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Über Hischwil kreist der Adler

Der Hügelzug rechts des Tösstals ist ein Eldorado für Biker. Die Länge einer Tour kann dort nach Lust und Tagesform festgelegt werden.

VON STEG NACH STEG VIA SCHINDELBERG, TIERHAG, STERNENBERG

Soll ich von Steg aus via Tössscheidi zur Wolfsgrueb hinauf radeln, oder wähle ich den Umweg über Hischwil? Ich entscheide mich für den Umweg. Auf diese Weise kann ich mich auf den ersten flachen sechs Kilometern bis zum Weiler Raad aufwärmen und gemütlich einfahren. Knapp 15 Minuten später ist das Einfahren auch schon vorbei. Es geht hinauf nach Hischwil. Maximale Steigung: 16 Prozent. 1,2 Kilometer und 100 Höhenmeter später passiere ich die Ortstafel «Grafschaft Hischwil». Grafschaft hin oder her: Die Sicht in die Berge ist lausig. Viel weiter als über den Etzel hinaus sieht man nicht. Die Alpen liegen im Dunst. Die Bise bläst. Die Temperatur beträgt nur 15 Grad. Und das am 31. Juli um 8.20 Uhr. Weiter gehts Richtung Josenberg. 1,6 km und 220 Meter hinauf auf 1015 Meter über Meer. Bevor ich in den Wald fahre, werfe ich einen Blick hinüber zum Bachtel, hinunter zum Zürichsee und hinauf zum Adler. Er kreist über Hischwil. Es ist kein Milan, es ist kein Bussard, es ist ein Adler. Kein Zweifel. Als ich absteige, um den Fotoapparat aus dem Rucksack zu klauben, verschwindet er Richtung Fischenthal. Er will nicht fotografiert werden. Ich radle weiter. Toctoctoctoctoc. Das erste Weidengatter liegt hinter mir. Jetzt kommen die Alpweiden - und die Kuhfladen. Vorsicht ist angezeigt. Beim Biken gibt es nicht nur Regeln, die man einhalten sollte, wie «Wanderer haben Vortritt», sondern auch eiserne Gesetze. Zum Beispiel: Du kannst nicht allen Kuhfladen ausweichen. Nichts klebt hartnäckiger am Velorahmen (und im Gesicht) als Kuhmist. Rotes Bike, roter Kopf Vom Josenberg gehts hinunter zur Wolfsgrueb und dann hinauf zur Schwämi auf 1087 Meter. Hier ists nur noch 12 Grad Celsius warm. Ich rase 100 Höhenmeter hinunter, steige aber immer wieder ab wegen der Viehgatter. Bei der Hand mach ich Pause. Die Hand hat fünf Finger. Fünf Wege treffen hier zusammen. Ich esse einen Apfel. Ein Biker hält an. Wir wechseln ein paar Worte. Er fährt zügig los, verschwindet im Wald. Auf dem Weg zum Schindelberg (1153 m ü. M.) überholt mich noch ein Biker - mit rotem Bike und rotem Kopf. «Ganz schön steil», grüsst er und quält sich den letzten wirklich saumässig steilen Stutz den Wald hinauf. Später sehe ich ihn zusammen mit zwei Jägern bei der ich den Biker in der Alpwirtschaft Schindelberg vor einem Most sitzen. Hinter dem Stall liegt die prächtige Sau Louise wie immer faul herum und grunzt zufrieden. Ein schöner Singletrail führt zum Tägelsberger Wisli, dann gehts in flottem Tempo den Waldweg hinunter zum Restaurant Sennhütte, wo ich mir ein Schnitzel mit Salat gönne. Ein paar Kalorien können nicht schaden, steht doch der steile, aber kurze Aufstieg zum Tierhag (1140 Meter) an. Nach etwas mehr als einer Viertelstunde liegt auch er hinter mir. Vom Tierhag aus gehts vor allem bergab. Ich freue mich auf die anspruchsvollen Abfahrten zur Hirzegg und zum Erpli. Ich werde schwer enttäuscht. Dort wo letztes Jahr noch steile Singeltrails mit tückischen Absätzen und vielen Wurzeln zu bewältigen waren, wurde ein Kiesweg angelegt. Die Abfahrt ist nun kinderwagentauglich und langweilig. Vorbei gehts am Kreuz, welches an ein Drama erinnert. Ein Schild gibt Auskunft: Hier ist Gestorben und am 19. Juli 1930 aufgefunden worden: Elisabetha Beutler, Tierhag, Geboren 25. März 1928, vom Elternhaus verirrt, im Wettergraus, führt es der gute Hirt ins Vaterhaus. Auf dem Weg durch den Wald Richtung Älpli verschwindet meine Hühnerhaut langsam wieder. Ich genehmige mir im Älpli einen kühlen Drink in der kleinsten Besenbeiz der Schweiz. Sie ist in einem hübsch bemalten Silo untergebracht. Dann gehts auf breiten Waldwegen flott voran zur Hulftegg und via Regelsberg und Ergeten nach Chaltenbrunnen. Das Hörnli lasse ich links liegen. Im Kreutz in Allenwinden stehen die Pilger, die hier durchziehen, und ich vor verschlossener Tür: Donnerstag und Freitag geschlossen. Tolle Abfahrt durch ein Tobel Als Trost wartet ein Highlight auf mich: Die Abfahrt von Gfell durch das Lättenbachtobel hinunter nach Wellenau im Tösstal. Downhill pur. 230 Höhenmeter vernichte ich in hohem Tempo und voll konzentriert in wenigen Minuten. Das macht Spass. Auf dem Weg zurück nach Steg sinkt dann auch der Adrenalinspiegel wieder auf Normalmass. Aus der grossen Schindelbergtour lässt sich auch eine kleine machen. Lässt die Kondition nach, fährt man einfach ins Tal hinunter und wieder nach Hause.

Ausnahmsweise und ansonsten strengstens verpönt: 20 Meter Fahrt durchs Grün für den Fotografen. Aufgenommen zwischen der Strasse zur Sennhütte und dem Wanderweg zum Tierhag.

Bremsende Viehgatter hats viele, im Frühling und im Herbst sind sie offen. Originell: Simons Silohütte im Älpli. Sau Louise führt ein genüssliches Schweineleben auf dem Schindelberg. Restauriertes Kreuz bei der Hand.

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