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Titel (max. 2-zeilig) Geschenke unter Freunden und Bekannten im Zürcher Establishment

Unterzeile (max. 2-zeilig) Dies ist der Artikeltext. Er wiederholt sich jetzt mehrfach.Ein Ex-Chef der Bank Julius Bär als Vermögensverwalter, Willensvollstrecker und Erbe einer reichen Frau.

Von Arthur Rutishauser Geschenke und Zuwendungen reicher Privatkunden sind in der Bankenszene tabu. Alle grösseren Banken haben strenge Vorschriften über den Umgang mit Schenkungen. «Bei der ZKB», sagt Sprecher Urs Ackermann, «gilt im Allgemeinen, dass Geschenke nur im Rahmen des sozial Üblichen angenommen werden dürfen. Im Private Banking gelten speziell restriktive Regeln, damit es nicht zu Interessenkollisionen kommt.» Bei den Grossbanken gilt Ähnliches. Doch eingehalten werden die Regeln nicht überall. Im Zürcher Establishment gibt seit einiger Zeit eine Erbschaft zu diskutieren. Es geht um den Nachlass von Cornelia Gerber-ten Bosch. Sie gehörte zum verschwiegensten Teil des Zürcher Geldadels. 2002 schätzte die «Bilanz» ihr Vermögen auf 129 Millionen Franken. Ihr verstorbener Mann Alfred war jahrelang bei der Bührle-Tochter Contraves beschäftigt, mit der Familie Anda Bührle eng befreundet, und er gehörte auch zum Kreis der Investoren, die Nicolas Hayek den Einstieg in die Schweizer Uhrenindustrie ermöglichten. In der Zürcher-Kunstszene war Alfred Gerber-ten Bosch als Initiator der internationalen Meisterkurse für Musik bekannt, 1982 hat ihn die Stadt Zürich für seine kulturellen Verdienste ausgezeichnet. Aus jener Zeit stammt auch die Verbindung zum früheren Zürcher Stadtpräsidenten Thomas Wagner, der seit 2000 in der Stiftung Gerber-ten Bosch sitzt und sie heute präsidiert. Zweck dieser steuerbefreiten Stiftung ist, das Erbe der Gerber-ten Boschs für Gemeinnütziges einzusetzen, die Kultur zu fördern und Stipendien auszurichten. In der Stiftung sitzt auch M.*, ehemaliger Chef des Private Bankings Schweiz der Bank Julius Bär – und Vermögensverwalter von Cornelia Gerber-ten Bosch. Ein weiterer Stiftungsrat ist Treuhänder H*. Dieser trat in der Zeit rund um Frau Gerber-ten Boschs Tod für ein halbes Jahr aus der Stiftung aus und ist heute deren Geschäftsführer. Die Entschädigung für dieses Amt liegt bei etwa drei Prozent des Vermögens. Kurz vor dem Tod von Cornelia Gerber-ten Bosch kam es zu einer fragwürdigen Schenkung: Die Frau überschrieb ihrem Banker M. eine Villa in Cap d’Antibes, Südfrankreich. Wann genau vor dem Tod die Schenkung definitiv wurde, ist nicht ganz klar. M. spricht von sechs Wochen, rechtskräftig wurde die Schenkung aber erst später. Das Anwesen mit rund 9000 Quadratmeter Umschwung liegt an einer ruhigen Strasse und wird gegenwärtig umgebaut. Das Geld für die millionenteure Sanierung war im Erbe inbegriffen. Geschenke nur bis 250 Franken Cap d’Antibes, direkt am Mittelmeer, ist eine Halbinsel für Reiche. Prachtsvillen allenthalben, mit zumeist geschlossenen Läden (die Leute sind nur im Sommer da) und vielen Schildern, die vor dem «chien méchant» warnen. Der geschätzte Wert für Haus und Sanierung liegt bei etwa 10 Millionen Franken. Damit stellt sich die Frage, ob M. das Erbe hat annehmen dürfen, denn er war zum fraglichen Zeitpunkt Angestellter der Bank Bär. Diese weist dieser Tage ihre Mitarbeiter zum wiederholten Male darauf hin, dass Geschenke und Zuwendungen von Kunden nur in der Höhe von 250 Franken angenommen werden dürfen, sagt ein Sprecher. Diese Regel habe auch schon zum fraglichen Zeitpunkt gegolten. M. sagt heute auf die Frage, ob denn die Regeln nur für das Fussvolk, nicht aber für den Chef des Private Banking Schweiz gelten, oder ob er gegen die internen Regelungen verstossen habe: «Die Schenkung erfolgte im Rahmen einer privaten, von meinem damaligen Arbeitgeber ausdrücklich bewilligten Nebentätigkeit und nicht im Rahmen einer allfälligen Bankbeziehung. Natürlich waren mir die internen Reglemente meiner jeweiligen Arbeitgeber durchaus bekannt. Die Schenkung wurde meinem damaligen Arbeitgeber mitgeteilt.» Die Bank Bär wollte keine Stellung nehmen. Stiftung schaute zu Ein weiterer Interessenkonflikt ist M.s Tätigkeit in der Stiftung – verschärft durch die Tatsache, dass mit Treuhänder H. als Co-Willensvollstrecker ein zweites Stiftungsratsmitglied massiv mitverdient hat. M. sagt, er sei an Stiftungsratssitzungen jeweils in den Ausstand getreten, wenn es um die Schenkung ging. Gemäss Insidern aus dem Umfeld der Bank Bär hat sich Stiftungsratspräsident Thomas Wagner durchaus überlegt, ob die Schenkung anzufechten ist, aber nach Besprechung mit Frau Gerber-ten Boschs Anwalt davon abgesehen. Auf die Frage, ob denn noch andere Stiftungsratsmitglieder Schenkungen erhalten hätten und ob die Stiftung nicht hätte versuchen sollen, die Schenkung anzufechten, sagt Treuhänder H.: «Die Stiftung, der gemessen am Gesamtvermögen ein Bruchteil zukam, hatte die ihr zustehenden Möglichkeiten in rechtlicher Hinsicht geprüft und keine erfolgsversprechende Veranlassung, Rechtsmittel gegen die letztwilligen Verfügungen der Erblasserin einzulegen.» Weiter betont H., er sei zur Zeit des Erbganges nicht im Stiftungsrat gewesen und habe als Willensvollstrecker ein branchenübliches Honorar bezogen. Stiftungsratspräsident Thomas Wagner wollte auf schriftliche Anfrage keine Stellung nehmen. Ein Fall von Privatbestechung? Fragt sich noch, inwiefern der Tabu-bruch rechtlich zulässig ist. Bei der Eidgenössischen Stiftungsaufsicht ist von Sprecherin Ariane Geiser folgende Auskunft erhältlich: «Als sehr heikel wird die zusätzliche Rolle des Willensvollstreckers und Stiftungsrats als Erbe des Stifters erachtet. Je nach konkreter Sachlage müsste hier allenfalls davon ausgegangen werden, dass die Interessenkollision ein Ausmass annimmt, welcher die Ausübung der Funktion als Willensvollstrecker verbietet.» Thomas Sutter, Sprecher der Bankiervereinigung, weist zudem auf das Verbot der Privatbestechung hin. Laut dem einschlägigen Artikel ist es strafbar, wenn ein Arbeitnehmer «im Zusammenhang mit seiner dienstlichen oder geschäftlichen Tätigkeit für eine (. . .) im Ermessen stehende Handlung oder Unterlassung einen für sich nicht gebührenden Vorteil versprechen lässt oder annimmt.» * Namen der Redaktion bekannt «Die Schenkung erfolgte im Rahmen einer privaten Nebentätigkeit, nicht im Rahmen einer Bankbeziehung.» M., beschenkter Banker Das Millionengeschenk: Villa am Cap d’Antibes.Foto: Oliver Meiler Das Millionengeschenk: Villa in Cap d’Antibes.Foto: Oliver Meiler, TA Bildlegende.Foto: Vorname Name, Agentur

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