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Swisscom einigt sich mit italienischen Behörden im Geldwäschereiskandal

Ein Vergleich über 45 Millionen Euro schafft eines von zwei Verfahren gegen Fastweb vom Tisch.

Von Angela Barandun Die Aufregung war gross, als die italienische Staatsanwaltschaft vor einem Jahr Haftbefehle gegen mehrere frühere und heutige Fastweb-Manager ausstellte. Die Rede war von Mehrwertsteuerbetrug und einem Geldwäschereiring der Mafia, in den auch die Tochterfirma der Swisscom verwickelt sein sollte. Lange war vieles unklar. Im April erhöhten die italienischen Behörden den Druck: Die Swisscom musste den Fastweb-Chef auswechseln und Rückstellungen für das Verfahren gegen die italienische Breitbandspezialistin in der Höhe von 70 Millionen Euro vornehmen. Allerdings betonte die Ex-Monopolistin stets, Fastweb sei nicht Täter, sondern Opfer. Mindestens in einem Teilbereich bleibt das nun offen: Am 12. November 2010 überwies Fastweb den italienischen Behörden 46?Millionen Euro – zwei Drittel des zurückgestellten Betrags. Der Vergleich betrifft das Geschäft mit den sogenannten Funcards: Telefonkarten für Anrufe auf Mehrwertdienstnummern (etwa Telefonsex). Fastweb hat diese Funcards nun an ein britisches Unternehmen verkauft. Über solche Mehrwertdienst-Nummern waschen Kriminelle Geld oder wickeln Schutzgeldzahlungen ab, indem sie ihre Opfer zwingen, den Dienst regelmässig für eine bestimmte Zeit anzurufen. Die Swisscom hat sich aus zwei Gründen für den Vergleich entschieden. Erstens: «Aufgrund der damaligen Kontrollsysteme können wir nicht ausreichend belegen, dass die Geschäfte mit den Telefonkarten korrekt abgelaufen sind», sagt Swisscom-Sprecher Carsten Roetz. Und zweitens, weil sich die Bussen mit der Dauer des Verfahrens vervielfachen. «Angesichts dieser Gefahr wurde es mir unheimlich», sagt Finanzchef Ueli Dietiker. Damit ist die Funcard-Affäre für die Swisscom endgültig vom Tisch. Fastweb zieht Ergebnis runter Der Teilvergleich betrifft allerdings nur das Jahr 2003. Für 2005 bis 2007 steht noch ein zweiter Fall im Raum. Demnach leitete Fastweb den Telefonverkehr einer britischen Firma über ihre Netze – bis nach Sizilien, wo Fastweb die Gespräche an eine andere Telecomfirma übergab. Diese besass eine italienische Konzession und beschäftigte 50?Angestellte – war also keine offensichtliche Scheinfirma. Ausserdem hat Fastweb gemäss den Erkenntnissen der Swisscom erwiesenermassen Telefongespräche durchgeleitet – es gab also keine offensichtlichen Scheingeschäfte. Hier ist die Swisscom im Moment zu keinem Vergleich bereit. «Das Fastweb-Management konnte nicht wissen, dass bei diesem Geschäft etwas nicht mit rechten Dingen zu- und herging», sagt Dietiker. Die 70?Millionen Euro Rückstellungen (gut 100?Millionen Franken) sind ein Grund dafür, dass das Ergebnis der Swisscom für 2010 schlechter ausfällt. Der andere ist ebenfalls bei Fastweb zu suchen: Die Probleme mit Zahlungsausfällen in Italien, die bereits vor einem Jahr ein Thema waren, wurden nicht behoben und ziehen sich bis ins Jahr 2011. In der Schweiz hingegen lief das Geschäft ausgezeichnet. Ohne Fastweb wären der Umsatz um 208 Millionen und der operative Gewinn um 155 Millionen Franken gestiegen. Besonders erfolgreich war das digitale TV-Angebot. Die Zahl der Kunden stieg innert eines Jahres um 189 000 auf 421 000 Kunden. Damit kommt die Swisscom der bisherigen Marktführerin Cablecom gefährlich nahe. Ende September wies diese 430 000 Kunden aus. «Im laufenden Jahr werden wir sie überholen», kündigt Konzernchef Carsten Schloter an. Für die TV-Spezialistin Cablecom wäre das ein herber Rückschlag. Schloter peilt 600 000 Kunden bis Ende Jahr an. Bald 200 Millionen Kunden? Auch bei den Mobilfunkkunden legte die Swisscom erneut kräftig zu. Ende Jahr verzeichnete sie 5,8?Millionen Handykunden. Für Schloter ist das nicht genug. In 10 Jahren rechnet er mit 100 bis 200 Millionen Kunden. Allerdings werden nur ein Bruchteil davon Menschen sein. Den grossen Rest bilden Maschinen: Mobilfunkchips in Autos, in Wettersonden, Stromzählern oder in der Logistik. Bereits heute sind einige Hunderttausend der 5,8 Millionen «Kunden» nicht mehr menschlicher Natur. Carsten Schloter verdiente letztes Jahr 1,899 Millionen Franken – nach 1,819 Millionen im Jahr 2009.Foto: Alessandro Della Bella (Keystone) Video-Interview mit Carsten SchloteriPhone: Tagi-App aufTA+Mobile: SMS mit Text Plus an 4488

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