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Teenager mit unbändigem Willen

Der Stäfner Handballer Pascal Vernier hat mit 14 Jahren schon in der Schweizer U-21 debütiert. Neben Talent bringt er die wohl wichtigste Eigenschaft für eine erfolgreiche Karriere mit: Ehrgeiz.

Von Kai Müller, Uster Man muss es sich immer wieder einreden: Pascal Vernier ist noch ein Teenager, wird erst in einem Monat 15 Jahre alt. Sein Körperbau täuscht darüber hinweg. Sein steiler sportlicher Aufstieg auch. 1,89 m misst er, über 80 kg ist er schwer. 25 Spiele hat er seit Herbst 2009 für die Schweizer U-19 absolviert, belegte an der EM in Montenegro Rang 6 und qualifizierte sich damit für die WM im nächsten Sommer in Argentinien. In den letzten zwei Wochen kamen vier Einsätze für die U-21 dazu. Michael Suter, Trainer der beiden Nachwuchsauswahlen, sagt: «Ich sehe jeweils keinen Unterschied zu jenen, die fünf oder sechs Jahre älter sind.» Während Vernier im House of Sports in Uster, wo er die Kunst- und Sportschule besucht, auf dem Sofa sitzt und geduldig über die letzten Tage und Monate spricht, sind die Konturen seiner muskulären Oberarme zu erkennen. Er ist sich bewusst, dass er in seiner Entwicklung einen Schritt weiter ist als die Gleichaltrigen. «Weil ich dazu für meine Grösse noch ziemlich explosiv bin, habe ich vor allem in der Deckung und in Eins-gegen-eins-Situationen Vorteile», sagt er. Bei den beiden Testspiel-Niederlagen dieser Woche gegen Deutschland (18:22 und 28:32), das auf U-21-Stufe zu den Top-3-Nationen weltweit gehört, durfte sich Vernier im rechten Rückraum beweisen und resümiert: «Ich musste permanent 100 Prozent geben, konnte aber einigermassen mithalten.» Etwas anderes kennt er sowieso nicht. Nach seiner grössten Stärke gefragt, antwortet er ohne Zögern: «Mein unbändiger Ehrgeiz.» Nur der Sieg zählt Der Charakterzug, dessen Inexistenz Nachwuchshoffnungen schnell zu ewigen Talenten verkommen lässt, hat Vernier schon früh und unerwartet Türen geöffnet. Als er im Juli 2009 an einem U-17-Förderlehrgang teilnahm, rechnete er nicht einmal mit einer Aufnahme in dieses Team: «Ich dachte, dass es vielleicht für das Ergänzungskader reicht.» Zwei Monate später, nach einem Sichtungstraining für die U-19, erfuhr er, dass ihn Suter direkt zu den Älteren berufen wollte. «Er ist vielseitig und hat die Anlagen, ein kompletter Spieler zu werden», sagt der Nationalcoach und fügt an, was ihn am meisten beeindruckt: «Er hat einen unglaublichen Willen. Für ihn zählt auf dem Feld nur der Sieg.» Suter setzt auf solche Akteure. Was der Trainer hingegen nicht ausstehen kann, weiss Vernier: «Er hat kürzlich wieder betont, dass er überhebliche Spieler hasst.» Die Gefahr, dass Vernier ob seines Höhenflugs die Bodenhaftung verliert, besteht indes kaum. «Ich neige nicht zur Arroganz. Und ich weiss, dass der Weg zum Profi noch weit und steinig ist.» Über seine in Stäfa wohnhafte Familie ist er als 7-Jähriger zum Handball gekommen. Der Vater spielte einst selber, der Bruder (18) figuriert aktuell in Usters 1.-Liga-Team. Anfänglich widmete sich Vernier parallel noch dem Fussball, setzte dann jedoch ganz auf Handball. «Ich brauche den Körperkontakt», begründet er. «Ich schlage gern dazwischen in der Deckung.» Schon als kleiner Junge habe er Freude an der Bewegung gehabt und immer viel trainieren wollen. Die Möglichkeit dazu bot sich ihm in der Stäfner Talentschmiede, die zu den besten des Landes gehört und deren sämtliche Stufen er durchlaufen hat. Heute setzt sich Verniers Pensum aus sechs Handball-Einheiten und zusätzlichen Krafttrainings zusammen. Dazu kommen die Meisterschaftsspiele mit den U-19-Elite-Junioren von Stäfa/Uster. NLA-Einsätze bei den Lakers Stäfa sind noch kein Thema, die Verantwortlichen wollen ihn behutsam aufbauen und bald in der 1. Liga beim Oberländer Partnerverein integrieren. Versprechen für die Zukunft Probleme, sich an neue Teamkollegen zu gewöhnen, sind Vernier fremd. «Ich wurde bisher überall gut aufgenommen, da ich ein offener Typ bin», sagt er. In der Schweizer U-19 ist er zwar für das Auffüllen der Trinkflaschen verantwortlich, aber nicht, weil er der Jüngste ist. «Jeder Spieler hat ein Ämtchen.» In jener Auswahl hat sich Vernier mittlerweile einen Platz in der Stammsechs erobert und wird, wenn nichts dazwischenkommt, im August in Südamerika seine erste WM bestreiten. Dass er Anfang Januar zum U-21-Aufgebot für die WM-Qualifikation gehören wird, bezweifelt Vernier.Denn Nicolas Raemy, der ebenfalls Linkshänder ist und im rechten Rückraum spielt, wird dann zurück sein. Er durfte sich zuletzt in der A-Nationalmannschaft zeigen. Trainer Suter sagt: «Entschieden ist noch nichts. Wir müssen aber nichts überstürzen, Pascal ist sowieso ein Versprechen für die Zukunft.» Er hat nicht vergessen, dass Vernier noch immer 14 ist. Pascal Vernier kam diese Woche in beiden Testspielen der Schweizer U-21 gegen Deutschland zum Einsatz .Foto: Wagner

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