondern es handelt sich um eine Wirtschaftskrise.» Und die Uhrenindustrie sei nach wie vor gut positioniert. Auswirkungen auf die Schülerzahlen seien nicht spürbar. «Die Schule ist nicht direkt von der Wirtschaftslage abhängig. Im Gegenteil: Die Schülerzahlen verhalten sich eher antizyklisch: Geht es der Wirtschaft schlecht, wächst die Ausbildungsnachfrage», so Wegmüller. Sandra Züger >

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