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Trotz Bienensterben fliesst der Honig im Kanton reichlich

Wegen des warmen und trockenen Frühlings fiel die Honigernte in diesem Jahr bis zu dreimal ergiebiger aus als sonst.

Von Eduard Gautschi Der Präsident des Imkervereins Bezirk Hinwil freut sich. «Ich habe dieses Jahr viermal Honig geschleudert», sagt Erwin Marty aus Bubikon. In der Regel wird Honig bloss zweimal pro Jahr geerntet. Einmal, nachdem Obstbäume und Löwenzahn verblüht sind, und ein zweites Mal im Juli, wenn Wald- und Blatthonig anfällt. Martys Ertrag pro Volk liegt heuer bei 30 Kilogramm, das sind 18 Kilogramm mehr als in durchschnittlichen Jahren. Viel Honig gabs dieses Jahr, weil der Frühling warm und trocken war. Die Bienen konnten fast jeden Tag ausfliegen, um Pollen und Nektar zu sammeln. Auf den Preis hat die Honigschwemme keinen Einfluss. Ein Pfund kostet laut Verbandsempfehlung 12, mit Gütesiegel 13 Franken. Grosse Blutsauger Erwin Marty betreut 20 bis 30 Bienenvölker. Sein stärkstes Volk lieferte gar 90 Kilogramm Honig. Das ist aussergewöhnlich viel. Doch im Herbst fiel dieses Volk zu seinem Bedauern den Varroamilben zum Opfer. Die Varroamilbe ist seit einigen Jahren für das Bienensterben mitverantwortlich. Sie beisst sich bei der Honigbiene fest, ähnlich einem Blutegel beim Säugetier. Bei gleicher Proportion hätte nach Wikipedia ein entsprechender «Blutegel» beim Menschen die Grösse eines blutsaugenden Kaninchens. Auch Imker Ernst Halbheer aus Rüti ist zufrieden mit diesem Jahr. Schon im Frühling habe er 10 bis 15 Kilogramm pro Volk geschleudert. Zum ersten Mal seit vier Jahren hat er mehr Waldhonig als Blütenhonig ernten können. Der Ertrag hänge wesentlich davon ab, wie stark ein Bienenvolk sei. «Völker, die in Magazinen gehalten werden, sind stärker als diejenigen in den Schweizer Kästen», sagt Halbheer. Die Magazine bieten den Bienen mehr Platz und werden an verschiedenen Orten aufgestellt. Nachdem Moritz Strommer zwei Jahre lang kein einziges Kilogramm Honig ernten konnte, hat er dieses Jahr gleich 270 Kilogramm schleudern können. Strommer wohnt auf einer Höhe von 850 Metern im Strick in Steg an der Strasse, die zur Strahlegg hinaufführt. «Hier gibt es für meine 9 Völker praktisch keine Obstbäume und keinen Raps. Nur Ahorn und Eschen stehen den Bienen im Frühling zur Verfügung. Deshalb gibt es bei mir nur Waldhonig», sagt Strommer. Die Schattenseiten der Imkerei kennt auch er aus eigener Erfahrung. «Im letzten Winter verlor ich alle Völker. Sie verschwanden spurlos.» Seine Bienen beobachtet er aufmerksam und behandelt sie gegen Varroamilben. Gegen Verluste ist er wie alle Imker trotzdem nicht gefeit. Bienenvölker sind schwach «Auch eine konsequente Behandlung ist kein Garant gegen Verluste», weiss Kurt Gubler aus Weisslingen. Er präsidiert den 120 Mitglieder zählenden Imkerverein Bezirk Pfäffikon. 640 Kilogramm Honig haben ihm seine 22 Völker beschert. «Letztes Jahr gabs praktisch nichts, dieses Jahr ist ein Spitzenjahr. Damit muss man als Imker rechnen», sagt Gubler. Richard Hangartner aus Pfäffikon ist mit der Ernte zufrieden, aber er macht sich Sorgen um den Zustand seiner Völker. Eingewintert hat er letztes Jahr 14, im Frühling lebten davon noch 9. Varroamilben und Sauerbrut setzen den Bienen zu. «Viele Völker sind schwach und brauchen viel Aufmerksamkeit», sagt Hangartner, der seit 30 Jahren imkert. Richard Hangartner hält auf den Ausflugsbrettern nach toten Bienen Ausschau. Foto: Eduard Gautschi

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